AvP-Insolvenz

Sind Apotheken in NRW besonders betroffen?

Stuttgart - 14.10.2020, 15:15 Uhr

Hochgerechnet fehlen den mehr als 1.000 betroffenen Apotheken in Nordrhein-Westfalen rund 200 Millionen Euro. Das ergibt sich aus vorläufigen Umfrageergebnissen der Verbände. (x / Foto: Martina Berg / stock.adobe.com)

Hochgerechnet fehlen den mehr als 1.000 betroffenen Apotheken in Nordrhein-Westfalen rund 200 Millionen Euro. Das ergibt sich aus vorläufigen Umfrageergebnissen der Verbände. (x / Foto: Martina Berg / stock.adobe.com)


Nach aktuellen Informationen trifft die Insolvenz des Rechenzentrums AvP rund 
2.900 Apotheken in Deutschland. Hinzu kommen Krankenhausapotheken, Ambulanzen und sonstige Leistungserbringer. Durch den Unternehmenssitz der AvP Deutschland GmbH in Düsseldorf stellt sich die Frage, ob es vor allem die Apotheken in Nordrhein-Westfalen sind, die derzeit auf ihre Abrechnungsgelder warten und mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen haben. Den Apothekerverbänden im bevölkerungsreichsten Bundesland liegen nun erste Zahlen vor. Außerdem ist ein umfangreiches FAQ veröffentlicht worden.

Die Apothekerverbände reagieren unterschiedlich auf die AvP-Pleite. Thomas Dittrich beispielsweise, Vorsitzender des Sächsischen Apothekerverbands und Bewerber um das Amt des Vorsitzenden des Deutschen Apothekerverbands, berichtete im Live-Talk auf DAZ.online von der prekären Situation, in der sich die Apotheken in seinem Bundesland seit der Insolvenz des Rechenzentrums AvP befinden. Nach bisherigen Informationen seien 93 Mitglieder des Verbands betroffen. Dies entspreche 13 Prozent der Mitglieder. Nach einer Umfrage schätzt der Verband die derzeit offenen Zahlungen auf fast 20 Millionen Euro für die Apotheken in Sachsen. Im Live-Talk beschrieb Dittrich ausführlich die intensiven Kontakte des Sächsischen Apothekerverbands zur Politik auf Landesebene. Der Verband habe sofort nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags das Landesgesundheitsministerium informiert. Die Apothekerverbände arbeiteten zum Teil auch auf der Bundesebene zusammen. Neun Verbände hätten bisher gemeinsam eine spezialisierte Anwaltskanzlei beauftragt, insbesondere für die Kommunikation mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter.

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AvP-Insolvenz

Auch aus Nordrhein-Westfalen (NRW) kommen nun erste Informationen, mit denen das Ausmaß des AvP-Desasters im bevölkerungsreichsten Bundesland vorläufig beziffert werden kann. Im Gespräch mit DAZ.online erläuterte Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein, dass man durch Umfragen und Mitgliederrückmeldungen derzeit von rund 1.000 Apotheken ausgeht. Durchschnittlich gehe es um 175.000 Euro je Betriebsstätte. Hochgerechnet ergebe dies also ungefähr 175 Millionen Euro, die im Bereich des Apothekerverbands Nordrhein den Apotheken fehlen würden. 5 Prozent der Apotheken sind demnach von der Insolvenz direkt betroffen.

Ein Sprecher des Apothekerverbands Westfalen-Lippe teilte mit, dass sich 
68 Mitglieder auf die Umfrage vom Verband zurückgemeldet hätten. Demnach sind im Nordosten des Bundeslands 94 Apotheken betroffen, 20 Millionen Euro würden fehlen. Insgesamt wären es also rund 200 Millionen Euro, die den Apotheken in NRW nach vorläufigen Schätzungen fehlen.

Doch der Apothekerverband Westfalen-Lippe mahnt, diese ersten Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Man rechnet in der Geschäftsstelle in Münster offenbar mit weitaus mehr Betroffenen, die sich jedoch noch nicht gemeldet haben. Rein rechnerisch müsste von den 2.900 AvP-Kunden rund die Hälfte aus NRW stammen, davon ein Drittel aus Westfalen-Lippe und zwei Drittel aus Nordrhein, erklärt der Sprecher. Die Apothekerverbände in NRW erhoffen sich also konkretere Rückmeldungen ihrer Mitglieder.

Um auf die große Flut an Anfragen, die seit Wochen auf die Kammern und Verbände einprasseln, adäquat zu reagieren, hat der Apothekerverband Nordrhein nun ein umfangreiches FAQ erstellt, das den Mitgliedern im internen Online-Portal bereitgestellt wird. Gemeinsam mit der Kanzlei Glade Michel Wirtz, die den Verband in den Gesprächen mit dem Insolvenzberater beraten und begleitet hat, soll so über den aktuellen Sachstand informiert werden.


Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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3 Kommentare

BRANDENBURGER Peinlichkeiten

von Dr, Diefenbach am 15.10.2020 um 13:12 Uhr

Hat schon jemand aus der DAZ Redaktion die offenbar SO getätigten Frechheiten aus den Wirtschaftsministerium Brandenburg,vertreten wohl durch einen Abteilungsleiter namens FRITZ,bzgl. der AvP Hilfen gelesen?Derartige Respektlosigkeiten sind es EBENFALLS wert mal öffentlich zur Sprache zu kommen.Wenigstens haben die Kollegen dort gleich zur "Selbsthilfe "gegriffen und sich die Fouls offen verbeten.Man lese ggf bei Apotheke ad hoc nach(ich zitiere die Konkurrenz extrem selten, hier scheint es nötig)

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Forderung

von Reinhard Rodiger am 15.10.2020 um 0:45 Uhr

Ich vermisse nach wie vor Massnahmen, den Staat an seine unterlassene Ausübung seiner Verantwortung zu erinnern bzw. dazu adäquaten rechtlichen Beistand zu suchen.Hier könnte allein der bekundete Wille viel bewirken.
FAQ klingt nach abwimmeln, was ja bei diesen Instanzen üblich ist.Oft eben auch ohne FAQ.Ebenso fehlt bei bundesweiter Betroffenheit jegliches zentrale Engagement.Es geht um eine Forderung, die wegen der Gefährdung des Systems nicht auf die einzelnen abgeschoben werden kann.
Insgesamt ist der Beifall für standespolitisches Engagement wie immer vergebliche Hoffnung.

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Ach, sind die Anfragen störend ?

von Nikolaus Guttenberger am 14.10.2020 um 16:46 Uhr

Der Schlußabsatz des Artikels klingt fast so, als ob man sich als Betroffener halt dann eine FAQ durchlesen soll, damit man die Herrschaften in den Kammern und Verbänden nicht mehr allzu sehr nervt....

Was es nach über einem Monat immer noch nicht gibt ist ein, wie auch immer gearteter, Hilfeversuch!

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