Handelsblatt-Bericht

EU-Kommission äußert sich zum deutschen Apothekenmarkt

Berlin - 17.09.2020, 13:15 Uhr

Die EU-Kommission sieht Versandapotheken durch das E-Rezept im Aufwind. Heißt das, dass EU-Versender nicht mehr im „Nachteil“ gegenüber Vor-Ort-Apotheken sind und sich daher auch an Festpreise halten müssen? (m / Foto: imago images / Shotshop)

Die EU-Kommission sieht Versandapotheken durch das E-Rezept im Aufwind. Heißt das, dass EU-Versender nicht mehr im „Nachteil“ gegenüber Vor-Ort-Apotheken sind und sich daher auch an Festpreise halten müssen? (m / Foto: imago images / Shotshop)


Kann das VOASG auf europäischer Ebene bestehen? Diese Frage treibt Apothekerschaft und Politik seit mehr als einem Jahr um. Jetzt äußert sich die EU-Kommission erstmals zur Situation auf dem deutschen Apothekenmarkt – auch auf Basis des seit vergangener Woche vorliegenden IGES-Gutachtens.

Ist das Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz mit europäischem Recht vereinbar oder nicht? An dieser Frage scheiden sich die Geister, wie erst gestern wieder bei der Verbändeanhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags deutlich wurde. Auch das Handelsblatt beschäftigt das Thema: Die Zeitung hakte bei der EU-Kommission nach, wie diese vor dem Hintergrund des vergangene Woche erschienenen IGES-Gutachtens den Gesetzentwurf bewertet.

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Zwar wollte die Kommission nicht explizit zur geplanten Apothekenreform Stellung beziehen. „Was das Verbot von Preisnachlässen anbelangt, so finden noch konstruktive Gespräche zwischen der Kommission und Deutschland über die Vereinbarkeit eines solchen Verbots mit dem Urteil des Gerichtshofs statt“, sagte ein Kommissionssprecher in Brüssel auf Anfrage.

Die EU-Kommission hoffe jedoch, dass die geplante Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland auch die Barrieren für Versandapotheken aus der EU beseitigt. „Die Einführung von elektronischen Rezepten hat das Potenzial, eine Verlagerung des Verbraucherverhaltens von der stationären Apotheke zum Online-Anbieter zu stimulieren, indem die für den Versand und die Bearbeitung von Rezepten notwendigen Wartezeiten entfallen“, sagte der Sprecher dem Handelsblatt. „Dies wird allen Apotheken zugutekommen und könnte ein wichtiger Aspekt für die Verbesserung des Marktzugangs für ausländische Online-Apotheken sein.“ Grundsätzlich sehe die EU-Kommission die Entwicklung von Online-Apotheken in Europa positiv. 



Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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6 Kommentare

MaxDorris

von Reinhard Rokitta am 17.09.2020 um 23:21 Uhr

Habs wieder vergessen: In welche EU-Länder dürfen die Holländer noch versenden - ausser nach D?

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AW: MaxDorris

von Heiko Barz am 18.09.2020 um 11:05 Uhr

Es ist erstaunlich und paradox, dass in 21 EU-Ländern ein autonomes und justitiables RXVV seit Jahren von der „EU-Gerichtsbarkeit“ unangreifbar existiert. Aus diesen Ländern sitzen in den Ausschüssen der EU Kommissionen Vertreter mit anscheinend ausschließlich ihren Interessen.
Und die können sich nicht stark machen für die Bedingungen, die sie selbst für sich in Anspruch nehmen?
Wie intrigant sind denn diese EU-Staaten?
Ich sage es sehr ungern, aber ohne Uns ( Deutschland ) gäbe es schon lange keine EU mehr. Nur das Geld hält dieses sehr fragile politische System noch zusammen. Und, wer zahlt dabei am meisten? Ja, ja, wir profitieren dabei überdurchschnittlich!?
Wer glaubt das denn noch?

AW: MaxDorris

von Anita Peter am 18.09.2020 um 11:50 Uhr

"Die EU funktioniert nur solange wie Deutschland zahlt" O-Ton Margarete Thatcher. Ich glaube seitdem hat sich nichts geändert, ganz im Gegenteil....

Deutschland möchte unbedingt in den Vereinigten Staaten von Europa aufgehen. Woher diese suizidalen Gedanken in der Politik kommen, weiss ich nicht.

Fassungslos

von Reinhard Rodiger am 17.09.2020 um 20:48 Uhr

Die EU-Kommission will also den Mittelstand abschaffen.Denn dies geschieht, wenn kapitalgesteuerten Oligopolen der Weg bereitet wird.
Klarer war noch keine Ouvertüre zum Abgesang dessen, was üblicherweise als lebensfähig eingestuft wird.Verantwortungslos.

Ich bin fassungslos, dass dieser skandalöse Vorgang so glatt durchläuft.Es scheint niemand zu merken.

Offensichtlich sind destruktive Interessen im Spiel.
Kurzfristiger Gewinn gegen langfristige menschengemässe Versorgung.Alles gut ???

Ein Armutszeugnis auch für die, deren Aufgabe es ist, dies zu verhindern und die europäische Idee nicht ad absurdum zu führen.

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von Anita Peter am 17.09.2020 um 13:18 Uhr

„Die Einführung von elektronischen Rezepten hat das Potenzial, eine Verlagerung des Verbraucherverhaltens von der stationären Apotheke zum Online-Anbieter zu stimulieren"

Also da habt ihr die Ziele der EU schwarz auf weiss. Vernichtung der deutschen Vor Ort Apotheken zu Gunsten der ausländischen Versender.

Und ein deutscher Minister macht da mit. Auf welchem Selbstzerstörungstrip befindet sich Deutschand eigentlich?

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AW: EU

von Scarabäus am 17.09.2020 um 20:30 Uhr

Dass diese EU leider zum Lobbyverein des Großkapitals mutiert, ist sicher nichts Neues. Neu hingegen ist, dass EU-Versendern die trojanischen Tore geöffnet werden, während man sich gleichzeitig den behördlichen Kontrollen mit Hinweis auf national(staatlich)e (Nicht)Zuständigkeiten entzieht. Hier zeigt sich die Heuchelei par excellence!

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