Schrittweise Rückkehr

Sport und COVID-19

Stuttgart - 03.05.2021, 10:53 Uhr

Wer eine COVID-19-Infektion überstanden hat, sollte schrittweise das Sportpensum erhöhen. (Foto: picsfive / AdobeStock)

Wer eine COVID-19-Infektion überstanden hat, sollte schrittweise das Sportpensum erhöhen. (Foto: picsfive / AdobeStock)


Deutschland befindet sich nach wie vor im Lockdown, die meisten Sportangebote – sei es in Vereinen oder in Fitnessstudios – sind untersagt. Dennoch stellt sich die Frage, wann nach einer Infektion mit COVID-19 wieder mit sportlicher Tätigkeit oder ganz allgemein körperlicher Aktivität begonnen werden kann. In einem kürzlich im British Medical Journal veröffentlichten Artikel wird dieser Frage nachgegangen. Ebenso bezieht die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention in einem gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund veröffentlichten Positionspapier dazu Stellung.

COVID-19 ist eine Erkrankung mit sehr unterschiedlichen Krankheits­verläufen. Von symptomlos über leichte Erkältungsanzeichen bis hin zu schweren, gar tödlichen Verläufen. Auch in der Art der Organmanifestation sind die Krankheitsbilder stark variabel. Neben akuten Beeinträchtigungen kann eine Infektion mit SARS-CoV-2 sehr wahrscheinlich auch zu chronischen Gesundheitsschäden führen. Es stellt sich die Frage, wann und in welchem Ausmaß nach einer durchgemachten Erkrankung wieder mit körperlicher Aktivität bis hin zu Wettkampfsport begonnen werden kann.

Schrittweise Rückkehr zu normaler körperlicher Aktivität …

Auf Basis umfangreicher Literatur­recherchen haben britische Wissenschaftler die Empfehlungen und Erfahrungswerte verschiedener Fachgesellschaften zusammengetragen.1 

Abb. 1: Stufenschema für eine schrittweise Rückkehr zur vollständigen körperlichen Aktivität [1]

So ist vor allem bei Patienten, bei denen eine Myokarditis vorlag, Vorsicht geboten ebenso nach thromboembolischen Ereignissen, wie z. B. einer Lungenembolie. Die Inzidenz für Myokardverletzungen oder thromboembo­lische Komplikationen nach milden oder moderaten Verläufen ist jedoch als eher gering einzuschätzen. Es sollten deshalb die positiven Auswirkungen der körperlichen Aktivität auf die Gesundheit gegenüber den Risiken, die dadurch entstehen können, abgewogen werden. Die Verfasser des Papiers befürworten einen pragmatischen Ansatz, der eine schrittweise Rückkehr zu körperlicher Aktivität ermöglicht. Abbildung 1 gibt einen Überblick über die verschiedenen Phasen der Wiederaufnahme körperlicher Anstrengung bis hin zur ursprünglichen Belastung vor der Erkrankung in Abhängigkeit der durchgestandenen Symptome. 

Im natürlichen Verlauf von COVID-19 tritt eine Verschlechterung, die eine schwere Infektion anzeigt, häufig etwa eine Woche nach Beginn der Symptome auf. Es gilt deshalb prinzipiell, dass eine Rückkehr zu Bewegung oder sportlicher Aktivität nur nach einer asymptomatischen Periode von mindestens sieben Tagen erfolgen sollte. Jede durchlaufene Phase sollte mindestens eine Woche umfassen. Die Menschen sollten jedoch so lange wie nötig in der Phase bleiben, in der sie sich wohlfühlen. Eine Stunde nach dem Training und am Tag danach sollte auf abnormale Atemnot, abnormale Herzfrequenz, übermäßige Müdigkeit oder Lethargie geachtet werden. Treten diese auf oder zeigen sich nicht die erwarteten Fortschritte, sollte zu einer früheren Phase der Aktivität zurückgekehrt und eventuell ärztlicher Rat eingeholt werden. Das Führen ­eines Tagebuchs über den Trainingsverlauf zusammen mit der RPE-Skala (Borg Rating of Perceived Exertion), etwaigen Stimmungsänderungen und objektiven Fitnessdaten wie der Herzfrequenz kann hilfreich sein, um den Fortschritt zu überwachen. 

Die RPE-Skala ist eine subjektive Bewertungsskala, die eingesetzt werden kann, um Menschen bei der Auswahl der Aktivitäten zu unterstützen, die sie in den Phasen zunehmender körperlicher Aktivität ausführen sollen. Die Personen bewerten ihr vollständiges subjektives Gefühl der Anstrengung, einschließlich Atemnot und Müdigkeit, auf einer Skala von 6 (überhaupt keine Anstrengung) bis 20 (maximale Anstrengung).

Bei anhaltenden Symptomen, die auf eine postakute COVID-19-Krankheit hinweisen können, ist eine umfassende Bewertung dieser unter Einbeziehung von Rehabilitationsdiensten erforderlich. Bei Personen, die keine Krankenhausbehandlung benötigten, aber während ihrer Krankheit Symptome hatten, die auf eine Myokardverletzung hinweisen, wie Brustschmerzen, schwere Atemnot, Herzklopfen, Anzeichen von Herzinsuffizienz oder Ohnmacht, ­sollten weitere Untersuchungen, wie die Durchführung eines EKG erfolgen. Wurde eine Myokarditis diagnostiziert, sollte die körperliche Belastung für drei bis sechs Monate eingeschränkt werden.



Dr. Sabine Fischer, Apothekerin, DAZ-Autorin
redaktion@daz.online


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