Topische NSAR bei Arthrose

Diclofenac und Co. – besser Pflaster als Schmerzgel?

Stuttgart - 28.07.2020, 07:00 Uhr

Gerade ältere Patienten reiben ihre Gelenke bei Arthrose-Schmerz gerne ein. Doch könnten NSAR-Pflaster die einfachere und effektivere Lösung sein? (x / Quelle: ratiopharm | Voltaren)

Gerade ältere Patienten reiben ihre Gelenke bei Arthrose-Schmerz gerne ein. Doch könnten NSAR-Pflaster die einfachere und effektivere Lösung sein? (x / Quelle: ratiopharm | Voltaren)


Patienten mit Arthrose haben Schmerzen und suchen in der Apotheke häufig nach Hilfe. Aus der Werbung kennen sie die gängigen NSAR-haltigen Schmerzgele, von den Apothekenmitarbeitern möchten sie aber wissen, welches das beste ist. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hat sich nun mit der Wirksamkeit und Sicherheit topischer NSAR bei Arthrose auseinandergesetzt. Was hilft wann am besten?

Wer in der Apotheke zur Behandlung von Arthrose ein topisches NSAR (nicht steroidales Antirheumatikum) abgibt, der handelt in der Regel nach Leitlinie. So heißt es etwa in der aktuellen S2k-Leitlinie Gonarthrose: „Die topische Applikation von NSAR bei Kniearthrose sollte vor deren oralen Anwendung zur Analgesie und Funktionsverbesserung erwogen werden.“ Außerdem heißt es dort: 


In höherem Lebensalter (> 75 Jahre) sollten NSAR bevorzugt topisch eingesetzt werden (siehe Empfehlung ‚Gastrointestinale Wirkung’).“

S2k-Leitlinie Gonarthrose


Als topische phytotherapeutische Alternative könne außerdem bei Kniearthrose Beinwellextrakt-Gel angewendet werden. 

Doch wie wirksam und sicher sind die topischen NSAR im Vergleich zur oralen Einnahme und wie unterscheiden sie sich untereinander? Dass diese Frage nicht so leicht zu beantworten ist, dürfte vor allem daran liegen, dass viele der zum Thema veröffentlichten Studien von der Industrie gesponsert wurden – das geht aus einer aktuellen Veröffentlichung der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) zum Thema hervor. Dennoch kommt der Autor des Übersichtsartikels, der Pharmazeut Professor Jürgen Steinmeyer, zu einem praktischen Fazit für den Beratungsalltag: Topisch applizierte NSAR vermindern grundsätzlich den Schmerz und verbessern die Funktion bei Patienten mit einer Arthrose oberflächennaher Gelenke wie Knie- oder Handgelenke.

Schon ein im Jahr 2017 publizierter Cochrane-Review habe für einige topisch applizierbare Diclofenac- und Ketoprofen-haltige Präparate eine gute Evidenz für eine analgetische Wirkung gezeigt – allerdings bei akuten Schmerzen infolge von Verstauchungen und Verspannungen. Die Wirksamkeit bei Hand- und Kniearthrose sei damals noch begrenzt gewesen.

Eine kürzlich publizierte Netzwerk-Metaanalyse (NMA) von topisch applizierten NSAR hat nun insgesamt zwölf topische NSAR-Präparate einschließlich Ibuprofen, Diclofenac-Pflaster, -Gel und -Lösung, Ketoprofen, Eltenac, Nimesulid, Indomethacin, Etoricoxb, Piroxicam, Salicylate und Placebo bei Arthrosepatienten untersucht. Und dabei scheint es Unterschiede zwischen den verfügbaren topischen Präparaten und Darreichungsformen zu geben.



Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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