ZDF-Sendung Maybrit Illner

Kann der Corona-Impfstoff von Curevac doch nicht in den Kühlschrank?

Stuttgart - 19.11.2020, 11:45 Uhr

Professor Peter Kremsner leitet die erste klinische Studie mit dem Corona-Impfstoffkandidaten der Firma Curevac. Bei Maybrit Illner erklärte er entgegen der Mitteilung von Curevac, dass der Impfstoff nach Zulassung zunächst bei -70 °C gelagert werden muss. Was stimmt? (p / Screenshot: zdf.de)

Professor Peter Kremsner leitet die erste klinische Studie mit dem Corona-Impfstoffkandidaten der Firma Curevac. Bei Maybrit Illner erklärte er entgegen der Mitteilung von Curevac, dass der Impfstoff nach Zulassung zunächst bei -70 °C gelagert werden muss. Was stimmt? (p / Screenshot: zdf.de)


Curevac meldete vergangene Woche, dass sein Corona-Impfstoffkandidat CVnCoV schon bei Kühlschranktemperaturen stabil ist – im Gegensatz zu BNT162b2 von Biontech/Pfizer, der bei -70 °C gelagert und transportiert werden muss. Am selben Tag abends in der ZDF-Sendung Maybrit Illner sagte der Studienleiter der Curevac-Vakzine Professor Kremsner jedoch, dass auch CVnCoV in der ersten Zeit nach der Zulassung bei sehr niedrigen Temperaturen gelagert werden muss – was stimmt denn nun? DAZ.online hat bei Curevac nachgefragt.

Als Curevac vergangene Woche Erfolge bei seinem Corona-Impfstoff CVnCoV meldete, war die Euphorie groß, medial und spürbar am Aktienkurs des Unternehmens. Denn: Der mRNA-Impfstoff des Tübinger Unternehmens lieferte positive Phase 1-Daten und ist schon bei Kühlschranklagerung zwischen 2 und 8 °C stabil. Ein eminenter Vorteil zum Konkurrenten BNT162b2 von Biontech/Pfizer – hier lautet die Ansage aktuell, dass deren Corona-Vakzine gerne bei -70 °C gelagert und transportiert werden will. Logistisch nicht ganz trivial.

Just hatte Curevac die Stabilität seines Impfstoffkandidaten bestätigt, sorgte jedoch Prof. Dr. Peter Gottfried Kremsner in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ am 12. November 2020 (ab Minute 9:52) für Verunsicherung. Kremsner ist Infektiologe und Tropenmediziner sowie Direktor des Instituts für Tropenmedizin am Universitätsklinikum Tübingen und leitet die erste klinische Studie mit dem Corona-Impfstoffkandidaten der Tübinger Firma Curevac. „Der Impfstoff von Biontech muss bei -70 °C gelagert werden, beansprucht das Ihr Impfstoff (Anm. d. Red.: Corona-Impfstoff CVnCoV von Curevac) auch?“, fragte Maybrit Illner den Infektiologen.

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„Das wird erstmal so sein“, sagte Kremsner wörtlich. Das seien letztlich Vorkehrungen, die man getroffen habe und die durch den Zulassungsprozess bedingt seien. „Aber grundsätzlich ist es so, dass bei diesen mRNA-Impfstoffen eine große Temperaturunempfindlichkeit herrscht. Die kann man eigentlich auch auf dem Küchentisch in  den Tropen aufheben, dann sind sie immer noch stabil“, erklärte der Studienleiter. Das werde auch so kommen, dass die Impfstoffe bei Raumtemperatur gelagert werden, war Kremsner überzeugt, nicht jedoch für die „erste Zulassung“ und nicht in der ersten Zeit.

Curevac bestätigt Kühlschranklagerung

Was stimmt denn nun? DAZ.online hat bei Curevac nachgefragt. Der Sprecher von Curevac erklärt: „Herr Kremsner war in diesem Punkt nicht aktuell informiert, kannte unsere Pressemitteilung offenbar noch nicht. Tatsache ist, was wir gestern kommuniziert haben.“


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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5 Kommentare

Marktchancen

von Reinhard Schmidt am 20.11.2020 um 13:26 Uhr

Extreme Kühlung und der Transport in hochwertigen Gefrierboxen im ebenso ausgestatteten Fahrzeug wird auf die Dosispreise draufgeschschlagen. Der Preis für die Impfdosis wird den Absatz bestimmen. Das bedeutet zweifache bis einfacher Preis.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Curevac-Impfstoff

von Gregor Huesmann am 19.11.2020 um 17:33 Uhr

Irgendwie peinlich. Wenn selbst der Studienleiter nicht auskennt!

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: Curevac-Impfstoff

von Det am 19.11.2020 um 21:05 Uhr

Das Spannende ist doch die Aussage.: Er war nicht auf dem aktuellen Stand, weil er die Pressemitteilung (!) noch nicht kannte.

Da werden bei Curevac die Fakten wohl im Marketing erzeugt und ans Labor kommuniziert statt umgekehrt.

AW: Curevac-Impfstoff

von Thomas Kerlag am 19.11.2020 um 21:58 Uhr

Wieso? Ist der Studienleiter Pharmazeut?

AW: Curevac-Impfstoff

von Kay Voigt am 21.11.2020 um 8:29 Uhr

Peinlich ist meines Erachtens nicht die Aussage des Professors Kremsner, sondern die meisten Reaktionen darauf! Diese beweisen mal wieder das die "erst denken, dann reden"-Methode mittlerweile (leider) zu einem Relikt in puncto Journalismus und zwischenmenschlicher Kommunikation geworden ist!

Doch nun zurück zum Thema: Biontech waren die Ersten, welche mit ihrem Impfstoffkandidaten in die erste klinische Testphase gegangen sind und haben damit mit ihren Testbedingungen die Rahmenbedingungen für alle folgenden 'erste klinische Testphase'n anderer Impfstoffkandidaten geschaffen, damit die Testergebnisse auch miteinander vergleichbar sind! Und dies auch die Lagerung mit ein, soll heißen: alle anderen Impfstoffkandidaten müssen während der Testphase, unabhängig der Temperaturbereiche ihrer Stabilität, bei den von Biontech vorgegebenen -70°C gelagert werden!

Und genau das hat Professor Kremsner ausgesagt.

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