Frauen mit Typ-2-Diabetes

Einfluss von Metformin auf das Brustkrebsrisiko

Stuttgart - 19.04.2021, 17:50 Uhr

Es bleibt zu klären, warum der günstige Einfluss von Metformin nur bei Hormonrezeptor-positiven Erkrankungen zu beobachten ist. (Foto: IMAGO / Dean Pictures)

Es bleibt zu klären, warum der günstige Einfluss von Metformin nur bei Hormonrezeptor-positiven Erkrankungen zu beobachten ist. (Foto: IMAGO / Dean Pictures)


US-amerikanische Forscher haben den Einfluss von Metformin auf das Brustkrebsrisiko von Frauen mit Typ-2-Diabetes untersucht und kamen zu interessanten Schlüssen: Die Einnahme des Antidiabetikums führte zu einer Abnahme Hormonrezeptor-positiver Karzinome und zu einer Zunahme Hormonrezeptor-negativer Brustkrebserkrankungen.

Typ-2-Diabetikerinnen weisen ein um rund 20 Prozent erhöhtes Brustkrebsrisiko auf. Als mögliche Ursachen werden eine Aktivierung der Insulin- oder Insulin-like-Wachstumsfaktor-Rezeptoren im epithelialen Brustgewebe oder Veränderungen der Sexualhormonspiegel aufgrund einer Insulinresistenz oder Hyperinsulinämie diskutiert. Der Gedanke liegt daher nahe, mithilfe von Antidiabetika das Brustkrebsrisiko zu senken. Ein möglicher Kandidat hierfür ist Metformin. 

Der Wirkstoff verringert die Konzentration an zirkulierendem Insulin und Insulin-like-Wachstumsfaktoren und verbessert dadurch die Insulinempfindlichkeit und Hyperinsulinämie. Da Studien, die den Einfluss von Metformin auf das Brustkrebsrisiko untersuchten, zu keinen einheitlichen Aussagen kamen, wurde in einer prospektiven Kohortenstudie dieser Frage erneut nachgegangen.

Vergleich zwischen Schwestern

Die erforderlichen Daten wurden der US-amerikanischen Sister-Study entnommen. Diese vom National Institute of Environmental Health Sciences durchgeführte Studie geht unter anderem Fragen zur Ursache von Brustkrebs nach. Um den Einfluss genetischer Faktoren einschätzen zu können, erfasst sie auch die Daten von Angehörigen krebskranker Frauen. Der Datenpool enthält die Angaben von mehr als 50.000 Frauen aus den USA und Puerto Rico. Auf diese Daten wurde in der aktuellen Brustkrebs­präventions-Studie zurückgegriffen. Die 44.541 Probandinnen im Alter zwischen 35 und 74 Jahren hatten alle eine Schwester oder Halbschwester, die an Brustkrebs erkrankt war, litten aber selbst bei Studieneinschluss (2003 bis 2009) nicht an einem Mammakarzinom. Die Informationen zum Vorliegen und der Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 stammten aus Eingangsuntersuchungen und regelmäßig von den Teilnehmern ausgefüllten Fragebögen. Die Häufigkeit von Brustkrebserkrankungen wurde anhand ärztlicher Informationen erfasst. Während einer Beobachtungszeit von median 8,6 Jahren traten 2.678 Mammakarzinome auf. Von den 5.616 Frauen mit Typ-2-Diabetes nahmen 61 % zu irgendeinem Zeitpunkt Metformin ein.

Dieser Artikel erschien in der  
Deutschen Apotheker Zeitung – Ausgabe 15 / 2021, S. 46

Unterschiedlicher Einfluss von Metformin

Betrachtete man die gesamte Kohorte, so zeigte sich keine Assoziation zwischen dem Vorliegen eines Typ-2-­Diabetes und einem erhöhten Brustkrebsrisiko (Hazard Ratio [HR]: 0,99; 95 %-­Kon­fidenzintervall [KI]: 0,87 bis 1,13). Hingegen traten bei Diabetikerinnen häufiger triple-negative Mammakarzinome auf als bei Frauen ohne Diabetes (HR: 1,40; 95 %-KI: 0,90 bis 2,16). Frauen, die aufgrund ihres Diabetes Metformin einnahmen, erkrankten ähnlich häufig an einem Brusttumor wie Nicht-Diabetikerinnen (HR: 0,98; 95 %-KI: 0,83 bis 1,15). Unterschied man dagegen den Rezeptorstatus, ließen sich Abweichungen erkennen: So wurde das Brustkrebs­risiko für Hormonrezeptor-positive Karzinome durch die Metformin-Einnahme um 14 % gesenkt (HR: 0,86; 95 %-KI: 0,70 bis 1,05). Dieser günstige Einfluss stieg mit der Anwendungsdauer des Antidiabetikums: Bei einer mehr als zehnjährigen Einnahme reduzierte sich das Risiko für Hormonrezeptor-positiver Karzinome um 38 % (HR: 0,62; 95 %-KI: 0,38 bis 1,01). Dagegen war das Risiko für Hormonrezeptor-negative Karzinome unter der Metformin-Einnahme um 25% erhöht (HR: 1,25; 95 %-KI: 0,84 bis 1,88). Das Risiko für triple-negative Karzinome war unter der Metformin-Therapie sogar um 74 % erhöht (HR: 1,74; 95 %-KI: 1,06 bis 2,83).

Fazit

Bei Typ-2-Diabetikerinnen hängt der Einfluss einer Metformin-Einnahme auf das Brustkrebsrisiko vom Rezeptorstatus und der Dauer der Therapie ab. Eine Abnahme des Risikos wird nur bei Hormonrezeptor-positiven Karzinomen beobachtet. Je länger die Einnahme von Metformin erfolgte, umso stärker sank das Risiko. Den Autoren zufolge bleibt zu klären, warum der günstige Einfluss von Metformin nur bei Hormonrezeptor-positiven Erkrankungen zu beobachten ist. 

 

Literatur 
Park Yt al. A prospective study of type 2 diabetes, metformin use, and risk of breast cancer. Ann Oncol. 2021 Mar;32(3):351-359. doi: 10.1016/j.annonc.2020.12.008. Epub 2021 Jan 29. PMID: 33516778.


Dr. Petra Jungmayr, Apothekerin
redaktion@daz.online


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