Fachkräfte-Engpassanalyse für das Jahr 2020

Trotz Corona: Mangel an Apothekerinnen und Apothekern auf dem Arbeitsmarkt

Stuttgart - 04.06.2021, 07:00 Uhr

Bezogen auf die Berufsgruppe Apotheker/Pharmazeuten meint die ABDA, dass durch die Risikoindikatoren davon ausgegangen werden könne, dass sich die Fachkräftesituation zukünftig zuspitzen werde. (Foto: Gorodenkoff / AdobeStock)

Bezogen auf die Berufsgruppe Apotheker/Pharmazeuten meint die ABDA, dass durch die Risikoindikatoren davon ausgegangen werden könne, dass sich die Fachkräftesituation zukünftig zuspitzen werde. (Foto: Gorodenkoff / AdobeStock)


Die Bundesagentur für Arbeit hat ihre Fachkräfteengpassanalyse für das Jahr 2020 veröffentlicht, das teilt die ABDA aktuell mit. Demnach bestätigt sich auch mithilfe einer neuen Analysemethode erneut der Mangel an Apothekerinnen und Apothekern. Spitzt sich die Situation zukünftig gar noch zu?

Insgesamt macht sich laut der neuen Fachkräfteengpassanalyse für das Jahr 2020 der Bundesagentur für Arbeit (BA) auch bei den Fachkräften die Corona-Pandemie bemerkbar: Die Zahl der Berufe mit Engpässen sei im Vergleich zum Vorjahr spürbar gesunken. „Für das Jahr 2020 wurden für insgesamt 131 Berufsgattungen Engpässe erkannt. Im Jahr zuvor waren es noch 185 Berufsgattungen.“ 

Das stelle wahrscheinlich aber nur eine Momentaufnahme dar. Die demografische Entwicklung lasse das inländische Erwerbspersonenpotenzial weiter deutlich schrumpfen, was mittelfristig wieder zu einer höheren Nachfrage nach Fachkräften führen dürfte, schreibt die Bundesagentur für Arbeit. Engpässe zeigten sich vor allem in der Pflege, im Bereich der medizinischen Berufe, in Bau- und in Handwerksberufen sowie in IT-Berufen.

Für die Berufsgruppe Apotheker:innen/Pharmazeut:innen liegt der Wert der Engpassindikatoren bei 2,5, (zum Vergleich: für Fachärzt:innen in der Inneren Medizin bei 2,8). Dazu erklärt die ABDA, dass mit dem neuen Punktesystem von 0 bis 3 die BA die Engpass-Situation objektiver, datenbasierter und nachvollziehbarer beschreiben wolle. „Je höher die Zahl, desto stärker die Engpasssituation.“ Ab einem Wert von 2,0 könne man von einem Engpassberuf sprechen.

Auf ihrer Homepage erklärt die Bundesagentur für Arbeit (BA) dazu: „Die jährliche Engpassanalyse der BA stellt dar, in welchen Berufen die Besetzung von gemeldeten Stellen aufgrund von Fachkräfteengpässen relativ schwerfällt. Im Unterschied zu der bisherigen Analyse werden nun die Engpassberufe auf Grundlage von sechs Engpassindikatoren identifiziert.“ 

Zur Bewertung werden also folgende sechs Engpassindikatoren, vier Risikoindikatoren und vier Ergänzungsindikatoren herangezogen (Wert für Apotheker:innen/Pharmazeut:innen in Klammern):

  • Vakanzzeit (Median) (2), Arbeitsuchenden-Stellen-Relation (3), berufsspezifische Arbeitslosenquote (3), Veränderung des Anteils sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung von Ausländern (2), Abgangsrate aus Arbeitslosigkeit (3), Entwicklung der mittleren Entgelte (2)
  • Veränderung des Anteils älterer Beschäftigter (60 Jahre und älter) (3), Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Ausbildungsstellen (2), Absolventen-Beschäftigten-Relation, Substituierbarkeitspotenzial (IAB)
  • Berufliche Mobilität (0), Arbeitsstellenbestandsquote (2), Teilzeitquote (3), Selbstständigen-Anteil (2)

Bezogen auf die Berufsgruppe Apotheker/Pharmazeuten meint die ABDA, dass durch die Risikoindikatoren (s.o. Unterpunkt 2), die ebenfalls im Durchschnitt bei 2,5 liegen, davon ausgegangen werden könne, dass sich die Fachkräftesituation zukünftig zuspitzen werde.

Weil bei der Ermittlung von Engpässen unter anderem die bei der Bundesagentur für Arbeit von den Betrieben gemeldeten offenen Arbeitsstellen wichtige Datenquelle sind, bittet die ABDA die Apotheken, ihre freien Arbeitsstellen an die Agenturen für Arbeit zu melden, damit diese statistisch erfasst werden können.

Die Punkteskala im Detail:

„Wenn ein Indikator bestimmte Grenzwerte überschreitet und damit Anzeichen für Engpässe aufweist, bekommt dieser einen Punktewert von 3, wenn schwache Anzeichen vorhanden sind, dann gibt es 2 Punkte, bei keinen Anzeichen gibt es einen Punkt und 0 Punkte, wenn der Indikator sehr weit entfernt von Grenzwerten liegt. Bei Ergänzungsindikatoren reichen die Werte von stark überdurchschnittlich bis zu stark unterdurchschnittlich.“

„Aus dem Gesamtwert erfolgt schlussendlich die Einteilung in Engpass- und Nichtengpassberufe. Liegt der Gesamtwert zwischen 3,0 bis einschließlich 2,0 Punkten, so handelt es sich um einen Engpassberuf. Bei Werten kleiner 2,0 bis ein schließlich 1,5 Punkte handelt es sich um Berufe im Beobachtungsbereich. Bei diesen Berufen könnte es sich unter Umständen um künftige Engpassberufe handeln. 

Risikoindikatoren können dabei Indizien für mögliche Entwicklungen liefern. Wenn die durchschnittliche Punktezahl allerdings unter 1,5 Punkten liegt, sprechen die Engpassindikatoren dafür, dass es sich nicht um einen Engpassberuf handelt.“


Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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