7 neue Fälle von Hirnvenenthrombosen in Deutschland

Spahn über AstraZeneca-Pause: „Wir setzen aus, um zu überprüfen“

Stuttgart - 15.03.2021, 15:47 Uhr

Jetzt hat auch Deutschland Impfungen mit dem COVID-19-Impstoff von AstraZenca ausgesetzt. (Foto: IMAGO / Michael Matthey)

Jetzt hat auch Deutschland Impfungen mit dem COVID-19-Impstoff von AstraZenca ausgesetzt. (Foto: IMAGO / Michael Matthey)


Auch Deutschland setzt Corona-Impfungen mit dem Präparat des Herstellers AstraZeneca vorsorglich aus. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium am Montag mit und verwies auf eine aktuelle Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zu notwendigen weiteren Untersuchungen. In einer kurzfristigen Pressekonferenz teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nun mit, dass es um neue Erkenntnisse geht, die ihn selbst erst heute Mittag erreicht haben. Das PEI habe sieben neue Fälle von Hirnvenenthrombosen gemeldet bekommen. Spahn ging auch darauf ein, was die neuen Erkenntnisse nun für die Menschen bedeuten, die den Impfstoff bereits erhalten haben. 

Auch Deutschland setzt die Corona-Impfungen mit dem Präparat des Herstellers AstraZeneca vorsorglich aus. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium am Montag mit und verwies auf eine aktuelle Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts zu notwendigen weiteren Untersuchungen.

In einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Pausierung der Corona-Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff heute Nachmittag mit. Er betonte, dass es sich um eine vorsorgliche Maßnahme handle und dass die Entscheidung auf Basis neu gemeldeter Fälle von Thrombosen der Hirnvene basiere, über die ihn das Paul-Ehrlich-Institut heute Mittag in Kenntnis gesetzt habe. Die Lage wurde also durch das PEI neu bewertet und die Aussetzung daraufhin empfohlen. Konkret nannte Spahn sieben Fälle von Hirnvenenthrombosen bei 1,6 Millionen Impfungen mit AstraZeneca in Deutschland. Es werde nun auch untersucht, ob und wie sich dies auf die Zulassung des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca auswirke.  

Spahn betonte, das man sich der Tragweite dieser „reinen Vorsichtsmaßnahme“ bewusst sei. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, doch es sei eine fachliche und keine politische Entscheidung. Patient:innen, die bereits mit AstraZeneca ihre erste Impfung erhalten haben, könnten nach der Pause ihre Folgeimpfungen gegebenenfalls nachholen. Man wolle nun mit möglichst viel Transparenz das Vertrauen in die Impfungen erhalten, und man müsse gleichzeitig den Expert:innen nun die Zeit geben, die sie brauchen, um die Fälle zu überprüfen. Er betonte, dass auch das „Nicht-Impfen“ schwerwiegende gesundheitliche Folgen habe. 

Was bedeutet das für Menschen, die bereits geimpft wurden?

Spahn betonte zwar, dass das Ergebnis der Untersuchungen noch offen sei, laut PEI solle aber jeder, der sich mehr als vier Tage nach der Impfung unwohl fühle, Kopfschmerzen oder punktförmige Hautblutungen habe, unverzüglich einen Arzt aufsuchen.  

Bei weiteren Nachfragen bat Spahn um Nachsicht. Es sei wenig Zeit vergangen, seit er selbst die Informationen erhalten habe. Er habe sich daher noch kaum mit weiteren Schritten in der Zukunft, wie der Impfstrategie bei den Hausärzten, auseinandergesetzt. Zunächst habe er heute die Impfzentren und die europäischen Partner informiert. Die Situationen in den verschiedenen Ländern würden sich unterschiedlich darstellen.  

Lauterbach kritisiert Aussetzen der Impfungen mit Astrazeneca-Vakzin

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat den Impfstopp für das Präparat von AstraZeneca als „großen Fehler“ bezeichnet. Das berichtet die dpa. „Das schafft nur große Verunsicherung und Misstrauen in einer Situation, in der es auf jede Impfung ankommt“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“ (Dienstag). Besser sei eine Prüfung bei laufenden Impfungen. „Ich kenne keine Analysen, die ein Aussetzen rechtfertigen würden“, sagte der SPD-Politiker und Epidemiologe. „Das Risiko einer Thrombose läge in der Größenordnung von 1 zu 100.000 oder weniger“ und scheine im Vergleich zu Ungeimpften nicht erhöht zu sein.

Italien stoppt Verabreichung des Corona-Impfstoffes von AstraZeneca

Auch Italien hat die Verabreichung des Corona-Impfstoffes von AstraZeneca landesweit gestoppt. Das teilte die italienische Arzneimittel-Agentur Aifa am Montag mit, wie die dpa berichtet. Die Verwendung werde vorsorglich und vorübergehend eingestellt, bis eine Entscheidung der Europäische Arzneimittelbehörde EMA vorliege, hieß es in der Mitteilung weiter. Zuvor habe die Aifa mit Italiens Premier Mario Draghi und Gesundheitsminister Roberto Speranza gesprochen, hieß es aus Kreisen des Gesundheitsministeriums. Speranza hatte demnach auch mit seinen Amtskollegen in Spanien, Frankreich und Deutschland gesprochen.

In Italien waren in der vergangenen Woche und am Wochenende Menschen gestorben, die zuvor mit dem Vakzin von AstraZeneca geimpft worden waren. Die Aifa hatte die Verwendung der betreffenden Chargen zunächst gestoppt. Italienische Experten hatten das Corona-Vakzin zuletzt weiter für sicher befunden. Sie hatten auch betont, dass es zwar einen zeitlichen Zusammenhang zwischen den Impfungen und den Todesfällen gegeben habe, jedoch kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen wurde.

Auch Frankreich setzt Impfungen mit Astrazeneca-Impfstoff aus

Auch Frankreich setzt Impfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca vorerst aus. Frankreich wolle bis zur Einschätzung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA den Impfstoff erstmal nicht mehr einsetzen, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Montag beim französisch-spanischen Gipfel mit dem spanischen Regierungschef Pedro Sánchez im südwestfranzösischen Montauban. Es handle sich um eine „Vorsichtsmaßnahme“, und es bestehe die Hoffnung, dass die Impfungen mit AstraZeneca schnell wieder aufgenommen werden könnten. Macron gab an, AstraZeneca bis mindestens Dienstagnachmittag aussetzen zu wollen.

Nun ist also die EMA am Zug, denn dort wird an einer erneuerten Bewertung des Impfstoffs gearbeitet. Jens Spahn setzt darauf, dass die EMA „idealerweise noch im Laufe dieser Woche zu ihrer Entscheidung“ kommt. Falls der Impfstoff weiter zugelassen wird, sollten auch die Impfungen wieder anlaufen.

Dieser Artikel wurde zuletzt um 16:56 Uhr aktualisiert.


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11 Kommentare

Keine Impfung bei Faktor V

von Yvonne Krause am 21.03.2021 um 22:07 Uhr

Mir wurde am Freitag bei dem Impftermin mit Astraz. von der Impfung abgeraten und erhielt einen neuen Impftermin in 14 Tagen. Sicherheitshalber soll die weitere Forschung und deren Ergebnisse abgewartet werden.

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AW: BionTech Imfung wurde mir verweigert

von Peter am 05.04.2021 um 10:42 Uhr

Ich hatte am Tag nach der neuesten Astra Zeneca Empfehlung vom 30.3. 2021 einen Termin im Impfzentrum mit dem BionTech Impfstoff, der mir verweigert wurde. Ich sollte auch Astra Zeneca bekommen trotz bestätigtem Impftermin mit BionTech. Vorerkrankungen oder Faktor V Leiden waren dem Impfarzt egal. Er sagte nur: Jeder über 60 soll jetzt Astra Zeneca bekommen. Ich habe abgelehnt, werde aber jetzt sicher bis zum Herbst warten müssen, da alle angebotenen Impftermine, die ich jetzt versuche zu vereinbaren, mit Astra Zeneca angeboten werden.
Was ist, wenn man den Faktor V Aspekt mal genauer bei den aufgetretenen Todesfällen oder schweren Nebenwirkungen betrachtet. Dann ändert man wieder die Impfempfehlung...Was habe ich davon, wenn man mich mit Astra Zeneca schon geimpft habe?

AW: Keine Impfung bei Faktor V

von Achim schaaf am 08.04.2021 um 21:12 Uhr

Ich hatte heute einen impftermin im landesimpfzentrum Mi Astrazeneka. Dabei hatte ich ein ärztliches Schreiben der UNI Mainz, heterozytogene Faktor V-Mutation. Keiner der Beratungsärzte konnte mir mit Sachverstand meine Bedenken ausräumen. Ausserdem wäre an Tag heute nur astrazeneka Impfstoff vorhanden (Aussage eines medizinischenMirarbeiter der Verwaltung) zuvor hatte ich bei der terminvergabe vorab versucht mich zu informieren und wurde abgewimmelt. Die Hausärzte waren entweder im Urlaub oder unterwegs. Ausserdem werden dort andere Prioritäten gesetzt... Bei der Uni Mainz bekam ich schließlich bei der Thrombose Ambulanz eine aktuelle version: heterozytogenes mutation ist derzeit nicht mehr gefährdet, homozygote Faktor V-Mutationen sollten sich nicht mit Astrazeneka impfen lassen und sich zuvor mit der Thromboseambulanz in Verbindung setzen.
Aufgrund anderer Umstände bin ich eine Stunde später wieder ins imfzentrum. Bei einem anderen Beratungsarzt kam mein Anliegen nochmal kurz zur Sprache und er sah mir wohl an, daß ich aufgewühlt und unsicher war. Er hat mich dannunverziglich und ohne Diskussion auf den biontec Impfstoff umgeschrieben. Er konnte mich menschlich total verstehen und ich hätte ihm fast die Füße geküsst. Den jungen Mann der mich wegen des nicht vorhandenen Impfstoff ins Gesicht gelogen hat war später nicht mehr da. Er hatte Glück gehabt...
So verunsichert wie mir geht es vielen Menschen und das sollte die Politik mal bedenken. Ich bin weder Coronaleugner noch Impfgegner. Und hoffe das es bald genügend Ersatzimpfstoff geben wird.

Impfstoffänderug

von Birgit Buchholz am 18.03.2021 um 19:49 Uhr

Hallo,
mein Sohn und ich haben beide eine Gerinnungsstörung ( Faktor 5 & 8).
Ich selber habe innerhalb von zwei Wochen zwei Lungenembolien und eine Venentrombose bekommen.
Jetzt sollen wir mit Astrazenica geimpft werden.
Das wurde wohl auf Grund unseres Alters so entschieden.
Die wissen aber noch nichts von den Gerinnungsstörungen.
Wird daraufhin im Impfzentrum die Vergabe des Impfstoffs noch einmal geändert?
Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Impfstoffänderug

von Kiki Pfeil-Oerder am 18.03.2021 um 21:28 Uhr

Ich habe Faktor V homozygot und bin letzten Samstag mit Astra geimpft worden. Ich habe die Thrombophilie angegeben, das hat aber im Impfzentrum leider niemanden interessiert. Vielleicht ändert sich das jetzt durch die Untersuchung der Thrombosefälle.

Impfstoff AstraZeneca

von Ottilie am 16.03.2021 um 16:11 Uhr

Ich selbst habe den Gendefekt Mutation Faktor V Leiden und neige daher zur Thrombose. Ebenfalls hatte ich schon nach einem ZVK eine Halsvenenthrombose. Brauche ich auch nicht mehr. Man sollte den Menschen, bei denen dieser Gentefekt bekannt ist einen anderen Impfstoff anbieten.

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Verstorbene

von Helga Strauß am 16.03.2021 um 0:19 Uhr

Vielleicht hatten die Verstorbenen die Krankheit, Faktor V Leiden Mutation und wußten es nicht. Sollte man mal nachprüfen

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AW: Verstorbene

von Stefan am 17.03.2021 um 15:05 Uhr

Ich sehe sehe das auch so. Ich kann da auch der Mathematik und Logik vom RKI oder PEI nicht folgen. Obwohl man weiß, dass COVID 19 mit Thrombosen einhergeht, hat man das in der Impfempfehlung nicht als besonderes Risiko berücksichtigt. Andererseits wurde in einem Artikel von Brigitte M. Gensthaler, München "Jährlich erkranken ein bis drei von 1000 Menschen an einer Venenthrombose, etwa 30.000 sterben pro Jahr an den Folgen, der Lungenembolie. Die Faktor-V-Leiden-Mutation ist bei 5 bis 7 Prozent der deutschen Bevölkerung und bei 25 bis 35 Prozent der Thrombosepatienten nachweisbar". Da komme ich auf ganz andere Zahlen pro Tag! Wenn man noch berücksichtigt, dass Biontech bei Jüngeren fast nicht geimpft wird, ist es kein Wunder, dass nur bei Astrazenica es zu "Häufungen" kommt. Auch nehmen ältere Patienten oftmals Gerinnungshemmer ein und jüngere Frauen die Pille.Das verfälscht die Statistik auch nochmal. Ich es ist schon entscheidend das Risiko zu kennen, vor allem, ob man Träger von Faktor V Leiden oder einer anderen Gerinnungsstörung ist. Leider werden meistens nur Chirurgen Hellhörig, da es im Nachhinein dort am häufigsten zu Komplikationen kommt. Jeder unnötig Verstorbene ist zu viel, egal mit der Impfung oder ohne.

AW: Verstorbene

von Carin F. am 18.03.2021 um 19:16 Uhr

ich finde es auch äußerst dringlich, abzuklären, ob bei diesen Fällen die Faktor V-Leiden Mutation vorlag. Meine Tochter hat die homozygote Form und wir sind beide total verunsichert ob wir uns impfen lassen sollen. Ich selbst habe die heterozygote Form.
Die Empfehlungen reichen von Heparin und ASS bis Nichtimpfen. Es hilft uns auch nicht, dass die Statistik besagt, dass das Thromboserisiko sehr gering ist, wenn man dann betroffen ist.

Impfstoff Astra Zeneca

von Grabowska am 15.03.2021 um 22:25 Uhr

Ich respektiere die Krankheits/Todesfälle und bin dafür, dir Ursachen genau zu untersuchen. Trotzdem. Wir haben fast nur eine Wahl, zwischen Corona und Impfung. Es geht in jede Hinsicht um Leben und auch Tod. Ich habe mich mit Astra Zeneca geimpft.Es geht mir gut und auch die Nebenwirkung bis jetzt gar nicht schlimm. Ich finde impfen für wichtig. Hoffe, mit der Impfung weiter geht und die Menschheit besiegt endlich diese schreckliche Pandemie.

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AW: Impfstoff Astra Zeneca ,überprüfen lassen bei wem ist die Gefahr, zu trombose bekommen

von Barbara Denac am 17.03.2021 um 11:45 Uhr

Meine Meinung,impfung muß auch ,bekommen ,weil es ist schon ,fiele mit ,corona infiziert.Aber trotzdem müssen die Ärzte mit vaktor V,leiden oder trombose gefahr, überprüfen lassen ,und andere Impfstoff bekommen.

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