Wirkstoff-Lexikon

Sorafenib

02.08.2021, 07:00 Uhr

(x / Quelle: DAZ)

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Im Jahr 2006 wurde der Mulitkinase-Inhibitor Sorafenib erstmals für den Einsatz bei Nierenzellkarzinom zugelassen. Heute kommt das Zytostatikum darüber hinaus noch bei weiteren fortgeschrittenen Krebserkrankungen zum Einsatz. Im Folgenden sind die wichtigsten Aspekte zusammengefasst – zum Nachlesen oder Anhören in unserem Podcast.

Name: Sorafenib

Formel: C21H16ClF3N4O3

IUPAC-Name: 4-[4-({[4-Chloro-3-(trifluoromethyl)phenyl]carbamoyl}amino)phenoxy]-N-methyl-2-pyridinecarboxamide

Sorafenib zählt zur Gruppe der Multikinase-Inhibitoren und wird als Zytostatikum zur Therapie von weit fortgeschrittenen Krebserkrankungen angewendet. Zu den Indikationen für Sorafenib zählt das fortgeschrittene Nierenzellkarzinom. Dort findet es Einsatz, wenn eine Standardtherapie versagt hat oder deren Einsatz nicht möglich ist. Ebenso wird Sorafenib angewendet bei Leberzellkarzinom (hepatozelluläres Karzinom) sowie bei progressivem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Schilddrüsenkarzinom, das nicht mehr auf eine Radiojodtherapie anspricht.

Die Anwendung von Sorafenib bei Hautkrebs wurde ebenso untersucht. Die Studien erbrachten jedoch keine ausreichend positiven Ergebnisse.

Wirkmechanismus

Sorafenib zählt zur Gruppe der Multikinasehemmer. Wie der Name bereits verrät, hemmen Multikinasehemmer verschiedene Kinasen in verschiedenen Signalwegen und greifen so an verschiedenen Stellen parallel in die Steuerung von Krebszellen ein. So wird die Angiogenese und Proliferation des Tumors gehemmt und auch das Tumorstroma beeinflusst. Sorafenib zeigt in vitro und in vivo antiproliferative und antiangiogene Eigenschaften. Zurückzuführen ist diese Wirkung auf die Hemmung der Kinaseaktivität sowohl bei Tumorzellen als auch bei Tumorgefäßen.

(Quelle: DAZ)

Pharmakokinetik

Sorafenib wird in der Leber mittels CYP3A4 metabolisiert. Darüber hinaus wird Sorafenib mittels des Enzyms UGT1A9 glucuronidiert und unterliegt somit dem enterohepatischen Kreislauf. Die Halbwertszeit von Sorafenib beträgt 25 bis 48 Stunden.

Nebenwirkungen

Das Spektrum für Nebenwirkungen unter der Einnahme von Sorafenib ist erheblich. Im Folgenden ist daher nur ein Auszug der möglichen Nebenwirkungen dargestellt. Dazu zählen:

  • Hypertonie
  • Hyperthyreose
  • Gastrointestinale Störungen (Diarrhö, Erbrechen, Obstipation, Stomatitis ...)
  • Hautausschlag
  • Alopezie
  • Hand-Fuß-Syndrom (Hautveränderungen an Handinnenflächen und Fußsohlen mit Schmerzen)
  • Störung des Geschmackempfindens
  • Appetitlosigkeit
  • Kopfschmerzen
  • erhöhte Amylase- und Lipase-Werte
  • Verlängerung des QT-Intervalls
  • Herzinsuffizienz
  • Thrombozytopenie

Patienten unter Sorafenibtherapie sollten daher regelmäßig die Schilddrüsenwerte, Leberwerte und den Blutdruck kontrollieren lassen.

Die Vielzahl der Nebenwirkungen des Multikinase-Inhibitors Sorafenib und deren Auswirkungen auf die Lebensqualität muss sorgsam mit dem Vorteil der Lebenszeitverlängerung abgewogen werden.

Wechselwirkungen (Auszug)

Da Sorafenib über die Enzyme CYP3A4 sowie UGT1A9 metabolisiert wird, können Induktoren der Enzyme den Metabolismus von Sorafenib verstärken und dadurch eine niedrige Konzentration von Sorafenib zur Folge haben. Arzneimittel, die zu dieser Wechselwirkung führen, sind zum Beispiel Rifampicin, Johanniskraut, Phenytoin und Carbamazepin. Interaktionen mit CYP3A4-Inhibitoren hingegen sind unwahrscheinlich, da Untersuchungen mit dem starken CYP3A4-Inhibitor Ketoconazol keinen Einfluss auf die Sorafenib-Konzentration zur Folge hatten.

Auch wenn Sorafenib CYP2C9 in vivo nur in geringem Maße hemmt, sollte man bei Patienten, die die CYP2C9-Substrate Warfarin oder Phenprocoumon einnehmen, die INR-Werte regelmäßig überprüfen. Darüber hinaus kann nicht ausgeschlossen werden, dass Sorafenib die Konzentrationen von gleichzeitig angewendeten Substraten von CYP2B6 und CYP2C8 erhöht.

Vorsicht ist geboten, wenn Sorafenib gleichzeitig mit Arzneimitteln angewendet wird, die vorwiegend über die Enzyme UGT1A1 oder UGT1A9 metabolisiert werden. Die gleichzeitige Einnahme von Irinotecan führt so beispielsweise zu erhöhten Irinotecankonzentrationen. Auch die gleichzeitige Anwendung von Sorafenib mit Docetaxel kann zu Wechselwirkungen führen. 

Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Anwendung von Neomycin oder anderen Antibiotika mit Sorafenib. Dies kann zu einer Abnahme der Bioverfügbarkeit von Sorafenib führen.

Kontraindikationen

Die Anwendung von Sorafenib darf nicht bei Überempfindlichkeit gegen diesen Wirkstoff erfolgen.

Dosierung

Sorafenib-Tabletten sind mit einer Wirkstoffkonzentration von 200 mg auf ärztliche Verschreibung hin erhältlich. Die empfohlene Einzeldosis von Sorafenib beträgt 400 mg. Die Einnahme der Tabletten erfolgt dabei zweimal täglich, wodurch eine Tagesgesamtdosis von 800 mg erreicht wird. Sorafenib wird unabhängig von einer Mahlzeit eingenommen. Bei gastrointestinalen Beschwerden empfiehlt es sich, Sorafenib zusammen mit einer leichten, mäßig fettigen Mahlzeit einzunehmen. Bei fettreicher Ernährung sollte die Tablette entweder eine Stunde vor der Mahlzeit oder zwei Stunden danach eingenommen werden.

Das Auftreten unerwünschter Arzneimittelwirkungen kann einen vorübergehenden Therapieabbruch oder eine Dosisreduktion von Sorafenib notwendig machen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Zur Anwendung von Sorafenib in der Schwangerschaft und in der Stillzeit liegen keine ausreichenden Daten vor. Tierexperimentelle Studien haben gezeigt, dass Sorafenib plazentagängig ist und sich embryotoxisch und teratogen auswirkt. Die Anwendung in der Schwangerschaft ist daher kontraindiziert. Zudem müssen Frauen im gebärfähigen Alter während einer Sorafenibtherapie eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.

Ebenso haben die tierexperimentellen Studien ergeben, dass Sorafenib in die Muttermilch übergeht und das Wachstum und die Entwicklung von Säuglingen schädigen könnte. Daher ist die Anwendung in der Stillzeit ebenso untersagt.

Zum Einfluss auf die Fertilität wurden keine spezifischen Tierstudien durchgeführt. Eine unerwünschte Wirkung auf die Fertilität kann dennoch erwartet werden, da Tierstudien Veränderungen der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane zeigen.

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Quelle

Fachinformation - Sorafenib

Geisslinger G., Menzel S. Mutschler Arzneimittelwirkungen. Pharmakologie – Klinische Pharmakologie – Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2020


Annika Weidinger, Apothekerin
redaktion@daz.online


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