Erhöhtes Risiko für Präeklampsie

Besser keine Probiotika in der Schwangerschaft

Stuttgart - 29.06.2021, 09:15 Uhr

Für Schwangere mit Gestationsdiabetes steigt das Risiko für eine Präeklampsie, die sich durch einen hohen Blutdruck und Protein im Urin äußert. (c / Foto: auremar / AdobeStock)

Für Schwangere mit Gestationsdiabetes steigt das Risiko für eine Präeklampsie, die sich durch einen hohen Blutdruck und Protein im Urin äußert. (c / Foto: auremar / AdobeStock)


In der Regel geht man davon aus, dass die Einnahme von Probiotika keine schädlichen Wirkungen mit sich bringt. Dass das auch anders sein kann, hat ein Cochrane-Review kürzlich gezeigt, bei dem die Einnahme von Probiotika zur Vorbeugung eines Gestationsdiabetes untersucht worden war. 

Gestationsdiabetes ist eine gefürchtete Komplikation während der Schwangerschaft, die vor allem übergewichtige oder adipöse Frauen betrifft und typischerweise ab der 13. Schwangerschaftswoche auftritt. Die Kinder werden häufig übermäßig groß geboren. Gleichzeitig steigt für die Schwangere mit Gestationsdiabetes das Risiko für eine Präeklampsie, die sich durch einen hohen Blutdruck und Protein im Urin äußert. Auch wenn die Blutzuckerwerte sich in der Regel nach der Schwangerschaft von alleine normalisieren, haben betroffene Frauen ein erhöhtes Risiko, im weiteren Verlauf ihres Lebens an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Daher kommt der Prävention des Schwangerschaftsdiabetes eine besondere Rolle zu. 

In einem aktuellen Cochrane-Review wurden nun insgesamt sieben randomisierte kontrollierte Studien ausgewertet, in denen 1.647 Schwangere entweder Probiotika oder Placebo zur Prävention eines Gestationsdiabetes eingenommen hatten. 

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass aufgrund der weiten Konfidenzintervalle und der sehr unterschiedlichen Zusammensetzungen der Probiotika-Präparate keine evidente Aussage darüber getroffen werden kann, ob diese einen Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen können oder nicht (mittlere Risk Ratio: 0,8; Konfidenzintervall: 0,54 bis 1,2).

Dieser Artikel erschien in der DAZ
Ausgabe 25 / 2021, Seite 41

Dagegen konnte mit hoher Evidenz ein deutlich erhöhtes Präeklampsie-Risiko (mittlere Risk Ratio: 1,85) bei den Frauen nachgewiesen werden, die die Probiotika angewendet hatten. Ebenso stieg das Risiko für hypertensive Störungen (Risk Ratio: 1,39). 

Aufgrund dessen raten die Wissenschaftler von einem Gebrauch von Probiotika ab und verweisen auf acht Studien, die aktuell laufen und weitere Erkenntnisse diesbezüglich liefern werden.


Marina Buchheit, Apothekerin
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Risiko für Präeklampsie wird erhöht

Vorsicht mit Probiotika in der Schwangerschaft

Prävention der akuten Mittelohrentzündung scheint bei Kindern möglich

Probiotika gegen schmerzende Ohren

Probiotika in der Schwangerschaft könnten vor Präeklampsie und Frühgeburt schützen

Trinkt mehr (probiotische) Milch!?

Ein Für und Wider zum Routinescreening von Schwangeren auf Gestationsdiabetes

Umstrittener Zuckertest

Mikronährstoffe bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft

Rundum gut versorgt

Eine Frage der Dosierung und des Stadiums

ASS in der Schwangerschaft

„Darmaufbau“ nach Antibiotika

Probiotika – nicht immer sinnvoll und harmlos

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.