Schizophrenie-Rückfall verhindern

Auf die Antipsychotika-Dosis kommt es an

Stuttgart - 09.09.2021, 09:15 Uhr

Welche Dosis ist die optimale, um einen Rückfall zu verhindern und die Patienten bei der Therapie zu halten? (Bild: lassedesignen / AdobeStock)

Welche Dosis ist die optimale, um einen Rückfall zu verhindern und die Patienten bei der Therapie zu halten? (Bild: lassedesignen / AdobeStock)


Kaum bessern sich die Beschwerden, wollen viele Patienten ihre Arzneimittel absetzen. Da stellen auch Schizophrenie-Patienten keine Ausnahme dar, ist doch das Risiko für Nebenwirkungen unter Antipsychotika besonders hoch. Gleichzeitig muss aber auch ein Rückfall vermieden werden. Eine Arbeitsgruppe hat versucht mittels einer Metaanalyse die optimale Dosis für eine Erhaltungstherapie herauszufinden.

Das Wort „Lagom“ kommt aus dem Schwedischen und kann am ehesten im Deutschen mit „nicht zu viel und nicht zu wenig“ oder „genau richtig“ übersetzt werden. Lagom sollte auch die Dosis einer Erhaltungstherapie bei stabil eingestellten Schizophrenie-Patienten sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Arbeitsgruppe, die in einer Metaanalyse versucht hat, die optimale Dosis für eine Schizophrenie-Erhaltungstherapie heraus­zufinden. 

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Die Ergebnisse wurden nun im „JAMA“ veröffentlicht. Zwei unabhängige Autoren hatten insgesamt 26 randomisierte klinische Studien mit 4.776 Teilnehmern ausgewertet. Die Erhaltungstherapie der Probanden, die sich alle stabil in 
Remission befanden, erfolgte in 72 verschiedenen Dosierungen mit Antipsychotika der zweiten Generation, Haloperidol oder Fluphenazin. 

Das Ergebnis präsentierte sich als eine Dosis-Wirkungs-Kurve 
in hyperbolischer Form. So nahm die Wahrscheinlichkeit, einen Rückfall zu erleiden, bis zu einer täglichen Dosis von 5 mg Risperidon-Äquivalent rasch ab (relatives Rückfallrisiko: 0,43), bei höheren Dosierungen flachte die Kurve jedoch ab. Gleichzeitig brachen mehr Probanden unter den höheren Dosierungen aufgrund von Nebenwirkungen ihre Therapie ab. 

Lag das relative Risiko für einen Therapiestopp unter einer täglichen Einnahme von 5 mg Risperidon-Äquivalent bei 1,38, so stieg es unter einer täglichen Einnahme von 15 mg Risperidon-Äquivalent bereits auf 2,68. Die Autoren schlussfolgern, dass höhere Dosierungen als 5 mg Risperidon-Äquivalent pro Tag nur einen geringfügig besseren Einfluss auf das Risiko für einen Rückfall haben, gleichzeitig muss dann aber auch mit mehr Nebenwirkungen gerechnet werden. 

Da es sich bei der Studie um Durchschnittswerte handelt, müssen in der Praxis auch Faktoren wie ein schneller oder langsamer Stoffwechsel, Alter, Komorbiditäten sowie mögliche Interaktionen mit anderen Arzneimitteln bei der Dosisfindung berücksichtigt werden.


Marina Buchheit, Apothekerin
redaktion@daz.online


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