Auf Vektor- folgt mRNA-Impfstoff?

Großbritannien weitet Tests zu Impfstoff-Kombinationen aus

Stuttgart - 14.04.2021, 13:45 Uhr

Geklärt werden müsse, ob die Immunantwort genauso gut ist, als wenn man für die erste und zweite Dosis denselben Impfstoff verabreicht. (x / Foto: IMAGO / newspix)

Geklärt werden müsse, ob die Immunantwort genauso gut ist, als wenn man für die erste und zweite Dosis denselben Impfstoff verabreicht. (x / Foto: IMAGO / newspix)


Britische Wissenschaftler:innen weiten ihre Tests zur Impfstoff-Wirksamkeit bei der Kombination unterschiedlicher Präparate weiter aus. Künftig werden auch die Impfstoffe von Moderna und Novavax einbezogen, wie Matthew Snape von der Universität Oxford am Mittwoch dem „Times Radio“ sagte. Seit Februar wird bereits in einer klinischen Studie untersucht, ob die bereits seit längerem in Großbritannien zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Oxford/AstraZeneca in unterschiedlicher Abfolge als erste und zweite Dosis verwendet werden können. 

Schon im Februar hatte DAZ.online gemeldet, dass britische Forscher:innen in einer klinischen Studie die Impfstoff-Wirksamkeit bei der Kombination zweier unterschiedlicher Wirkstoffe testen wollen. Das „National Institute for Health Research“ hatte mitgeteilt, dass dabei die beiden bislang in Großbritannien zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Oxford/AstraZeneca in unterschiedlicher Abfolge als erste und zweite Dosis verwendet würden. Weitere Präparate könnten später hinzukommen, hieß es damals. An der Studie sollten mehr als 800 Freiwillige in England im Alter von 50 Jahren und darüber teilnehmen.

Angesichts potenzieller Engpässe in der Impfstofflieferung sei es definitiv von Vorteil, Daten zu haben, die eine flexiblere Impfstoffvergabe erlaubten, sagte der stellvertretende medizinische Chefberater der britischen Regierung, Jonathan Van-Tam, damals. Er fügte hinzu: „Es ist auch möglich, dass durch die Kombination von Impfstoffen die Immunreaktion erhöht werden könnte und ein länger anhaltendes und höheres Niveau an Antikörpern hervorgerufen werden könnte.“

Eine ähnliche Studie hatten russische Forscher bereits Ende vergangenen Jahres angekündigt. Dabei soll eine Kombination aus dem russischen Impfstoff Sputnik V und der Vakzine des britischen Pharmakonzerns AstraZeneca zum Einsatz kommen.

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Nun ist es so weit und Britische Wissenschaftler:innen weiten ihre Tests zur Impfstoff-Wirksamkeit bei der Kombination verschiedener Präparate weiter aus. Künftig werden auch die Impfstoffe der US-Hersteller Moderna und Novavax einbezogen, wie Matthew Snape von der Universität Oxford am Mittwoch dem „Times Radio“ sagte. Moderna wird in Großbritannien seit Montag als dritter COVID-19-Impfstoff eingesetzt.

Ziel sei, die Flexibilität und „Widerstandsfähigkeit“ des britischen Impfprogramms zu stärken, sagte Snape. Geklärt werden müsse, ob die Immunantwort genauso gut ist, als wenn man für die erste und zweite Dosis denselben Impfstoff verabreicht. Tierversuche an Mäusen vermittelten den Eindruck, dass eine Kombination sogar eine bessere Immunantwort hervorrufe, sagte der Experte. Letztendlich erzeugten alle Impfstoffe eine Immunantwort gegen das Spike-Protein. „Es wird interessant sein zu sehen, ob wir dies auch bei Menschen erkennen werden“, sagte Snape.

Gesundheitsminister von Bund und Ländern bestätigen STIKO-Empfehlung

GMK: Heterologe Impfserie statt Zweitimpfung mit AstraZeneca für Unter-60-Jährige

Derzeit werden die Impfstoffe in Großbritannien im Abstand von bis zu zwölf Wochen verabreicht. In dem Land hat bereits mehr als die Hälfte der Erwachsenen – gut 32 Millionen Menschen – eine erste Impfdosis erhalten, zweimal geimpft wurden bislang knapp 8 Millionen Menschen.

In Deutschland hatten sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am gestrigen Dienstag darauf geeinigt, dass mit einer ersten AstraZeneca-Dosis geimpfte Menschen unter 60 Jahren für die zweite Impfung auf ein anderes Präparat umsteigen sollen. Die Minister folgen damit einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) von Anfang April. 

Hintergrund der Empfehlung sind seltene Fälle einer Hirnvenenthrombose nach der Impfung mit Vaxzevira von AstraZeneca. Bund und Länder hatten deshalb kürzlich beschlossen, Vaxzevria in der Regel nur noch Menschen über 60 Jahren verabreichen zu lassen. Laut Bundesgesundheitsministerium hatten in den vergangenen Wochen bereits rund 2,2 Millionen Bürger unter 60 Jahren eine Erstimpfung mit AstraZeneca erhalten. 

Bislang gibt es keine wissenschaftlichen Daten für heterologe Impfserien, das räumte auch die STIKO ein. Sie erklärte: „Bis entsprechende Daten vorliegen empfiehlt die STIKO, bei Personen im Alter < 60 Jahren anstelle der zweiten AstraZeneca-Impfstoffdosis eine Dosis eines mRNA-Impfstoffs zwölf Wochen nach der Erstimpfung zu verabreichen.“ Hintergrund für den zwölfwöchigen Impfabstand ist, dass der von einer einmaligen AstraZeneca-Impfung ausgelöste Schutz nach zwölf Wochen abzunehmen beginnt, erklärte die STIKO. Sie empfiehlt eine Studie, um die immunologischen Effekte nach dem heterologen Impfschema zu untersuchen.


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