Mega-Fusion im Pharmagroßhandel

EU-Kommission genehmigt Gehe-Alliance-Zusammenschluss

Stuttgart - 18.08.2020, 17:50 Uhr

Die EU-Kommission genehmigt den Zusammenschluss der beiden Pharmagroßhändler Alliance Healthcare und Gehe. (m / Foto: imago images / imagebroker)

Die EU-Kommission genehmigt den Zusammenschluss der beiden Pharmagroßhändler Alliance Healthcare und Gehe. (m / Foto: imago images / imagebroker)


Der geplante Zusammenschluss der beiden Pharmagroßhändler Gehe und Alliance Healthcare Deutschland (AHD) hat eine wichtige Hürde genommen: Die Europäische Kommission hat der Fusion zugestimmt – ohne Auflagen. Die Genehmigung des deutschen Bundeskartellamtes steht aber noch aus.

Am 12. Dezember 2019 war bekannt geworden, dass die beiden internationalen Pharmahandelskonzerne McKesson Europe und Walgreens Boots Alliance (WBA) einen neuen Riesen auf dem deutschen Pharmagroßhandelsmarkt schaffen wollen, indem sie ihre deutschen Töchter Gehe Pharma Handel (McKesson) und Alliance Healthcare Deutschland (WBA) fusionieren. Dieser Zusammenschluss wurde nun durch die europäische Wettbewerbsbehörde ohne Auflagen genehmigt. Allerdings stehe die Zustimmung der nationalen Kartellbehörden aus Deutschland und Österreich derzeit noch aus, wie die beiden beteiligten Unternehmen am heutigen Dienstag wortgleich mitteilten. Vor Mitte September sei nicht mit einer Stellungnahme der nationalen Behörden zu rechnen, so eine AHD-Sprecherin.

Das gemeinsame Unternehmen soll zu 70 Prozent von WBA und zu 30 Prozent von McKesson gehalten werden. Es wird laut Branchenexperten ungefähr 30 Prozent Marktanteil im deutschen Pharmagroßhandel haben. Was das für die deutschen Apotheken – und die Mitarbeiter von AHD und Gehe – bedeutet, ist dabei noch nicht ganz klar, doch der Zusammenschluss böte durchaus Einsparmöglichkeiten: Schon nach dem Bekanntwerden der Fusionspläne im Dezember war unter anderem über Reduzierungen von Liefer-Touren und Schließungen von Lagern und Verteilzentren spekuliert worden.

Große Marktumwälzungen

Jens Graefe, Geschäftsführer des Großhändlers AEP und langjähriger Kenner der deutschen Großhandelsszene, sagte gar eine Schließung von mehr als der Hälfte der Standorte voraus. Und auch die genossenschaftliche Noweda prognostizierte „aufgrund der Umwälzungen nun unruhige Zeiten“ für viele Apotheken. Denn mit der Fusion „nehmen ausländische Kapitalgesellschaften massiven Einfluss auf die Entwicklungen im deutschen Gesundheitssektor. Wohin diese Reise geht, ist derzeit noch völlig unklar.“

Wie Gehe und Alliance Healthcare entstanden

Die Gehe wurde 1835 in Dresden gegründet, heute beliefert sie nach eigenen Angaben aus 18 Standorten rund 6.500 Apotheken in ganz Deutschland. 2013 kaufte der US-amerikanische Pharmahändler McKesson die Gehe-Mutter Celesio AG. Die Gehe-Kooperation „gesund leben“ hat rund 2.100 Mitglieder und bezeichnet sich selbst als „stärkste Apothekenkooperation Deutschlands“.

Alliance Healthcare Deutschland (AHD) ging 2013 aus dem Traditionsunternehmen ANZAG hervor, nachdem dieses vom britischen Gesundheitskonzern Alliance Boots (heute Walgreens Boots Alliance, WBA) übernommen worden war. AHD betreibt aktuell 24 Standorte in Deutschland, die WBA-Apothekenkooperation Alphega hat in Deutschland rund 1.950 Mitglieder, insgesamt sind in zehn europäischen Ländern rund 8.600 selbstständige Apotheken Mitglied bei Alphega. 


Dr. Benjamin Wessinger (wes)
redaktion@daz.online


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