Kleine Anfrage der FDP

Wie klappt es mit der PrEP?

Stuttgart - 02.02.2021, 14:00 Uhr

Stand Juni 2020 nutzten 15.600 bis 22.300 Menschen in Deutschland die PrEP. COVID-19 hat die Nachfrage nach der HIV-Präexpositionsprophylaxe stark verringert. (Foto: IMAGO / McPHOTO)

Stand Juni 2020 nutzten 15.600 bis 22.300 Menschen in Deutschland die PrEP. COVID-19 hat die Nachfrage nach der HIV-Präexpositionsprophylaxe stark verringert. (Foto: IMAGO / McPHOTO)


Seit 1. September 2019 erstattet die Gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für eine Präexpositionsprophylaxe bei Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko. Grund für die FDP, nach über einem Jahr in einer Kleinen Anfrage bei der Bundesregierung nachzuhaken, wie sich die PrEP auf das Infektionsgeschehen auswirkt. Gehen die HIV-Neuinfektionen zurück? Wie viele Menschen nutzen eine PrEP und wie wirkt sich die COVID-19-Pandemie aus?

Seit 1. September 2019 werden Kosten für die PrEP von der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Der drogen- und suchtpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Dr. Wieland Schinnenburg, nahm dieses Jubiläum zum Anlass, nachzuhaken: Was hat sich getan bei der HIV-Präexpositionsprophylaxe?

Allzu viele Angaben kann die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage, die Schinnenburg federführend für seine Fraktion eingebracht hatte, nicht machen. Denn noch ist der finale Bericht nicht verfügbar: Aufgrund der COVID-19-Pandemie konnte die Evaluierung nicht planmäßig bis zum 31. Dezember 2021 abgeschlossen werden. Zur Erklärung: Das BMG ist gemäß § 20j SGB V verpflichtet, die Wirkungen der ärztlichen Verordnung der Präexpositionsprophylaxe auf das Infektionsgeschehen bis Ende 2020 nach allgemein anerkannten wissenschaftlichen Standards zu evaluieren. Maßgeblich beteiligt ist dabei das Robert Koch-Institut (RKI), das wohl aufgrund der Corona-Pandemie nicht dazu kam. Wann der finale Bericht vorliegen soll, teilt die Regierung nicht mit.

Keine Daten zu Resistenzen und zu Infektionen trotz PrEP

Auf Fragen, ob und wie häufig Resistenzen des HI-Virus gegen die bei der Prophylaxe eingesetzten Wirkstoffe – Tenofovir, Emtricitabin – beobachtet wurden und wie viele HIV-Infektionen bei PrEP-Nutzern seit September 2019 trotz Prophylaxe aufgetreten seien, „liegen der Bundesregierung keine Informationen vor“, heißt es in der schriftlichen Antwort der Regierung.

Gehen die Neuinfektionen unter PrEP zurück?

Die FDP interessierte sich nicht nur für Resistenzen, sie wollte auch wissen, wie viele HIV-Neuinfektionen es monatlich seit September 2018 gegeben hat und ob die PrEP sich denn positiv auf die Zahl der Neuinfektionen auswirkt. Allerdings wird laut Antwort der Bundesregierung eine monatliche Schätzung der HIV-Neuinfektionen nicht durchgeführt.

Das RKI veröffentlichte am 26. November im Epidemiologischen Bulletin 48/2020 die geschätzte Zahl der Neuinfektionen für die Gesamtjahre 2019 und 2018: „Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland sowie bei Menschen deutscher Herkunft, die sich im Ausland mit HIV infiziert haben, wird für das Jahr 2019 auf 2.600 geschätzt und nimmt damit gegenüber 2018 (nach aktueller Schätzung 2.500 Neuinfektionen) leicht zu“, liest man dort. 2019 lebten etwa 90.700 Menschen mit einer HIV-Infektion in Deutschland. Und weiter: „Welche Rolle die zunehmende Verwendung der PrEP für die Entwicklung der HIV-Neuinfektionen bis Ende 2019 spielte, lässt sich nicht eindeutig beantworten (...). Drastische Rückgänge von HIV-Neuinfektionen unter MSM (Männer, die Sex mit Männern haben), wie sie in einigen Städten (San Francisco, London) und in Australien beschrieben und auf die Einführung der PrEP zurückgeführt wurden, sind bislang landesweit in Deutschland nicht zu beobachten.“

Zahlen zu 2020 liegen demnach bisher nicht vor. Zudem führt das RKI aus, dass eine Aussage zur Wirkung der PrEP auf das HIV-Infektionsgeschehen auf Bundesebene für das Jahr 2020 nur eingeschränkt möglich sei. Grund ist wohl der Ausnahmezustand durch die COVID-19-Pandemie.

15.600 bis 22.300 PrEP-Nutzer

Und wie vielen Personen wurde nach Kenntnis der Bundesregierung die PrEP monatlich seit September 2019 tatsächlich verschrieben? Hier bezieht sich die Bundesregierung wieder auf Daten des RKI. Dieses schätzt, dass es im Juni 2020 zwischen 15.600 und 22.300 PrEP-Nutzende in Deutschland gab. Eine Studie weise zudem darauf hin, dass 71 Prozent der Anwender die PrEP täglich einnehmen, der Rest verfolge ein anlassbezogenes Einnahme-Schema. Laut RKI nutzen vor allem Männer, die Sex mit Männern haben, eine PrEP.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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