Weniger Beatmung, Mortalität nicht gesenkt

Wirkt sich niedrig dosiertes ASS günstig auf COVID-19 aus?

Stuttgart - 28.10.2020, 10:45 Uhr

Könnte ASS den Verlauf von COVID-19 günstig beeinflussen? Erste Hinweise liefert eine Studie. (p / Foto: Halfpoint / stock.adobe.com)

Könnte ASS den Verlauf von COVID-19 günstig beeinflussen? Erste Hinweise liefert eine Studie. (p / Foto: Halfpoint / stock.adobe.com)


Die Einnahme von ASS könnte mit einem besseren Verlauf bei hospitalisierten COVID-19-Patienten verbunden sein, so das Fazit einer Studie im Fachjournal „Anesthesia and Analgesia“. Doch man bräuchte mehr Daten, um zu beurteilen, ob ein kausaler Zusammenhang zwischen ASS und einer verringerten Lungenschädigung und Sterblichkeit bei COVID-19-Patienten bestehe.

Schwer erkrankte COVID-19-Patienten erleiden häufig thrombotische Ereignisse. Da es sich bei den Patienten gleichzeitig häufig um ältere Patienten mit Komorbiditäten handelt, nehmen diese häufig auch niedrig dosierte Acetylsalicylsäure ein. Ob diese  einen positiven Effekt auf den  COVID-19-Krankheitsverlauf von den Patienten haben könnte, wurde in einer amerikanischen Studie untersucht. Veröffentlicht wurde die Studie „Aspirin Use is Associated with Decreased Mechanical Ventilation, ICU Admission, and In-Hospital Mortality in Hospitalized Patients with COVID-19“ im Fachjournal „Anesthesia and Analgesia“.

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In die retrospektive Beobachtungsstudie wurden 412 Patienten eingeschlossen, von denen 23,7 Prozent (98) innerhalb von sieben Tagen nach Krankenhausaufnahme oder bereits davor ASS in niedriger Dosierung eingenommen hatten, die übrigen 314 Patienten (76,3 Prozent) waren nicht mit dem Thrombozytenaggregationshemmer behandelt worden. In der ASS-Gruppe mussten signifikant weniger Patienten (35,7 Prozent) mechanisch beatmet werden (Vergleichsgruppe: 48,4 Prozent, p = 0,03), und signifikant  weniger Patienten (38,8 Prozent) mussten auf eine Intensivstation verlegt werden (Vergleich: 51,0 Prozent, p = 0,04).

Sterblichkeit nicht verringert

Keine Assoziation konnte dagegen zur Sterblichkeit gesehen werden: 22,5 Prozent der mit ASS behandelten Patienten verstarben, im Vergleich zu 23,2 Prozent, die kein ASS erhalten hatten  (p = 0,02). Nach Bereinigung von acht Störvariablen ergab sich jedoch für alle drei Endpunkte ein um die Hälfte gesenktes Risiko bei der mit ASS behandelten Gruppe (mechanische Beatmung Hazard Ratio [HR] = 0,56, p = 0,007; Verlegung auf eine Intensivstation HR = 0,57, p = 0,005; Mortalität HR = 0,53, p = 0,02). Die Studienautoren merken an, dass diese Ergebnisse mit weiteren randomisierten Studien untermauert werden müssen.


Marina Buchheit, Apothekerin
redaktion@daz.online


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