Handhygiene in Pandemiezeiten

Hautärzte raten zu Desinfektionsmitteln plus Handpflege statt Seife

Berlin - 08.04.2021, 10:45 Uhr

Ist ein Umdenken beim Thema Handhygiene in Pandemiezeiten erforderlich? (Foto: kravtzov / stock.adobe.com)

Ist ein Umdenken beim Thema Handhygiene in Pandemiezeiten erforderlich? (Foto: kravtzov / stock.adobe.com)


Intensivierte Handhygiene in der Coronapandemie ist zwar unverzichtbar – häufiges Händewaschen mit Seife birgt aber ein erhöhtes Risiko für Handekzeme. Darauf weist die Deutsche Dermatologische Gesellschaft hin. Sie hält ein Umdenken bei der Handhygiene-Strategie für nötig und empfiehlt, lieber zu Desinfektionsmitteln zu greifen und die Hände anschließend einzucremen.  

Als die Coronapandemie begann, etablierte sich die intensivierte Handhygiene als eine der wichtigen Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2. So empfahl das Robert Koch-Institut (RKI) all jenen, die im medizinischen und pflegerischen Bereich tätig sind, die regelmäßige Handdesinfektion mit alkoholischen, viruziden Präparaten. Für die Gesamtbevölkerung verfasste die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) entsprechende Tipps für das empfohlene häufige Händewaschen mit Seife.

Doch nun mahnen Expert:innen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e.V. (DDG) im Vorfeld der 51. virtuellen DDG-Tagung (14. bis 17. April 2021): So viel Handhygiene kann auch das Risiko für Handekzeme erhöhen. „Zu beachten ist, dass die für die Handhygiene verwendeten Mittel nicht nur den erwünschten Effekt einer Ablösung oder Abtötung des Krankheitserregers haben, sondern auch das Hautorgan selbst beeinträchtigen können“, sagt DDG-Sprecher Professor Dr. Peter Elsner (Uniklinikum Jena). Er ist der Meinung: „Die Erhaltung der Hautgesundheit macht ein Umdenken bei der Handhygiene-Strategie erforderlich.“

Rückmeldungen aus Hautarztpraxen und -kliniken zeigten, dass die Zahl der Patient:innen mit Beschwerden seit einem Jahr steige. Besonders gefährdet seien Menschen im Medizin-Sektor: Bei einer Befragung von über 114 Beschäftigten in einem OP und der Intensivstation des Universitätsklinikums München klagten 90 Prozent über die Symptome eines Handekzems wie Trockenheit, Rötung, Jucken, Brennen, Schuppen oder Risse.

Händewasch-Empfehlung aus vornehmlich politischen Gründen? 

Die BZgA erklärt auf ihren Infoseiten zum Thema Infektionsschutz weiterhin: „Viele Infektionskrankheiten werden über die Hände übertragen“. Händewaschen sei „eine einfache und wirksame Maßnahme, die vor einer Ansteckung schützen kann.“ Gerade in Zeiten von Krankheitswellen sei das besonders wichtig.

„Natürlich gelten in der Pandemie die AHA-Regeln“, betont auch Elsner gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Dennoch: „Aus dermatologischer und arbeitsmedizinischer Sicht raten wir in Zeiten intensivierter Handhygiene vom Einsatz von Detergenzien ab. Hautschonender ist das Desinfizieren in Verbindung mit intensiver Hautpflege“, so Elsner in einer DDG-Pressemitteilung.

Dass häufiges und gründliches Händewaschen mit Seife der Allgemeinbevölkerung zum Schutz vor Coronaviren empfohlen wurde, hatte nach Meinung Elsners „rein politische Gründe“: Wie bei Masken habe es auch bei Desinfektionsmitteln anfangs Engpässe gegeben. Daher habe man sie nicht für die breite Bevölkerung empfehlen können.



Kirsten Sucker-Sket / dpa
redaktion@daz.online


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