Cochrane Review

Kaum Beweise für die Wirksamkeit von Remdesivir bei COVID-19

Remagen - 13.08.2021, 09:15 Uhr

Der antivirale Wirkstoff Remdesivir galt seit Beginn der Corona-Pandemie als aussichtsreicher Kandidat für eine ursächliche Behandlung von COVID-19-Patienten. (x / Foto: IMAGO / CTK Photo)

Der antivirale Wirkstoff Remdesivir galt seit Beginn der Corona-Pandemie als aussichtsreicher Kandidat für eine ursächliche Behandlung von COVID-19-Patienten. (x / Foto: IMAGO / CTK Photo)


Einer der wenigen Hoffnungsträger in der Therapie von COVID-19 scheint die Erwartungen nicht erfüllen zu können. Nach einem neuen Cochrane Review hat Remdesivir in randomisierten kontrollierten Studien bislang keine eindeutige Wirkung auf die Sterblichkeit oder den Krankheitsverlauf von hospitalisierten COVID-19-Patienten gezeigt.

Der antivirale Wirkstoff Remdesivir galt in der Corona-Pandemie von Anfang an als aussichtsreicher Kandidat für eine ursächliche Behandlung von COVID-19-Patienten. Seit Juli 2020 ist es in der EU für an COVID-19 erkrankte Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren mit einer Lungenentzündung, die zusätzlich Sauerstoff, aber keine invasive Beatmung benötigen, bedingt zugelassen.

Ein aktueller Cochrane Review hat die verfügbare Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zur Wirksamkeit von Remdesivir in Bezug auf die Sterblichkeit und die Schwere des Krankheitsverlaufs bei hospitalisierten Patienten im Vergleich zu Placebo oder Standardbehandlung ausgewertet. Er basiert auf Evidenzsynthesen des COVID-19-Evidenzökosystems CEOsys, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über das Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin zu COVID-19 (NUM) gefördert wird.

Stand der Literatursuche ist der 16. April 2021.

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Was wurde evaluiert?

Die Reviewer waren an folgenden Ergebnissen interessiert:

  • Gesamtmortalität bis zum 28. Tag nach der Behandlung,
  • klinische Verbesserung nach der Behandlung, gemessen daran, wie lange die Betroffenen eine mechanische Beatmung oder Sauerstoff brauchten,
  • klinische Verschlechterung, gemessen daran, ob sie neu Sauerstoff oder mechanische Beatmung benötigten,
  • Lebensqualität,
  • unerwünschte Ereignisse und
  • schwerwiegende unerwünschte Ereignisse.

In die Bewertung eingeschlossen wurden fünf RCTs mit 7.452 Personen, die mit COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert worden waren. Davon erhielten 3.886 Personen Remdesivir. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 59 Jahre. Die Studien fanden auf der ganzen Welt statt, hauptsächlich in Ländern mit hohem und oberem mittlerem Einkommen.

Wenig oder gar kein Einfluss auf die Sterblichkeit

Nach der Auswertung das Datenlage hat Remdesivir wahrscheinlich nur einen geringen oder gar keinen Einfluss auf die Sterblichkeit hospitalisierter Personen mit mittelschwerem und schwerem COVID-19 (vier Studien, 7.142 Personen, moderate Evidenz). Von 1.000 Patienten sterben mit Remdesivir demnach acht weniger als mit Placebo oder Standardbehandlung. 



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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