Kommentar

Versender bieten keinen vergleichbaren Service zum Botendienst!

Stuttgart - 19.08.2021, 12:15 Uhr

Apotheken bieten im Rahmen des Botendienstes schon lange das an, was die Versender „Same Day Delivery“ nennen. (s / Foto: Schelbert)

Apotheken bieten im Rahmen des Botendienstes schon lange das an, was die Versender „Same Day Delivery“ nennen. (s / Foto: Schelbert)


In einem Artikel im aktuellen „ersatzkassen magazin“ setzen sich zwei Verbandsmitarbeiterinnen mit dem vergüteten Botendienst auseinander. Sie kritisieren nicht nur, dass einzelne Apotheken überproportional viele Botendienste abrechnen, sondern stellen auch den Vergütungsanspruch als solches infrage – weil Versandapotheken diesen Service kostenfrei erbringen würden. Eine Argumentation, die so einfach nicht stimmt: Versender bieten aktuell keinen vergleichbaren Service. Ein Kommentar von DAZ-Chefredakteurin Julia Borsch.

Seit vergangenem Jahr können Apotheken den Botendienst den Kassen in Rechnung stellen. Was zunächst als Maßnahme zur Kontaktminimierung im Zuge der Corona-Pandemie gedacht war, ist später mit dem VOASG verstetigt worden. Zwei Mitarbeiterinnen des Ersatzkassenverbands vdek setzen sich in der aktuellen Ausgabe des hauseigenen Blättchens nun mit dem Thema auseinander und beklagen die zusätzliche finanzielle Belastung der Krankenkassen – als Kassenlobbyistinnen ist das ihr Job.

Ihre Kritik daran, dass eine Handvoll Apotheken überproportional viele Botendienste abrechnen, ist auch nachvollziehbar. Da es sich anscheinend um lediglich 24 schwarze Schafe handelt, die für ein Viertel der Ausgaben verantwortlich sein sollen, müsste es im Bereich des Möglichen liegen, dem nachzugehen. Daneben stellen sie aber auch noch den Vergütungsanspruch als solches infrage – mit Argumenten, die so einfach nicht stimmen. Wörtlich heißt es in dem Artikel: 


Die Frage nach dem Vergütungsanspruch muss man auch deshalb stellen, weil Versandapotheken diesen Service kostenfrei erbringen und damit die oft von der Apothekerschaft eingeforderten ‚gleich langen Spieße‘ zwischen Offizin- und Versandapotheke gerade nicht hergestellt worden sind: Arzneimittel kosten die GKV bei den Vor-Ort-Apotheken mehr als bei konkurrierenden Versandapotheken.“

ersatzkassen magazin (4. Ausgabe 2021)


Dass Arzneimittel die GKV bei den Vor-Ort-Apotheken mehr kosten als bei den Versendern, stimmt schonmal nicht. Sie kosten exakt dasselbe, die Botendienst-Gebühr kommt halt gegebenenfalls on top. Dafür gibt es aber auch eine zusätzliche Leistung – nämlich die schnelle Versorgung bis an die Haustür. 

Fakt ist auch: Arzneimittelversender bieten keinen vergleichbaren Service an. Der Botendienst der Apotheken entspricht exakt dem, was im blumigen Marketingjargon von Shop Apotheke, DocMorris und Co. „Same Day Delivery“ genannt wird. „Same Day Delivery“ gibt es aber dort derzeit nur für nicht rezeptpflichtige Arzneimittel – aus rechtlichen Gründen. So ist beispielsweise bei der Shop Apotheke zu lesen, die das Angebot unter dem Label „NOW!“ bewirbt: „Rezeptpflichtige Bestellungen sind derzeit leider ausgeschlossen, da wir aus rechtlichen Gründen zuerst Ihr Originalrezept benötigen.“  Im OTC-Bereich ist das Ganze jedoch mitnichten kostenlos. Die Versender lassen sie sich diesen Service von den Patient:innen derzeit gut bezahlen – 4,99 Euro nimmt beispielweise die Shop Apotheke. 

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Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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