Eine Kolumne von #DerApotheker

Das hat mir noch nie jemand gesagt!

04.02.2021, 07:00 Uhr

Nicht immer scheint Zeit für ein intensives Beratungsgespräch, doch das Mindeste müsse sein, dass man den Patienten fragt, ob er sich mit seinen Arzneimitteln auskennt, findet #DerApotheker. (Foto: Gorodenkoff / stock.adobe.com)

Nicht immer scheint Zeit für ein intensives Beratungsgespräch, doch das Mindeste müsse sein, dass man den Patienten fragt, ob er sich mit seinen Arzneimitteln auskennt, findet #DerApotheker. (Foto: Gorodenkoff / stock.adobe.com)


Waren Sie schon einmal in einer anderen Apotheke als Ihrer eigenen – nicht, um aktiv zu spionieren, sondern einfach, weil Sie etwas benötigten? Spannend, oder? Auch #DerApotheker machte diese besondere Erfahrung.

Für mich als Apotheker ist es immer wieder interessant zu erleben, wie es ist, wenn man auf der anderen Seite des HV-Tisches steht. Schon einige Male bin ich nach dem Arztbesuch direkt in die nächstbeste Apotheke gegangen, um dort mein Rezept einzulösen. An zwei verschiedene Apotheken kann ich mich dabei besonders gut erinnern. 

Keine Beratung

In die erste ging ich, nachdem ich vom Zahnarzt gekommen war, um mir Ibu 600 und Clindamycin zu holen. Ich legte mein Rezept auf den HV-Tisch und die junge Frau dahinter nahm es an sich, tippte ein paar Mal auf der Tastatur herum und bat mich daraufhin einen Moment zu warten. Als sie wiederkam, legte sie mir beide Arzneimittel auf den Zahlteller, und alles, was sie dazu zu sagen hatte, war: „Zehn Euro, bitte!“ Ich dachte mir nur, okay, ich weiß vielleicht, wie ich die beiden Arzneimittel einnehmen muss. Was ist aber mit den Kunden, die nicht wissen, worauf sie achten müssen?

In der zweiten Apotheke holte ich an einem Tag Codicaps mono Weichkapseln und an einem anderen Novaminsulfontropfen. Und auch in dieser Apotheke erhielt ich an beiden Tagen keine Beratung. Schade.

Verpflichtung zur Beratung

Ich weiß weder, ob es sich in der ersten Apotheke um eine PTA oder eine Apothekerin gehandelt hat, noch was die beiden Herren der zweiten Apotheke von Beruf waren – aber es spielt, ehrlich gesagt, auch keine Rolle. Wir sind verpflichtet, unsere Kunden zu beraten. Schließlich sind Arzneimittel keine Süßigkeiten.

In § 20 Absatz 1 Satz 2 der Apothekenbetriebsordnung steht geschrieben: „Die Verpflichtung zur Information und Beratung über Arzneimittel muss durch Apotheker der Apotheke ausgeübt werden, sie kann durch andere Angehörige des pharmazeutischen Personals der Apotheke übernommen werden, wenn der Apothekenleiter dies zuvor schriftlich oder elektronisch festgelegt hat. Dabei hat er auch zu definieren, in welchen Fällen ein Apotheker der Apotheke grundsätzlich hinzuzuziehen ist.“

Ich weiß genau, wie schwierig es sein kann, dem immer nachzukommen. Oft warten unzählige Menschen in der Schlange darauf, endlich dranzukommen. Keiner hat Zeit, und manche fragen schon laut, warum es denn so lange dauere. Da bevorzugt es vielleicht der ein oder andere Kollege, die Schlangenmenschen nicht allzu lange warten zu lassen, anstatt seiner Beratungspflicht nachzukommen.

Ich finde, das absolute Minimum sollte aber immer sein, dass man nachfragt, ob der Kunde sich mit der Anwendung des Arzneimittels auskennt, das er da gerade von uns bekommt. Verneint er, kann man ja immer noch alles genau besprechen, bis keine Fragen mehr offen bleiben. Gibt er an, sich damit auszukennen, erwähne ich zumindest ganz schnell noch das Allerwichtigste: Nach dem Essen. Keine Grapefruit. Keine Milch. Alle zwölf Stunden. Sowas eben.  

Das stellt sich bei L-Thyroxin meisten als relativ schwierig heraus. Ich kenne kein anderes Arzneimittel, bei dem die Kunden einen Beratungsversuch so schnell abblocken wie bei diesen winzigen Tabletten. Jeder scheint sich damit bestens auszukennen. Hakt man allerdings nach, kommt es relativ häufig vor, dass der Kunde einem erzählt, dass er die Tablette zwar eine halbe Stunde vor dem Frühstück schluckt, aber in dieser halben Stunde einen Kaffee mit Milch trinkt. Gerade Milch kann, wie wir alle wissen, ziemlich problematisch sein. Vor allem, weil die Menge der Milch nicht immer die gleiche ist und der Kaffee nicht immer gleich schnell getrunken wird, was dazu führt, dass die täglich aufgenommene Dosis des L-Thyroxins variiert, was unter Umständen zu Problemen führen kann.

„Dann lass ich den Kaffee halt einfach weg.“

Nein, auch hier ist unsere Beratung wieder nötig, damit nicht plötzlich eine viel zu hohe Dosis auf einmal vom Körper aufgenommen wird.  

Gerade von Kunden, die seit vielen Jahren L-Thyroxin oder Arzneimittel, bei denen man keine Grapefruit konsumieren darf, einnehmen, kommt immer wieder folgender Spruch in allen Variationen: „Das hat mir noch nie jemand gesagt!“

Ja, warum denn eigentlich nicht?  

In Liebe,


#DerApotheker
redaktion@daz.online


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Eine Kolumne von #DerApotheker

Apotheken sind zeitgemäß

6 Kommentare

Beratung in der Apotheke

von Gudrun Kiene am 05.02.2021 um 6:56 Uhr

"was soll das in dieser Zeit"
Die Frau hat Als"Verkäuferin" in der Apotheke nichts zu suchen!
Sie ist eine SCHANDE für alle Apotheken

Gudrun Kiene Bremen

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Beratung in der Apotheke

von Connyfrager am 05.02.2021 um 11:56 Uhr

Ich vermute, dass die Frau (Conny), die uns hier ständig mit ihren Kurzauswürfen "beglückt", ein Mann (ebert) ist.

Danke!

von Alexander Ried am 04.02.2021 um 17:07 Uhr

Lieber #DerApotheker,
Sie schreien mir aus der Seele!
Vor allem in Ihrer Replik.
Danke Ihnen

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Beratung

von Conny am 04.02.2021 um 8:07 Uhr

Vielleicht war es auch eine Helferin :). Was soll dieser Artikel in der heutigen Zeit ?

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Beratung

von Michael Mischer am 04.02.2021 um 8:52 Uhr

Liebe Kollegin,
Ihre Frage verstehe ich nicht.

Solange Patient:innen in der Apotheke die Erfahrung machen, dass ihnen Arzneimittel nur verkauft werden, ohne dass zumindest eine Nachfrage oder knappe Erläuterung des essentiellen Wissens zur Einnahme erfolgt, solange müssen diese Patient:innen Apotheker nicht als Heilberufler sondern als Krämer ansehen.

Das schadet uns allen, nicht nur im Ansehen, sondern wann immer Kompetenz bei politischen Entscheidungen eine Rolle spielt.

Und damit sind diese Kolleg:innen ein Problem, unabhängig von der Pandemie.

Ich rate im Bekannten- und Verwandtenkreis übrigens immer dazu, mit den Füßen abzustimmen.

AW: Beratung

von Connyfrager am 04.02.2021 um 20:56 Uhr

Was soll die Frage "Was soll dieser Artikel in der heutigen Zeit"??

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