Restbestände aus der Nationalen Reserve

ABDA: Noch immer keine Einigung mit BMG zu Grippeimpfstoff-Resten erzielt

Berlin - 07.07.2021, 12:15 Uhr

Vom Schnelldreher zum Ladenhüter: Grippeimpfstoff war in der vergangenen Saison zunächst rar, dann im Überfluss vorhanden. (Foto: IMAGO / Ukrinform)

Vom Schnelldreher zum Ladenhüter: Grippeimpfstoff war in der vergangenen Saison zunächst rar, dann im Überfluss vorhanden. (Foto: IMAGO / Ukrinform)


Werden Apotheken einen finanziellen Ausgleich erhalten für die Lagerwertverluste, die ihnen in der vergangenen Grippesaison durch Restbestände an Influenza-Impfstoffen entstanden sind? Seit Monaten laufen inzwischen die Gespräche zwischen ABDA und Bundesgesundheitsministerium zu diesem Thema. Zu einem Ergebnis haben sie jedoch noch immer nicht geführt, wie ein ABDA-Sprecher auf Nachfrage der DAZ mitteilt.

In der vergangenen Grippesaison ging es drunter und drüber: Pandemiebedingt war die Nachfrage nach Impfungen gegen Influenza im Vergleich zu den Jahren zuvor spürbar gestiegen. Es hatte jedoch zunächst im Oktober und November, den klassischen Monaten für die Grippeimpfung, an Impfdosen gemangelt. Als im Dezember der Bund seine sogenannte Nationale Reserve von rund sechs Millionen Dosen in den Markt einspeiste, hatte das Interesse bereits deutlich abgenommen. Viele Apotheken blieben auf den Präparaten sitzen. Diese sind inzwischen unbrauchbar, denn Grippeimpfstoffe werden bekanntermaßen für jede Saison speziell an die jeweils grassierenden Virenstämme angepasst.

Für viele Apotheken bedeutete das herbe finanzielle Verluste. Nach Angaben des Apothekerverbands Nordrhein (AVNR) könnten allein im Zuständigkeitsbereich des AVNR rund 100.000 Impfstoffdosen im Wert von etwa 1,2 Millionen Euro verfallen sein. Grundsätzlich tragen die Apotheken das wirtschaftliche Risiko bei der Bestellung – ob das auch in einem Sonderfall wie der vergangenen Saison gilt, in der der Bund einen Teil der Impfstoffe beschafft hatte, muss die ABDA mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) klären.

Wie die Standesvertretung und das Ministerium Anfang März gegenüber der DAZ bestätigten, prüfe man derzeit im Hause Spahn, ob die Apotheken für die ihnen entstandenen Lagerwertverluste zu entschädigen sind. Ein entsprechendes Konzept hatte die ABDA gemeinsam mit dem Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (Phagro) entworfen und beim BMG eingereicht. Seitdem ist es still geworden um das Thema.

Was hat die ABDA bisher erreicht?

Nach nunmehr vier Monaten hakte die DAZ bei der ABDA nach: Haben die Gespräche mit dem Ministerium endlich ein Ergebnis geliefert? Wird es einen finanziellen Ausgleich für die Apotheken geben? Leider werden sich die betroffenen Apotheker:innen wohl noch eine Weile gedulden müssen: Wie ein ABDA-Sprecher wissen lässt, ist in dieser Sache noch immer keine Entscheidung gefallen. Bezüglich der Restbestände an Grippeimpfstoffdosen „gibt es keinen neuen Stand – der DAV ist hier natürlich weiterhin um eine Lösung bemüht“, heißt es auf Anfrage.


Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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