Pressegespräch von Glaxo Smith Kline

Impfungen jenseits von Corona

Stuttgart - 05.03.2021, 10:45 Uhr

Während der Pandemie vermeiden viele Patienten zusätzliche Arzttermine und vernachlässigen dabei von der STIKO empfohlene Standardimpfungen. Beim Pressegespräch von Glaxo Smith Kline betonten die Redner, dass für diese Präventionsmaßnahme vor allem bei betagten Patienten geworben werben sollte.  (Foto: ArtmannWitte / stock.adobe.com)  

Während der Pandemie vermeiden viele Patienten zusätzliche Arzttermine und vernachlässigen dabei von der STIKO empfohlene Standardimpfungen. Beim Pressegespräch von Glaxo Smith Kline betonten die Redner, dass für diese Präventionsmaßnahme vor allem bei betagten Patienten geworben werben sollte.  (Foto: ArtmannWitte / stock.adobe.com)  


Am 2. März lud das Pharmaunternehmen Glaxo Smith Kline zu einem Pressegespräch, um für die Bedeutung der von der STIKO empfohlenen Impfungen, insbesondere bei Senioren zu sensibilisieren. Die Dozierenden betonten, dass während der Corona-Pandemie viele Patienten, die noch auf ihr SARS-CoV-2-Impfangebot warten, andere wichtige Immunisierungen vernachlässigen. Konsens war bei den Rednern, dass mehr Leistungserbringer Impfungen anbieten können sollten.

In Deutschland liegt die Impfquote älterer Patienten weit unter dem internationalen Durchschnitt. Die Immunisierungsrate gegen Influenza beträgt bei über 60-Jährigen 39 Prozent, gegen Herpes Zoster dürften in dieser Altersgruppe weit weniger Menschen geimpft sein. Dr. med. Jens Vollmar ist medizinischer Leiter für Impfstoffe bei Glaxo Smith Kline. In einem gestrigen Pressegespräch seines Unternehmens betonte er, wie wichtig es sei, ältere Patienten auch in Zeiten der Pandemie von der Impfung anderer übertragbarer Erkrankungen zu überzeugen.

Gerade die Erkrankung Gürtelrose kann anders als SARS-CoV-2 nicht durch Abstand und Masken, wohl aber durch eine Vakzination verhindert werden. Das Varizella-Zoster-Virus löst bei primärer Infektion die Windpocken aus. In 99,5 Prozent der Bevölkerung über 50 Jahren schlummert es latent in den Spinalganglien. Bei Zuständen, in denen das Immunsystem geschwächt ist, kann das Virus reaktiviert werden und eine Gürtelrose verursachen. 50 Prozent aller 85-Jährigen haben bereits eine Gürtelrose bzw. Herpes-Zoster-Erkrankung durchlebt. Hierzulande treten schätzungsweise jährlich 400.000 Fälle Gürtelrose auf. Die Wahrscheinlichkeit für schwere Komplikationen wie die Post-Zoster Neuralgie (PZN) steigt ab einem Alter von 70 Jahren. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) Personen ab 60 Jahren neben der Impfung gegen Pneumokokken, Influenza sowie Tetanus und Diphterie auch die Immunisierung gegen Herpes Zoster.

Impfen zwischen den COVID-19-Vakzinen?

Laut Vollmar sollten Ärzte und medizinisches Personal ältere Patienten dazu ermutigen, sich auch während der Pandemie durch eine Impfung gegen Gürtelrose und andere Erkrankungen zu schützen. Außerdem solle das COVID-19-Impfprogramm systematisch genutzt werden, um Impfstatus von Erwachsenen zu überprüfen. „Mit einem Abstand von 14 Tagen kann die Impfung auch vor oder nach einer COVID-19-Impfung vorgenommen werden“, so Vollmar. „Auch zwischen zwei Einzelimpfungen kann die zusätzliche Vakzination erfolgen, wenn der Abstand eingehalten wird. Die Impfserie kann fortgesetzt werden und muss nicht wiederholt werden.“

In diesem Punkt zeigte sich der Allgemeinmediziner Prof. Jörg Schelling gegenüber seinem Vorredner Vollmar skeptisch. Schelling ergänze das Pressegespräch von Glaxo Smith Kline um seine Einschätzung aus der Praxis. Patienten zwischen zwei mRNA-SARS-CoV-2-Teilimpfungen gegen eine andere Erkrankung zu immunisieren, könnte bei den betroffenen, hochbetagten Patienten Unsicherheit auslösen. Außerdem dürfe nicht riskiert werden, dass Mitarbeiter in den Impfzentren die Impfung zurückziehen, weil sie den Abstand zu einer anderen Impfung als zu gering erachten. Demgegenüber warten Patienten in der Altersgruppe jünger als 79 Jahre regelhaft noch mehr als zwei Wochen auf ihr Impfangebot. Diesen Patienten könnte gut zu einer Grundimmunisierung oder einer Auffrischungsimpfung geraten werden. Schelling ist sich sicher, dass die Pandemie ein guter Anhaltspunkt sei, um Patienten zur Grundimmunisierung aufzuklären. „Noch vor einem Jahr hätten die wenigsten Patienten gewusst, was  ein R0-Wert oder ein Vektorimpfstoff ist. Durch das breitere Wissen der Öffentlichkeit können Sie transparenter aufklären als sonst und mehr in die Tiefe gehen.“

Mehr Leistungserbringer zulassen

Die Redner des Pressegesprächs diskutierten auch, ob andere Leistungserbringer als bisher üblich Impfungen anbieten können sollten. „Vakzinationen gehören zu den kostengünstigsten Präventionsmaßnahmen. Es muss alles daran gesetzt werden, dass keine Impflücken entstehen“, so Erwin Rüddel (CDU), Mitglied des Bundestages und Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit. In Zukunft stünden weniger Arztstunden zur Verfügung, weil sich jüngere Ärzt:innen seltener selbstständig machen möchten. „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele Impfungen außerhalb der Arztpraxis vorgenommen werden können.“ Als gutes Beispiel führte Rüddel an, dass Grippeimpfungen im Rahmen von Modellprojekten von Apotheker:innen durchgeführt werden.

Auch Allgemeinmediziner Schelling sieht die Vakzination in der Apotheke als eine Option, wenn auch nur für bestimmte Impflinge: „Eine komplexe Beratung, die der Impfung multimorbider Patienten vorangeht, ist nicht trivial. Für eine gesunde, jüngere Patientengruppe ist das aber eine gute Option.“


Marius Penzel, Apotheker und Volontär
redaktion@daz.online


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