Wann die thrombozytenaggregationshemmende Wirkung aufgehoben wird

Gecheckt und korrigiert: ASS und NSAR

Stuttgart - 09.10.2020, 15:30 Uhr

Bitte lesen Sie den Beitrag der DAZ 41|2020: Gecheckt: ASS und NSAR - Wann die thrombozytenaggregationshemmende Wirkung aufgehoben wird nur in der Online-Version. (Foto: H_Ko / stock.adoeb.com)

Bitte lesen Sie den Beitrag der DAZ 41|2020: Gecheckt: ASS und NSAR - Wann die thrombozytenaggregationshemmende Wirkung aufgehoben wird nur in der Online-Version. (Foto: H_Ko / stock.adoeb.com)


In der aktuellen DAZ 41|2020 können Sie in der Serie „Gecheckt“ einen Beitrag zum derzeitigen Wissensstand zur möglichen klinischen Bedeutung der Interaktionen von ASS und NSAR lesen. Bedauerlicherweise hat in diesem Beitrag der Fehlerteufel so gewaltig zugeschlagen, dass wir Sie bei DAZ.online auf eine korrigierte Version des Beitrages führen.

Acetylsalicylsäure ist auch nach über 100 Jahren auf dem Arzneimittelmarkt immer noch von großer Bedeutung für Millionen Patienten weltweit. Allein in Deutschland werden laut Arzneiverordnungsreport auf GKV-Kosten 691,5 Mio. durchschnittliche Tagesdosen ASS verordnet, und dabei wurde der große Sektor der Selbstmedikation noch gar nicht berücksichtigt. Es gibt aber Hinweise, dass die Hemmung der Thrombozytenaggregation durch Acetylsalicylsäure in Kombination mit anderen nichtsteroidalen Antirheumatika verringert wird.

Wirkungsabschwächung von ASS?

Diskutiert wird ein möglicherweise erhöhtes Risiko für eine Wirkungsabschwächung von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure bei gleichzeitiger Gabe von Ibuprofen oder Metamizol.

Hier steht es richtig

Hier finden Sie die korrigierte Version von „Gecheckt: ASS und NSAR - Wann die thrombozytenaggregationshemmende Wirkung aufgehoben wird“.

Die Deutsche Apotheker Zeitung entschuldigt sich bei Ihnen für den Fauxpas, bitte lesen Sie den Beitrag (DAZ 2020 Nr. 41, S. 36 – 39) nur in der neuen Online-Version.

ASS hemmt die Cyclooxygenase (COX-1) irreversibel durch Acetylierung eines Serin-Rests in Position 530 im katalytischen Zentrum die COX-1. Dadurch wird die Bindung des Substrates (Arachidonsäure) durch das Enzym unterbunden: Unter anderem kann die Cyclooxygenase 1 dann nicht mehr den starken Plättchenaktivator Thromboxan A2 bilden, und infolgedessen wird die Thrombozytenaggregation in gewünschter Art gehemmt. Die Dauer der Wirkung entspricht dabei der Lebensdauer der Blutplättchen (fünf bis zwölf Tage). Wird allerdings ein NSAR wie Ibuprofen mit einer hohen Bindungsaffinität zur COX-1 zeitlich vor der ASS eingenommen, so wird die Bindungsstelle blockiert und somit die Wirkung von Acetylsalicylsäure, die aufgrund des schnellen ASS-Abbaus auch später nicht wieder einsetzen kann. Bei Diclofenac scheint diese Interaktion nicht aufzutreten, da es einerseits an einer anderen Bindungsstelle der COX-1 anzugreifen scheint und andererseits aufgrund seiner geringeren Bindungsaffinität und kürzeren Verweildauer in der Zirkulation als Ibuprofen.

Was ist mit ASS plus Metamizol?

Für Metamizol konnte in einer kleinen Beobachtungsstudie mit Patienten mit koronarer Herzkrankheit gezeigt werden, dass die Hemmung der Thrombozytenaggregation durch ASS bei gleichzeitiger Einnahme von Metamizol aufgehoben war, wobei die Effekte reversibel und dosisabhängig waren und nicht auftraten, wenn Acetylsalicylsäure 30 Minuten vor Metamizol eingenommen wurde.

Trotz häufiger Anwendung der genannten Arzneistoffe liegen überzeugende Daten aus großen, randomisierten Doppelblindstudien mit der primären Zielstellung der Prüfung der kardiovaskulären Sicherheit bisher nicht bzw. nur unzureichend vor.

Was ist die Botschaft?

Zusammenfassend können folgende Hinweise gegeben werden:

  • Bei kurzfristiger Kombination mit Metamizol sollte Metamizol 30 Minuten nach ASS eingenommen werden (möglichst geringe Dosis).
  • Bei kurzfristiger Kombination mit Ibuprofen sollte Ibuprofen ein bis zwei Stunden nach oder acht Stunden vor ASS eingenommen werden (möglichst geringe Dosis).
  • Retardierte ASS scheint in Kombination mit Ibuprofen oder Metamizol keinen Vorteil gegenüber schnell freisetzenden Arzneiformen zu haben.
  • Bei nötiger Dauertherapie mit ASS sollten Ibuprofen und Metamizol aus Sicherheitsgründen gemieden werden und auf andere Substanzen wie Diclofenac, Paracetamol oder COX-2-­Hemmer ausgewichen werden.

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