Konzept scheint zu funktionieren

Parkinson-Impfstoff erstmals in Phase-I-Studie untersucht

Stuttgart - 30.07.2020, 07:00 Uhr

Forscher der AFFiRiS AG mit Sitz in Österreich konnten, unterstützt von der Michael J. Fox-Stiftung, zeigen, dass es ein vielversprechender Ansatz ist, speziell α-Synuclein mit einem Antikörper-basierten Ansatz anzuvisieren. (s / Foto: Satjawat / stock.adobe.com) 

Forscher der AFFiRiS AG mit Sitz in Österreich konnten, unterstützt von der Michael J. Fox-Stiftung, zeigen, dass es ein vielversprechender Ansatz ist, speziell α-Synuclein mit einem Antikörper-basierten Ansatz anzuvisieren. (s / Foto: Satjawat / stock.adobe.com) 


Impfen gegen Parkinson? Wie soll das funktionieren? Ein aufstrebendes Biotech-Unternehmen aus Österreich ist der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Morbus Parkinson ein großes Stück nähergekommen. 

Lange schon wird nach neuen Therapien im Kampf gegen Morbus Parkinson gesucht. Seit ein paar Jahren wird in mehreren Ländern an einem Impfstoff gegen die tückische Schüttellähmung geforscht. Ein spannender Wettlauf, denn wer den ersten Vorstoß macht, revolutioniert nicht nur die Therapie von Parkinson, sondern auch unser Verständnis von dieser degenerativen ZNS-Krankheit. Aktuell hat Österreich die Nase vorn. Die Forschung auf diesem Gebiet entwächst ihren Kinderschuhen: Erste Tests im Menschen wurden nun erfolgreich durchgeführt. Das Konzept, gegen Morbus Parkinson zu impfen, scheint zu funktionieren.
 

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Aktuell fokussiert sich die Forschung auf das Protein α-Synuclein und versucht, mittels Antikörper-Infusionen sein Agglomerieren zu verhindern. In etlichen Studien wurde bereits die Sicherheit und Verträglichkeit verschiedener Antikörper gegen α-Synuclein getestet. So konnte nachgewiesen werden, dass dosisabhängig nach einer Antikörper-Infusion weniger ungebundenes α-Synuklein im Serum vorhanden war. Auch in Deutschland laufen einige Studien zur passiven Immuntherapie mittels monoklonaler Antikörper. 

Für eine aktive Immunisierung braucht es ein Antigen und eine ausreichend starke Immunantwort. Das gerade einmal aus acht Aminosäuren ­bestehende Antigen PD01 wird dafür an ein Trägerprotein, gewonnen aus der Schlitzschnecke (engl. Abkürzung KLH von Keyhole Limpet Hemocyanin), konjugiert und an Aluminiumhydroxid adsorbiert. Der Impfstoff PD01A ist darauf ausgerichtet, die Bildung spezifischer Antikörper gegen α-Synuclein-Aggregate zu induzieren. 

PD01A erstmals am Menschen getestet

Nun wurde PD01A erstmals am Menschen getestet. Und das mit Erfolg: Der Antikörper-Titer – also die Verdünnung, bei der noch eine positive Antigen-Antikörper-Reaktion feststellbar ist – stieg im Mittel durch PD01A in der Gruppe der 15-µg-Dosierung von 1 : 46 zu Beginn der Studie auf 1 : 3580 in Woche zwölf an, in der Gruppe der 75-µg-Dosierung von 1 : 76 auf 1 : 2462 in Woche zwölf. Die Titer fielen innerhalb von zwei Jahren wieder ab auf ihren Basiswert, konnten jedoch nach einer Auffrischimpfung in Woche 116 schnell reaktiviert werden und erreichten dann im Mittel einen Titer von bis zu 1 : 20.218. Die im Lancet of Neurology veröffentlichte einfach verblindete, kontrollierte, monozentrische Phase-I-Studie zielte darauf ab, die Sicherheit und Verträglichkeit der PD01A-Immunisierung in zwei verschiedenen Dosierungen (15 µg und 75 µg) bei Patienten mit Morbus Parkinson zu testen. 

Die Forscher der AFFiRiS AG mit Sitz in Österreich konnten, unterstützt von der Michael J. Fox-Stiftung, zeigen, dass es ein vielversprechender Ansatz ist, speziell α-Synuclein mit einem Antikörper-basierten Ansatz anzuvisieren. Weitere Studien und Untersuchungen müssen jetzt folgen und zeigen, wie aus diesen neuen Erkenntnissen in Zukunft ein Impfstoff für die breite Masse werden kann.


Apothekerin Dorothée Malonga Makosi, MPH
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

parkinson impfung

von Katharina Stangier am 05.08.2020 um 15:21 Uhr

kann der Impfstoff auch bei bestehender
MP Erkrankung zur Heilung verabreicht werden?

vielen Dank .. m.f.G. K. Stangier

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