Großhandel AEP

Graefe geht von Bord

Traunstein - 17.12.2020, 17:30 Uhr

Jens Graefe, Gründer und Gesicht von AEP, will mit 50 nochmal etwas Neues machen  – und verlässt AEP. (Foto: AEP)

Jens Graefe, Gründer und Gesicht von AEP, will mit 50 nochmal etwas Neues machen  – und verlässt AEP. (Foto: AEP)


Jens Graefe ist der Gründer und das Gesicht von AEP. Nun will er Ende Mai 2021 den „etwas anderen“ Großhandel verlassen – offenbar in gutem Einvernehmen und nach dem besten Geschäftsjahr seit Bestehen.

Mit 50 noch einmal etwas Neues machen – das nennt Jens Graefe gegenüber DAZ.online als eigentlichen Grund dafür, dass er Ende Mai 2021 den „etwas anderen“ Großhandel AEP verlässt. 

AEP GmbH

Thema: Arzneimittelgroßhandel

AEP GmbH

Nach mehr als acht Jahren, in denen er an der Spitze von AEP stand. Im Rückblick erinnert Graefe sich daran, dass er nach seinem Ausscheiden bei Celesio zum 30. September 2012 bereits am 1. Oktober angefangen habe, AEP aufzubauen. Dies sei seinerzeit innerhalb eines Jahres passiert – ein Tempo, das aus heutiger Sicht kaum mehr vorstellbar sei.

Das Motel One unter den Großhändlern

Mit AEP wurde ein ganz anderes Konzept verfolgt, als bisher in der Großhandelsszene üblich war. Graefe selbst verglich das Modell mit der Hotelkette Motel One: Verzicht auf jeglichen Schnickschnack und Transparenz bei den Konditionen. Für die finanziell attraktiven Bedingungen müssen die Kunden allerdings Leistungseinschränkungen hinnehmen, beispielsweise die nur einmal tägliche Belieferung. 

Skonto-Prozess bis zum Bundesgerichtshof

Der Werdegang von AEP sei genau so verlaufen, wie es in Untersuchungen zu strategischen Märkten gezeigt werde, schildert Graefe: Zuerst werde man nicht ernst genommen, als Zweites werde man in die kriminelle Ecke gestellt, als Drittes werde versucht, einen totzumachen, und als Viertes verändere sich etwas. Der dritte Schritt sei der Skonto-Prozess gewesen.

Wir erinnern uns: Ende 2014 hatte die Wettbewerbszentrale AEP wegen der gewährten Konditionen abgemahnt, da die Summe der Nachlässe aus Rabatten und Skonti über der variablen Großhandelsmarge von 3,15 Prozent lag. Das Ergebnis ist bekannt: Nach verschiedenen Prozessen entschied der Bundesgerichtshof im Oktober 2017 zugunsten von AEP – den Apothekern blieben die Skonti erhalten.

Eigentlich hatte Graefe den AEP-Gesellschaftern schon Anfang dieses Jahres gesagt, dass er bis November ausscheiden wolle. Doch dann kam Corona und nun soll es Ende Mai so weit sein. Im ersten Quartal 2021 soll alles vernünftig geklärt werden, auch die Nachfolge ist noch nicht geregelt. Graefe betont, dass es AEP gut gehe – 2020 war das beste Jahr seit Bestehen des Großhandels. Und er ist sicher, dass sich die Erfolgsgeschichte von AEP auch nach seinem Ausscheiden fortsetzen wird. Er selbst hat noch keine konkreten Pläne, was er nun Neues anfangen wird. Die Apothekenwelt darf also gespannt sein.    


Dr. Christine Ahlheim (cha), Chefredakteurin AZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

AEP-Chef Jens Graefe über das bevorstehende BGH-Verfahren zu den Großhandels-Skonti

„Das wäre eine signifikante Umverteilung“

AEP-Geschäftsführer Graefe im DAZ-Interview

„Die alten Zeiten kommen nicht wieder“

AEP-Reaktion auf die Aussagen des Phagro-Vorsitzenden zum Skonti-Streit

„Wundern uns über Trümper“

Apotheker bangen um Konditionen

Bundesgerichtshof entscheidet Skonti-Frage

Interview mit Geschäftsführer Jens Graefe

AEP: Wir gewinnen den Skonti-Prozess

Warum der Bundesgerichtshof über die Großhandelskonditionen für Apotheken befinden muss

Ein Fall für den BGH

Großhändler nennt Kundenzahl im mittleren dreistelligen Bereich – Erste Reaktionen aus der Apothekerschaft

Wie läuft’s mit AEP?

0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.