Nur ein Zufall?

Aus BASF-Anlage fließen erneut Schadstoffe in den Rhein

Dießen am Ammersee - 13.11.2020, 07:00 Uhr

Die BASF Kläranlage in Ludwigshafen soll eine der größten ihrer Art weltweit sein: Insgesamt besitzt die Kläranlage eine Kapazität, die für die Abwassermenge von circa drei Millionen Menschen ausreichen würde. (x / Foto: BASF)

Die BASF Kläranlage in Ludwigshafen soll eine der größten ihrer Art weltweit sein: Insgesamt besitzt die Kläranlage eine Kapazität, die für die Abwassermenge von circa drei Millionen Menschen ausreichen würde. (x / Foto: BASF)


In der vergangenen Woche kam es wiederholt im Ludwigshafener Stammwerk von BASF zu einer Emission von Stoffen in den Rhein. Dieses Mal handelte es sich um Triisopropanolamin und Melamin. Laut BASF wurden die zuständigen Behörden und die Rheinanlieger informiert.

Wie DAZ.online berichtete, flossen erst vor rund drei Wochen 300 Kilogramm Imidazol aus dem BASF-Werk in Ludwigshafen in den Rhein. Nun sind erneut wassergefährdende Stoffe in den Fluss ausgetreten. Dieses Mal handelt es sich um rund 200 Kilogramm Melamin und rund 260 Kilogramm Triisopropanolamin. 

Beide Chemikalien sind als schwach wassergefährdend eingestuft. In einer Pressemitteilung von BASF heißt es, dass Melamin laut Sicherheitsdatenblatt vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. Melamin sei ein Ausgangsstoff für die Herstellung von Melaminharzen, die unter anderem als Leime und Klebstoffe verwendet werden. Er gilt als biologisch schwer abbaubar. Triisopropanolamin verursacht laut Sicherheitsdatenblatt schwere Augenreizungen. Die Chemikalie werde unter anderem als Veredlungsmittel für Textilien und als Beschichtungsmittel für Papier und Holz verwendet. Aufgrund der ausgetretenen Menge und der Verdünnung im Rhein ist jedoch laut Pressemeldung nicht von einer Gefährdung für Mensch und Umwelt auszugehen.

Wiederholter Austritt sei Zufall

Die Emissionen der Stoffe wurden im Auslauf der BASF-Kläranlage festgestellt. Diese BASF-eigene Anlage ist eine der größten in Europa und die größte am Rhein. Neben den rund 100 Millionen Kubikmetern Produktionsabwässern reinigt der Betrieb die Abwässer der Städte Ludwigshafen, Frankenthal und einer weiteren Gemeinde. „Es gibt relativ genaue Vorschriften, was über die Kläranlage in den Rhein gelangen darf und was nicht“, so eine Firmensprecherin von BASF gegenüber DAZ.online. Bei den rund 200 Produktionsbetrieben des rund 10 Quadratkilometer großen Standorts in Ludwigshafen könne es leider passieren, dass Schadstoffe austreten, auch wenn dies nicht passieren dürfe. Dass ein sogenannter Wasservorfall so kurz hintereinander auftritt, sei jedoch rein zufällig und die Fälle hätten nichts miteinander zu tun. 

Die Firmensprecherin bestätigte des Weiteren, dass die genaue Ursache für die aktuelle Emission derzeit ermittelt werde. Meist sei dies eine Ursachenkette, die durch technisches oder menschliches Versagen ausgelöst werde. Als Beispiel wurden Fehler beim Um- oder Beladen von Stoffen oder auch defekte Verbindungsstücke von Leitungen benannt. Ein weiteres Austreten der zwei Chemikalien in den Rhein konnte jedoch, kurz nachdem der Fehler entdeckt wurde, gestoppt werden.

BASF stellt neben Chemikalien und Materialien für weite Industriezweige und die Landwirtschaft auch chemische Rohstoffe für die Pharmaindustrie her. Ihre eigene Pharmasparte verkaufte BASF jedoch im Jahr 2000 an den US-Pharma- und Diagnostik-Konzern Abbot Laboratories.


Mareike Spielhofen, Autorin, DAZ.online
daz-online@deutscher-apotheker-verlag.de


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Warum es trotz mehrerer Produktionsstätten zu Lieferengpässen kommt

Zu wenig Ibuprofen

Nachhaltigkeit in der Pharmaindustrie

Merck will bis 2040 klimaneutral sein

Die neue Chemikalien-Verbotsverordnung: Das Wichtigste für die Apotheke

Kein Grund, giftig zu werden!

0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.