Vakzin Sputnik V

Fragen und Antworten zum Impfstoff aus Russland

Dillingen/Stuttgart - 25.03.2021, 13:45 Uhr

Auch in Deutschland hoffen viele auf jeden zusätzlichen Impfstoff, wie Sputnik V aus Russland – für einen Einsatz steht allerdings noch das Prüfungsergebnis durch die EMA aus. (Foto: IMAGO / ITAR-TASS)

Auch in Deutschland hoffen viele auf jeden zusätzlichen Impfstoff, wie Sputnik V aus Russland – für einen Einsatz steht allerdings noch das Prüfungsergebnis durch die EMA aus. (Foto: IMAGO / ITAR-TASS)


Bei der Diskussion um den AstraZeneca-Impfstoff kommt Sputnik V ins Spiel. Doch der Einsatz des Vakzins  spaltet – nicht nur aus politischen Gründen. Er wurde in Russland bereits vor wichtigen Studien zugelassen. Doch wie gut ist der Impfstoff, den die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) aktuell prüft?

Russland gab bereits Mitte August 2020 mit Sputnik V den weltweit ersten Corona-Impfstoff für eine breite Anwendung in der Bevölkerung frei. „Impfen ist immer auch Politik, es geht nie nur um medizinische Fragen“, sagt Historiker Malte Thießen, der sich mit der Geschichte der Immunisierung seit der ersten Pocken-Impfung beschäftigt. Er spricht von Vorbehalten im westlichen Teil der EU. 

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Die Vergiftung von Kremlkritiker Alexej Nawalny dürfte für manche Bürger:innen zudem ein Grund sein, sich kein Produkt aus Russland injizieren lassen zu wollen. Den Namen Sputnik für einen Impfstoff zu wählen, sei bereits eine „Propaganda erster Klasse“, so Thießen. Sputnik 1 hieß der weltweit erste gestartete Satellit, mit dem die Sowjetunion 1957 die westliche Welt schockierte.

Zweifel der Wissenschaft

Für den ersten Platz bei der Impfstoff-Freigabe hagelte es für Russland international Kritik. Wissenschaftler:innen beklagten vor allem das Fehlen schlüssiger Daten. Grund ist, dass die Zulassung vor dem Vorliegen der Ergebnisse von Phase-III-Studien stattfand. Das widerspricht dem üblichen Ablauf. Denn in der Prüfung mit mehreren Tausend Proband:innen könnten seltene Nebenwirkungen erkannt werden, heißt es beim Paul-Ehrlich-Institut.

Erste Details zu Sputnik V veröffentlichten die Forscher:innen Anfang September 2020 in der Fachzeitschrift „The Lancet“. Demnach regt der Impfstoff eine Immunantwort an. Bei insgesamt 76 Teilnehmer:innen konnten in der Testphase I/II Antikörper gegen das Virus nachgewiesen werden. Es folgte wieder Kritik am Vorgehen Russlands, aber auch Aufatmen: Das nun vorliegende Ergebnis sei eindeutig. Das wissenschaftliche Prinzip der Impfung sei aufgezeigt worden, sagte Forscherin Polly Roy von der London School of Hygiene & Tropical Medicine dem Fachblatt „The Lancet“.

Zu welcher Kategorie gehört der Impfstoff?

Das vom staatlichen Gamaleja-Forschungszentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau entwickelte Vakzin ist ein sogenannter Vektorimpfstoff und damit dem Impfstoff von AstraZeneca ähnlich. Um die Informationen in den Körper zu schleusen, nutzen beide abgeschwächte Viren. Ziel ist es, das Immunsystem dazu zu bringen, Abwehrreaktionen gegen SARS-CoV-2 hervorzurufen. Bei Kontakt mit dem Coronavirus ist der Körper dann vorbereitet und kann die Infektion besser eindämmen.

Verabreicht wird der russische Impfstoff in zwei Dosen im Abstand von 21 Tagen. Zu den Nebenwirkungen zählen Schmerzen an der Einstichstelle, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und teils grippeähnlichen Symptome. Zudem gibt es Berichte über Fieber und Schüttelfrost.

Die Wirksamkeit des Vakzins

In einer „Zwischen-Analyse“ der wichtigen Testphase III mit rund 20.000 Freiwilligen kamen russische Forscher:innen auf eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent. Die Ergebnisse wurden Anfang Februar 2021 ebenfalls im medizinischen Fachblatt „The Lancet“ publiziert. Sie decken sich mit früheren Angaben.

Eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent bedeutet, dass in der geimpften Gruppe 91,6 Prozent weniger Erkrankungen auftraten als in der Kontrollgruppe. Damit hat Sputnik V demnach eine in etwa gleiche Wirksamkeit wie die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer und eine deutlich höhere als das Mittel von AstraZeneca. Nach Darstellung der Moskauer Behörden funktioniert Sputnik V auch bei der ansteckenderen Variante B.1.1.7. Der Impfschutz war 21 Tage nach der zweiten Impfung aufgebaut.



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2 Kommentare

Sputnik V Impfung

von Konstroffer am 08.04.2021 um 15:13 Uhr

Was für ein Schwachsinn so in die Welt gesetzt wird. Russland die Bösen. Propaganda hilft nicht, impfen hilft in der Pandemie.

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Vertrauenswürdige Studien??

von Barbaros Orhon am 26.03.2021 um 21:32 Uhr

Über Russland und dessen Ehrlichkeit von gedopten Sportlern bis abgestürzte Passagiermaschine usw. mit viel Verleugnungen
usw. hat man vieles negatives gehört und gelesen.
Sicher haben die Russen auch gute Wissenschaftler.In 60er Jahre nach Auskunft der damaligen DDR Behörden soll Kinderlähmung, mit einem russischem Impfstoff unter Kontrolle genommen haben (natürlich wenn man den Aussagen der damaligen DDR Verantwortlichen vertrauen kann).
Dieses Sputnik V Impfstoff soll auf jedem Fall vor der Anwendung in Europa genauer unter der Luppe genommen werden.Aber wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist (Vesäumnis wegen der Bestellung,um evtl noch preiswerte Impfungen zu finden usw.) denken Gesundheitsbehörden
an weitere unkontrolierte,unsichere Möglichkeiten.Gute Besserung BRD.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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