Studie aus Brasilien

Colchicin verkürzt Sauerstoffgabe bei COVID-19

Stuttgart - 25.02.2021, 07:00 Uhr

In einer kleinen Studie konnten COVID-19-Patient:innen unter Colchicin schneller auf externe Sauerstoffzufuhr verzichten und schneller aus dem Krankenhaus entlassen werden als Placebopatient:innen. (Foto: sudok1 / stock.adobe.com)

In einer kleinen Studie konnten COVID-19-Patient:innen unter Colchicin schneller auf externe Sauerstoffzufuhr verzichten und schneller aus dem Krankenhaus entlassen werden als Placebopatient:innen. (Foto: sudok1 / stock.adobe.com)


Colchicin kennt man vorwiegend aus der Gichttherapie, nun verkürzte der Wirkstoff in einer kleinen Studie bei mittelschwer bis schwer erkrankten COVID-19-Patient:innen ihre zusätzliche Sauerstoffbehandlung, und die Patient:innen konnten im Mittel zwei Tage eher aus dem Krankenhaus entlassen werden.

In einer kleinen Studie mit 75 Teilnehmer:innen untersuchten Wissenschaftler:innen um Maria Isabel Lopes von der University of São Paulo (Brasilien) mögliche positive Effekte von Colchicin auf COVID-19. Alle Patient:innen hatten eine PCR-bestätigte SARS-CoV-2-Infektion und zeigten typische Zeichen einer COVID-19-Pneumonie im CT, sie waren mittelschwer (Fieber, Atemnot) bis schwer (Sauerstoffsättigung höchstens 92 Prozent, Atemfrequenz mindestens 30 pro Minute) an COVID-19 erkrankt und wurden deswegen im Krankenhaus behandelt. Die Studie lief placebokontrolliert und doppelblind. Die Teilnehmer:innen wurden per Zufall der Colchicin- oder Placebogruppe zugeteilt (randomisiert) und erhielten entweder Colchicin (0,5 mg dreimal täglich für fünf Tage, dann 0,5 mg zweimal täglich für fünf Tage, bei einem Körpergewicht von 80 Kilogramm und mehr, lag die Anfangsdosis bei 1 mg, während die Einzeldosis bei Nierenfunktionsstörungen auf 0,25 mg verringert wurde) oder wirkstofffreie Tabletten, jeweils zusätzliche zur Standardbehandlung – sprich: das Antibiotikum Azithromycin 500 mg einmal täglich (sieben Tage), Hydroxychloroquin 400 mg (zweimal täglich für zwei Tage, einmal täglich für bis zu acht Tage), unfraktioniertes Heparin 5.000 I.E. dreimal täglich. Methylprednisolon wurde nach Veröffentlichung positiver Wirkungen durch das Glucocorticoid für Patient:innen mit einem Sauerstoffbedarf von mindestens 6 l/Minute zusätzlich in das Studienprotokoll aufgenommen. Das mittlere Alter der Patient:innen lag bei etwa 55 Jahren, in der Colchicingruppe waren etwas mehr Männer (19) als in der Placebogruppe (14).

Fast alle Patient:innen waren stark übergewichtig

Als primäre Endpunkte der Studie definierten die Wissenschaftler:innen die benötigte Zeit einer Sauerstoffbehandlung, die Dauer des Krankenhausaufenthaltes, der intensivmedizinischen Versorgung sowie die Sterberate. 72 Patient:innen – je 36 in der Placebo- und in der Colchicingruppe – wurden ausgewertet, 25 Colchicinpatient:innen und 24 Placebopatient:innen hatten zusätzlich zur Standardbehandlung noch Methylprednisolon erhalten. Erwähnenswert ist, dass nahezu alle Probanden übergewichtig waren, der mediane BMI lag in der Colchicingruppe bei 33,5 kg/m2 und in der Placebogruppe bei 29,7 kg/m2, nur einer von 36 Patient:innen in der Colchicingruppe war normalgewichtig (maximaler BMI 25 kg/m2), in der Placebogruppe waren es nur vier. Übergewicht zählt zu den bekannten Risikofaktoren bei COVID-19.

Übergewicht und COVID-19

Übergewicht ist ein bekannter Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe. So rät die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut in ihrer aktualisierten STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung, Adipöse ab einem BMI 30 kg/m2 in Gruppe drei (von sechs) gegen COVID-19 zu impfen, gemeinsam mit über 70-Jährigen oder Patient:innen mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen. Die Coronavirus-Impfverordnung differenziert sogar und berücksichtigt Adipöse ab einem BMI von 40 kg/m2 bereits in der zweiten Stufe mit „hoher Priorität“, stark Übergewichtige mit einem BMI zwischen 30 kg/m2 und 40 kg/m2 in der dritten Stufe („erhöhte Priorität“).



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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