Coronaimpfung

Kann man die zweite Dosis verschieben?

Stuttgart - 06.01.2021, 15:15 Uhr

Für den vollen Impfschutz müssen zwei Dosen des Impfstoffs „Comirnaty“ von Biontech und Pfizer  im Abstand von etwa drei Wochen verabreicht werden. (Foto: imago images / Hans Lucas)

Für den vollen Impfschutz müssen zwei Dosen des Impfstoffs „Comirnaty“ von Biontech und Pfizer  im Abstand von etwa drei Wochen verabreicht werden. (Foto: imago images / Hans Lucas)


Laut Zulassung erfordert eine vollständige Immunisierung mit dem Biontech/Pfizer-Corona-Impfstoff zwei Impfdosen im Abstand von drei bis vier Wochen. Da allerdings möglicherweise schon nach einer Dosis ein gewisser Schutz besteht und der Impfstoff knapp ist, gibt es nun Überlegungen, erstmal möglichst viele Menschen einmal zu impfen. In Großbritannien beispielsweise wird das bereits empfohlen. Auch in Deutschland wird zumindest darüber diskutiert. Doch geht das so einfach?

Die Idee ist auf den ersten Blick simpel und einleuchtend: Um zumindest einen gewissen Schutz gegen Corona zu haben, könnten möglichst viele Menschen zunächst die erste Dosis des Impfstoffs bekommen. Die zweite Dosis, die für einen besseren Schutz notwendig ist, käme dann später als vorgesehen dran. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) will aufgrund der begrenzten Impfstoff-Mengen prüfen lassen, ob ein solches Vorgehen für Deutschland in Frage kommt. Auch in anderen Ländern wird das diskutiert. In Politik und Wissenschaft gehen die Meinungen dazu auseinander – auch weil Daten fehlen. Wichtige Aspekte dabei:

Seit Ende Dezember bekommen bestimmte Bevölkerungsgruppen in Deutschland den Impfstoff „Comirnaty“ von Biontech und Pfizer verabreicht. Für den vollen Impfschutz müssen zwei Dosen im Abstand von etwa drei Wochen gespritzt werden. Denkbar wäre nun, die zweite Dosis deutlich später zu geben. Dadurch könnten mehr Menschen eine erste Dosis bekommen – und damit zumindest einen gewissen Schutz vor COVID-19, so die Hoffnung. In Großbritannien hatte der zuständige Impfstoff-Ausschuss empfohlen, vorerst möglichst vielen Menschen nur die erste Dosis zu geben. Die zweite Dosis könne zwölf Wochen nach der ersten gespritzt werden.

Was genau will das BMG prüfen lassen?

Man habe die Ständige Impfkommission (STIKO) gebeten, vorliegende Daten und Studien zu einer solchen Praxis zu sichten, auszuwerten und eine Empfehlung in dieser Frage abzugeben, heißt es in einem BMG-Papier. „Eine solche Entscheidung in Abweichung von der Zulassung bedarf einer vertieften wissenschaftlichen Betrachtung und Abwägung.“

Wie ist das aktuelle Vorgehen beim Impfen?

Da in Deutschland erst Ende Dezember mit dem Impfen begonnen wurde, ist bislang nicht bekannt, dass jemand regulär bereits die zweite Dosis bekommen hätte. Empfohlen ist laut der Europäischen Arzneimittel-Agentur, die zweite Dosis „mindestens 21 Tage“ nach der ersten zu spritzen. Die WHO empfiehlt einen Abstand von 21 bis 28 Tagen. In der entscheidenden Phase-III-Studie zu Comirnaty mit rund 36.000 Teilnehmern hat laut Biontech die Mehrheit der Probanden „die zweite Impfstoffdosis wie im Studienprotokoll vorgeschrieben“ bekommen – also nach 21 Tagen. Den Ergebnissen zufolge hat der Impfstoff sieben Tage nach der zweiten Dosis eine Wirksamkeit von 95 Prozent entfaltet.

Was spricht dafür, zunächst nur die erste Dosis zu geben?

Schiebt man die zweite Dosis nach hinten, ist erstmal mehr Impfstoff verfügbar, um mehr Menschen die einmal zu impfen. Die Hoffnung ist, dass dies allein schon einen gewissen Schutz bietet. So weist etwa die Gesellschaft für Immunologie darauf hin, „dass bereits die erste Impfung ab Tag 14 einen beträchtlichen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bieten kann". Es dürfe zwar nicht auf die zweite Dosis verzichtet werden, aber: „In dieser besonderen Pandemielage ist es vertretbar, mit den jetzt vorhandenen Impfdosen möglichst vielen Menschen erst einmal die erste Immunisierung zu ermöglichen, und die zweite Impfung verzögert, aber zwingend innerhalb von 60 Tagen, nachzuholen.“



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