Folgen der Coronavirus-Pandemie (Teil 2)

COVID-19: Spätfolgen an der Lunge?

Stuttgart - 04.08.2020, 16:45 Uhr

Könnten sekundär durch COVID-19 auch neue Krankheitsbilder entstehen? (x / Foto: Halfpoint / stock.adobe.com)

Könnten sekundär durch COVID-19 auch neue Krankheitsbilder entstehen? (x / Foto: Halfpoint / stock.adobe.com)


Die möglichen Spätfolgen einer COVID-19-Infektion rücken immer mehr in den öffentlichen Fokus. Zuletzt hat die Forschung neue Erkenntnisse zu den Auswirkungen von SARS-CoV-2 am Herzen gewonnen. Währenddessen sind bleibende Lungenschäden schon seit Beginn der Pandemie Teil der öffentlichen Diskussion über das Risiko, das von dem neuen Coronavirus ausgeht.

Das Nachrichtenportal „Science“ hat sich Ende Juli mit den möglichen Spätfolgen von COVID-19 beschäftigt: „Die Liste der COVID-19-Folgen ist länger und vielfältiger, als sich die meisten Ärzte hätten vorstellen können. Zu den andauernden Problemen gehören Fatigue, Herzrasen, Kurzatmigkeit, schmerzende Gelenke, nebliges Denken, anhaltender Verlust des Geruchssinns und Schäden an Herz, Lunge, Nieren und Gehirn“, ist dort zu lesen. In dem Artikel wird deutlich, dass mögliche Spätfolgen durch eine SARS-CoV-2-Infektion keine Überraschung sind, sondern so schon bei einigen anderen Viruserkrankungen beobachtet wurden. Außerdem wird deutlich, dass Wissenschaftler in der Forschung zu den Spätfolgen zwar noch ganz am Anfang stehen, die Menschen aber dazu bewegen wollen, das Virus nicht zu unterschätzen.

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Was der Artikel aber auch nahelegt – die befürchteten Spätfolgen an der Lunge könnten milder sein, als auf Basis bisheriger Coronaviren (SARS und MERS) bislang vermutet: „Eine Studie über Beschäftigte im Gesundheitswesen mit SARS aus dem Jahr 2003 ergab, dass diejenigen, die ein Jahr nach der Infektion Lungenläsionen hatten, diese auch nach 15 Jahren noch hatten.“ Dass man von COVID-19 ebenfalls eine Menge Langzeitschäden erwarte – Narbenbildung, verminderte Lungenfunktion, verminderte körperliche Belastbarkeit –, sagte zwar auch Ali Gholamrezanezhad, ein Radiologe an der „Keck School of Medicine“ an der Universität von Südkalifornien, gegenüber „Science“ – er hat demnach Mitte Januar damit begonnen, Lungenscans von COVID-19-Patienten in Asien zu untersuchen. Allerdings: Hunderte von Scans später, kam er nun offenbar zu dem Schluss, dass COVID-19 die Lunge weniger konsequent und aggressiv verwüstet als damals SARS, als etwa 20 Prozent der Patienten dauerhafte Lungenschäden erlitten. „COVID-19 ist im Allgemeinen eine mildere Krankheit“, sagte er Science.

Lungenärzte wütend

Noch wenige Tage zuvor meldete die Deutsche Presse-Agentur (dpa), dass die Verharmlosung der Corona-Pandemie Lungenärzte wütend mache. Torsten Blum ist Oberarzt in der Berliner Lungenklinik Heckeshorn im Helios Klinikum Emil von Behring. Ende Juni und Anfang Juli betreuten Mediziner dort in der Ambulanz zahlreiche Patienten mit anhaltender Luftnot. Der einzige gemeinsame Nenner laut dpa: Überstandene COVID-19-Erkrankungen, die nicht schwer verlaufen waren. Die entscheidende Frage für Blum laute nun: Sind das Lungenschäden, die noch abheilen – oder bleiben sie? Wie viele Kollegen warnt auch er ein gutes halbes Jahr nach den ersten COVID-19-Fällen in China vor einer Verharmlosung der Pandemie: „Wir rechnen mit einer zweiten Welle im Herbst.“ Und immer noch habe kein Mediziner diese Krankheit wirklich vollständig verstanden.



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