Rki-Pressekonferenz zur pandemie

Die Dunkelziffer steigt

Berlin - 12.11.2020, 16:45 Uhr

Das Robert Koch-Institut schätzt die Lage der Pandemie weiterhin als bedenklich ein. Sollte Apothekern eine größere Rolle bei der Eindämmung von SARS-CoV-2 zukommen? (Foto: PiRi TV / stock.aobe.com)

Das Robert Koch-Institut schätzt die Lage der Pandemie weiterhin als bedenklich ein. Sollte Apothekern eine größere Rolle bei der Eindämmung von SARS-CoV-2 zukommen? (Foto: PiRi TV / stock.aobe.com)


RKI-Präsident Lothar Wieler betonte am heutigen Donnerstag die aktuelle Brisanz der SARS-CoV-2-Pandemie. Dass die Kurve der Neuinfizierten in den letzten Tagen weniger stark angestiegen sei, sei kein Grund zur Entwarnung. Neben Krankenhäusern stehen die Laboratorien am Limit, sodass die Dunkelziffer der Infizierten steigt. Apotheker mit der gezielten Testung zu betrauen, sei eine Option. Die Entscheidung liege aber nicht beim RKI, sondern in der Politik.

Am 12. November um 10:00 Uhr lud das Robert-Koch-Institut (RKI) zu einer Online-Pressekonferenz, bei der Präsident Prof. Lothar Wieler und Dr. Ute Rexroth, Leiterin des Lagezentrums am RKI, Rede und Antwort zur aktuellen Lage der Pandemie standen. „Das Infektionsgeschehen nimmt weiterhin zu. Die Fallzahlen sind weiterhin sehr hoch. Die Zahl der Intensivpatienten und Todesfälle wird weiter steigen. Wir müssen damit rechnen, dass Kliniken an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen werden.“ Gerade das Personal und die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten würden in deutschen Kliniken aktuell knapp werden.

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Dennoch stieg die Kurve der Infektionszahlen in den letzten Tagen etwas weniger steil an. „Dies zeigt, dass wir dem Virus nicht machtlos ausgeliefert sind“, so Wieler. Wir alle könnten unseren Teil beitragen, indem wir Kontakte reduzierten und die AHA+L-Regeln befolgten. Die Einschränkungen würden uns noch lange begleiten, auch wenn ein wirksamer Impfstoff zur Verfügung stehe. „Ein paar Monate müssen wir noch die Pobacken zusammenkneifen.“

COVID-19-Diagnostik am Limit

Rexroth räumte zudem ein, dass der Grund für den weniger steilen Anstieg der Neuinfektionen die erschöpften Testkapazitäten sein könnten. Damit die Laboratorien unter der Last der Testanfragen in den nächsten Monaten nicht zusammenbrechen, veröffentlichte das Robert Koch-Institut am 3. November eine Checkliste für Testkriterien bei COVID-19-Verdacht. Wenn Ärzt:innen eine COVID-19-Diagnostik anordnen, sollten typische Symptome oder eines der anderen Kriterien erfüllt sein. Auf die Frage, ob durch diese neue Herangehensweise die Dunkelziffer der Infektionen steige, erwiderte Wieler, dass die Dunkelziffer ohnehin in den letzten Wochen angestiegen sei, da die Testkapazitäten ihre Grenzen erreicht hätten. Trotz dessen steige fortwährend der Anteil der positiven Tests.

DAZ.online fragte nach, ob es bei der heiklen Situation eine gute Option sei, die COVID-19-Diagnostik für Apotheker:innen zu ermöglichen. „Das ist eine politische Entscheidung, die ich nicht beantworten kann. Wenn die Kapazitäten ausgeweitet werden müssen, werden die Entscheider überlegen, wie sie das machen. Prinzipiell gibt es diese Option, aber darüber habe ich nicht zu entscheiden.“

Auch diskutierte Wieler auf der Pressekonferenz Selbsttests als mögliche Lösung des diagnostischen Dilemmas. Momentan sind solche Antigen-Schnelltests für Patienten gerade in der Entwicklung und werden auch kommen, so der RKI-Präsident. „Diese Tests müssen natürlich eine entsprechende Qualität haben. In den nächsten Monaten werden die Schnelltests niemals die Qualität der PCR-Analytik erreichen. Zur Verifizierung der Testergebnisse wird die PCR der Goldstandard bleiben.“


Marius Penzel, Apotheker und Volontär
redaktion@daz.online


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