Neue Coronavirus-Impfverordnung

Keine Bewegung bei der Apothekenvergütung

Berlin - 02.06.2021, 15:20 Uhr

Das Haus von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Coronavirus-Impfverordnung angepasst. Die Apotheker:innen dürften sich mehr erhofft haben. (Foto: IMAGO / IPON)

Das Haus von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Coronavirus-Impfverordnung angepasst. Die Apotheker:innen dürften sich mehr erhofft haben. (Foto: IMAGO / IPON)


Das Bundeskabinett hat am heutigen Mittwoch die neu gefasste Coronavirus-Impfverordnung aus dem Hause Spahn gebilligt. Damit fällt zum 7. Juni bundesweit die Priorisierung bei den COVID-19-Schutzimpfungen. Nicht nachgebessert hat der Verordnungsgeber allerdings bei der Honorierung der Apotheken für die Belieferung der Arztpraxen mit Impfstoffen. Die ABDA hatte hier eine deutliche Anpassung nach oben gefordert. Die Regierung hält auch an der geplanten Staffel-Vergütung für die Belieferung der Betriebsärzte fest. Dafür soll der Großhandel, dessen Vergütung gerade erst gekürzt wurde, wieder etwas mehr bekommen.

Die ABDA hatte in ihrer Stellungnahme zum Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) für eine neue Coronavirus-Impfverordnung ihren Standpunkt deutlich gemacht: Der Aufwand der Apotheken für die Belieferung der Arztpraxen mit COVID-19-Impfstoffen wird mit den derzeitigen 6,58 Euro netto pro Vial nicht abgedeckt. Die Standesvertretung hat vielmehr ermittelt, dass mehr als 18,08 Euro netto nötig wären. Eine entsprechende Aufstellung hat sie dem BMG auch zum 17. Mai übermittelt, ganz wie es die Impfverordnung vorsieht, um eine etwaige Anpassung vorzunehmen. In der Stellungnahme forderte die ABDA daher eine entsprechende Erhöhung der Vergütung und einen Ausgleich der Unterdeckung aus der Vergangenheit.

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Doch damit ist die ABDA bei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) offensichtlich aufgelaufen. Am heutigen Mittwoch beschloss das Bundeskabinett die von seinem Haus gefertigte Neufassung der Coronavirus-Impfverordnung, ohne dass sich darin Änderungen zur Apothekenvergütung finden würden. Es bleibt bei den 6,58 Euro für jede an Vertragsärzte gelieferte Durchstechflasche – neu ist, dass sie nun auch Privatärzte beliefern dürfen.

Keine Änderung gibt es auch mit Blick auf die Vergütungshöhe für die Belieferung der Betriebsärzte. Wie schon im Referentenentwurf vorgesehen, soll diese gestaffelt werden. Konkretisiert wurde lediglich, dass hier immer eine Berechnung pro „Kalendermonat erfolgt“. Das heißt, künftig gibt es je an einen Betriebsarzt oder eine Betriebsärztin abgegebene Durchstechflasche

  • 6,58 Euro zuzüglich Umsatzsteuer für die Abgabe der 1. bis 100. Durchstechflasche innerhalb eines Kalendermonats,
  • 4,28 Euro zuzüglich Umsatzsteuer für die Abgabe der 101. bis 150. Durchstechflasche innerhalb eines Kalendermonats und
  • 2,19 Euro zuzüglich Umsatzsteuer für die Abgabe jeder weiteren Durchstechflasche innerhalb eines Kalendermonats.

Allerdings wurde an der Begründung für diese Staffelung nachgefeilt. Dort ist nun zu lesen:


Die gesonderte Vergütungsregelung für die Belieferung von Betriebsärzten durch Apotheken wurde auf der Grundlage der bestehenden Versorgungsstrukturen verfasst. Im Vergleich zur herkömmlichen Apothekenversorgung übernehmen hier teilweise spezialisierte Apotheken die Versorgung für Betriebsärzte. Mit der Regelung sollen deshalb mögliche Skaleneffekte ausgeglichen werden. Der Sachverhalt ist insoweit nicht übertragbar auf die regionalen Versorgungsstrukturen der Vertrags- und Privatärzte. Die Einbeziehung der Betriebsärzte in die dezentrale Impfkampagne ist zudem zeitlich begrenzt. (…) Den Apotheken entsteht bei den bei dieser Belieferung höheren Anzahlen abgegebener Durchstechflaschen je Transport im Vergleich zur Belieferung von Arztpraxen ein relativ geringerer Aufwand, der eine in der Höhe gestaffelte Vergütung in Abhängigkeit von der Liefermenge rechtfertigt.“

Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 (In der vom Kabinett gebilligten Fassung vom 2. Juni 2021)




Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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4 Kommentare

Ergebnis von Strategielosigkeit

von Dr. House am 03.06.2021 um 13:00 Uhr

War nicht anders zu erwarten. Wenn man auf Augenhöhe verhandeln will, muss man leider heutzutage mit Konsequenzen drohen. Ja auch im Gesundheitswesen und auch wenn Menschenleben gefährdet sind. Sonst nimmt uns der Verhandlungspartner nicht ernst. Die Ärzte machen es seit Jahren vor wie es geht. Solche "leeren" Verhandlungen sind nicht einfach nur eine Akutniederlage. Sie beschädigen auch unsere zukünftigen Verhandlungspositionen und quallifizieren uns lediglich für weitere "nützliche Idiotenjobs". Wenn man schon nicht von Streiks sprechen möchte, dann hätte man mindestens mit konsequentem Einschränken von Leistungen drohen müssen. Stattdessen sagt man einfach in Mäuschenlautstärke, dass die Vergütung zu niedrig ist und lässt es dann auf sich beruhen. Wir können uns diese Strategielosigkeit nicht mehr leisten. Sie ist weder nett, noch verantwortungsvoll. Sie gefährdet die Arzneimittelversorgung in Deutschland.

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Preis GH rauf - Preise GH runter

von gerd reitler am 02.06.2021 um 20:53 Uhr

Sorry, aber das ist Irrsinn.

Wie verbraten hier ordentlich Manpower für Spahn´sches Geschwurbel.
Weiß er, was er unseren Teams damit antut?

Ein Fauxpas reiht sich an den Nächsten.
Den Fehler sieht er (Spahn) nicht bei sich und kommt offensichtlich damit durch.
Andere immer wieder dumm aussehen lassen, um selber gut dazustehen.

In meinem Freundeskreis würde ich mich von solchen Charakteren trennen. Aber so ist nun einmal Politik,
Davon haben Apotheker´s keine Ahnung. :-(

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Tja

von Karl Friedrich Müller am 02.06.2021 um 16:45 Uhr

Da kann man nur einen Hass bekommen. Für Spahn kostenlos allen Quark machen wie Hirschhausen Bücher verteilen, der selbst auch dauernd über Apotheken herzieht.
Die Parteien bedienen sich aus dem Staatssäckel, angepasst an den Index, Regierung und Abgeordnete sowieso. Das reicht nicht, also müssen zusätzliche Einkommen her mit windigen Geschäften, die auch noch illegal sind oder sein könnten.
Dem arbeitenden Bürger gönnt man nichts. Seit 17 Jahren keine Erhöhung, dazwischen sogar eine Kürzung (AMNOG. Unberechtigt! Die KK schwammen im Geld und haben es vergeudet)
Spahn geht es wohl auch nicht schlecht. Wie finanziert er seine viele Immobilien?
Was macht er noch außer Sprüche klopfen? Wo ist die Impfstoffschwemme? Oft angekündigt, noch öfter ausgeblieben. Dafür wird die ganze Impferei immer chaotischer. Nichts, was er macht, hat eine Linie. Nur Chaos. Ist er so oder ist das Absicht?
Ach doch: Agieren gegen die Apotheken vor Ort. Da ist er konsequent und wird auch bald sein Ziel erreicht haben.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Totengräber

von Hirschmann am 02.06.2021 um 19:52 Uhr

Solange sich die Apotheker so demütig ducken sind sie ihr eigener Totengräber !!!!!

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