DocMorris-Mutter kauft Telemedizin-Anbieter

Ullmann (FDP): Kein politischer Handlungsbedarf bei TeleClinic und Zur Rose

Berlin - 22.07.2020, 11:45 Uhr

Die Übernahme des Telemedizin-Anbieters TeleClinic durch den DocMorris-Mutterkonzern Zur Rose will der FDP-Gesundheitsexperte Ullmann „politisch beobachten“. (m / Foto: imago images / Christian Spicker)

Die Übernahme des Telemedizin-Anbieters TeleClinic durch den DocMorris-Mutterkonzern Zur Rose will der FDP-Gesundheitsexperte Ullmann „politisch beobachten“. (m / Foto: imago images / Christian Spicker)


Was unter den Apothekern für Aufsehen sorgt, lässt Teile der Politik offenbar kalt: Der FDP-Bundestagsabgeordnete Professor Andrew Ullmann sieht derzeit „keinen politischen Handlungsbedarf“. Und das BMG verweist auf Anfrage lediglich auf das erweiterte Makelverbot. Sylvia Gabelmann (Linke) dagegen drängt darauf, eine mögliche „konzerninterne Korruption“ wirksam zu verhindern.

Für die Apotheker startete der vergangene Freitag nicht gut. Die Meldung des Tages: Zur Rose, der Mutterkonzern des niederländischen Versandhändlers DocMorris, verleibt sich den Telemedizin-Anbieter TeleClinic ein und bricht mit der im deutschen Gesundheitswesen festgeschriebenen Trennung zwischen Arzt und Apotheker.

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DAZ.online wollte wissen, wie diese Meldung im politischen Berlin aufgenommen wurde. Auf Nachfrage schreibt der FDP-Bundestagsabgeordnete und Mediziner Andrew Ullmann, die Aufgabenteilung zwischen Apotheke und Arzt müsse beibehalten werden. „Das gilt auch in diesem Fall, wo die beiden Anbieter zum selben Mutterkonzern gehören.“ Eine automatische Weiterreichung von Rezepten dürfe es nicht geben. „Wir werden die Auswirkungen der Übernahme politisch beobachten und sehen, ob sich daraus Handlungsbedarf ergibt. Wenn jedoch die strikte Abgrenzung zwischen beiden Schwester-Unternehmen eingehalten wird, sie sich somit nicht von den anderen Wettbewerbsteilnehmern unterscheiden, sehe ich bei der Übernahme zunächst keinen politischen Handlungsbedarf.“

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) fasst sich kurz. Die freie Apothekenwahl müsse gewährleistet bleiben, heißt es aus dem Hause Spahn. Diese sieht das Ministerium durch den Zusammenschluss jedoch offenbar nicht gefährdet – immerhin hat der Gesetzgeber erst kürzlich das Patientendaten-Schutzgesetz verabschiedet, das im parlamentarischen Verfahren um ein Makelverbot für Dritte ergänzt wurde. Wörtlich erklärt eine BMG-Sprecherin: „Im Rahmen der Gesetzgebung zur Einführung des E-Rezepts sind weitere Maßnahmen vorgesehen, die eine Zuweisung und ein Makeln von Verschreibungen und eine Beeinflussung der Patientinnen und Patienten zur Inanspruchnahme einer bestimmten Apotheke verhindern sollen.“

Erst entmenschte Pharmazie, jetzt entmenschte Medizin

Lediglich die Apothekerin und Linken-Abgeordnete Sylvia Gabelmann hat ein Problem mit der Verschmelzung der beiden Unternehmen. „Es ist wenig verwunderlich, dass der Mutterkonzern von DocMorris nach der entmenschten Pharmazie nun auch die entmenschte Medizin als Geschäftsfeld entdeckt“, schreibt sie an DAZ.online. Es bestehe so die Möglichkeit, dass sich der Arbeitgeber von Internet-Ärzten den hauseigenen Internetapotheken die Verordnungen zuschanze. „Das widerspricht allem, was das vor vier Jahren in Kraft getretene Anti-Korruptionsgesetz erreichen sollte“, betont Gabelmann. „Ich erwarte, dass die zuständige Aufsichtsbehörde und auch das Bundesgesundheitsministerium Konzepte vorlegen, wie die konzerninterne Korruption wirksam ausgeschlossen werden soll. Letztlich dürfte hier aber nur eine Gesetzesänderung helfen, diese offensichtliche Lücke zu schließen. Es wäre nur fair, dies den Konzern Zur Rose frühzeitig durch eine öffentliche Verlautbarung wissen zu lassen.“


Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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7 Kommentare

Kann oder will er nicht

von ratatosk am 22.07.2020 um 18:28 Uhr

Die einzige Frage hier ist doch, kann er es intelektuell nicht erkennen, oder will er es aus nur ihm bekannten Gründen nicht sehen !
Die komplexen Folgen sind hier wohl für den Herrn zu komplex, er ist doch recht einfach strukturiert, wenn man tatsächlich so argumentiert, aber immerhin hat es wenigstens noch für die Politik und deren Töpfchen gereicht.

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Korruption? Ach woher...

von Thomas Eper am 22.07.2020 um 13:30 Uhr

Ist eigentlich der ehemalige Büroleiter von Daniel Bahr (FDP) noch bei DocMorris?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Bingo!

von Thomas Eper am 22.07.2020 um 13:36 Uhr

A also, da haben wir es:
Jörg Berens (FDP), Social Media Manager bei DocMorris!

Noch Fragen?



Keine freie Apothekerwahl

von Kritiker am 22.07.2020 um 12:41 Uhr

Da apotheken.de die Kooperation unverzüglich eingestellt hat, ist doch schon jetzt die freie Apothekerwahl nicht mehr gewährleistet. Stand heute kann man doch nur einen einzigen deutschen Versender nutzen, der wohl in Zukunft durch DocMorris ersetzt wird.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Wer soll...

von Beobachter am 22.07.2020 um 12:16 Uhr

...denn das Makeln verhindern? Wer verhindert denn die Boni? Leute, das findet nicht in Deutschland statt - noch nicht mal in der EU. Kapiert?
RXVV - jetzt!

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Teleclinic und Zur Rose

von Roland Mückschel am 22.07.2020 um 11:56 Uhr

Was sind wir doch für Dummchen.
Immer diese Bedenken.
Gänzlich unbegründet.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

.

von Anita Peter am 22.07.2020 um 11:47 Uhr

Wie groß müssen die Tomaten auf den Augen sein, um nicht zu erkennen, was hier gespielt wird?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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