Lungen-Autopsien aus der Schweiz

Die „Spanische Grippe“ und COVID-19 im Vergleich

Stuttgart - 23.11.2020, 17:00 Uhr

Es scheint einen deutlich sichtbaren Unterschied in den Konsequenzen der Influenza von 1918 und der aktuellen Pandemie zu geben: Blutgerinnsel in Lungen-Autopsien. (rh / Foto: imago images / ZUMA Wire)

Es scheint einen deutlich sichtbaren Unterschied in den Konsequenzen der Influenza von 1918 und der aktuellen Pandemie zu geben: Blutgerinnsel in Lungen-Autopsien. (rh / Foto: imago images / ZUMA Wire)


Verunsicherte Patienten haben vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie oft mit einer Frage in der Apotheke um Rat gesucht: Ist Corona wirklich schlimmer als die Grippe? Zur Beantwortung dieser Frage ist zunächst zu klären, von welcher „Grippe“ man überhaupt spricht. Eine Forschergruppe des Universitätsspital Zürich hat sich nun spezifisch mit der Frage „‚Spanische Grippe‘ und SARS-CoV-2: vergleichbar oder nicht?“ auseinandergesetzt.

Eine Forschergruppe um Professor Dr. Holger Moch, Direktor des Instituts für Pathologie und Molekularpathologie am Universitätsspital Zürich, hat Autopsie-Befunde von 411 Patienten ausgewertet, die zwischen Mai 1918 und April 1919 an der „spanischen“ Influenza-A-Pandemie im Universitätsspital Zürich (USZ) verstorben sind, das teilt das USZ in einer Pressemitteilung mit. Verglichen hat die Forschergruppe diese Befunde, mit denen der bisher veröffentlichen COVID-19-Autopsien.

Der Mitteilung zufolge hinkt der Vergleich von Todesursachen durch COVID-19 mit jenen einer „saisonalen Grippe“. Warum, zeige die Studie der Autopsieberichte – vor allem anhand eines Unterschieds: In keinem einzigen der Autopsieberichte zur „spanischen“ Grippe würden sichtbare Blutgerinnsel erwähnt. „Dagegen wird in 36 Prozent der 75 bisher publizierten COVID-19-Autopsien eine Lungenarterien-Thrombose, bzw. eine Lungenembolie angegeben“, heißt es. Bemerkenswert dabei: Diese Patienten hatten eine für hospitalisierte Patienten normale Thrombose-Prophylaxe erhalten.

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Der aktuelle Befund soll im Einklang mit der Erkenntnis aus früheren Studien stehen, wonach COVID-19 zu einer generalisierten Entzündung des Gefäßendothels und damit zu vermehrter Gerinnselbildung führen könne.

Zwar sei die Zahl der Autopsien von COVID-19-Opfern im Verhältnis zur Zahl der Todesfälle gering – eines lasse sich aus der bisherigen Datenlage aber zweifelsfrei feststellen:

„Bei COVID-19 Patienten werden sehr oft eine fortschreitende, lebensbedrohliche Lungenentzündung sowie thromboembolische Ereignisse beobachtet. Auch sogenannte kapillare Mikrothromben, also Blutgerinnsel in den feinsten Gefäßen, werden bei Corona-Patienten deutlich häufiger beobachtet als bei Patienten mit einer ‚normalen‘ Grippe.“ (Die Forscher haben laut dem Abstract der Autopsie-Publikation auch Autopsien von Influenza A aus den Jahren 2009 bis 2020 und andere Autopsieserien von Influenza A untersucht.) 

Studie zu Enoxaparin

Die sogenannte OVID-Studie untersuche deshalb aktuell die Sicherheit und Wirksamkeit eines „Blutverdünners“ bei ambulanten Patientinnen und Patienten mit Coronavirus-Infektion. Man suche weiterhin Studienteilnehmer: „Interessierte Personen ab 50 Jahren mit positivem Testresultat können sich unter 043 253 03 03 melden.“ Konkret handelt es sich um eine schweizweite klinische Studie über die Wirksamkeit und Sicherheit von Enoxaparin (40 mg/Tag für 14 Tage) „zur Vermeidung von Thrombosen bei ambulanten Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion“, wie im „Swiss Medical Forum“ nachzulesen ist.


Diana Moll, Apothekerin und Redakteurin, Deutsche Apotheker Zeitung (dm)
redaktion@daz.online


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