AMR Action Fund

Pharmaunternehmen investieren 1 Milliarde Dollar in die Antibiotikaforschung

Stuttgart - 20.07.2020, 17:00 Uhr

Das Ziel ist sportlich: Bis 2030 sollen mindestens zwei neue Antibiotika gegen multiresistente Keime entwickelt werden.(c / Foto: analysis121980 / stock.adobe.com)

Das Ziel ist sportlich: Bis 2030 sollen mindestens zwei neue Antibiotika gegen multiresistente Keime entwickelt werden.(c / Foto: analysis121980 / stock.adobe.com)


Mit fast 1 Milliarde Dollar wollen zwei Dutzend der führenden Pharmaunternehmen die Antibiotikaforschung ankurbeln. Der Internationale Pharmaverband IFPMA gab am 
9. Juli 2020 die Gründung des AMR Action Fund bekannt. Mit dem Investitionsprogramm sollen bis 2030 zwei bis vier neue Antibiotika gegen multiresistente Keime zur Markteinführung gebracht werden.

Jedes Jahr sterben weltweit circa 700.000 Menschen an Infektionen mit arzneimittelresistenten Erregern. Gegen eine immer größere Zahl von Bakterien verlieren vorhandene Antibiotika ihre Wirksamkeit. Resistenzentwicklungen werden beispielsweise durch die unsachgemäße Anwendung beim Menschen und durch den breiten Einsatz in der Massentierhaltung begünstigt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte davor, dass sich die Situation mit der COVID-19-Pandemie verschlimmern würde. Zahlreiche COVID-19-Patienten würden vorsorglich mit Antibiotika behandelt, um bakterielle Superinfektionen zu verhindern. 

Viele große Pharmakonzerne zogen sich in den vergangenen Jahrzehnten aus der Antibiotikaforschung zurück. Wenn neue, wirksame Antibiotika zugelassen werden, kommen diese nur im Notfall als Reserveantibiotika zum Einsatz. Laut Verband forschender Pharmaunternehmen (vfa) lässt sich die aufwändige und kostspielige Wirkstoffentwicklung auf diese Weise kaum refinanzieren. Der Markt müsse so beeinflusst werden, dass die Entwicklung der dringend benötigten Arzneimittel aufrechterhalten wird.

Die circa 1 Milliarde Dollar des AMR Action Funds sollen in kleine Antibiotika-entwickelnde Unternehmen fließen, die schon neue Substanzen in der Pipeline haben, aber nicht das Geld, um mit großen klinischen Studien die Markteinführung zu bewirken. In welche Unternehmen investiert wird, soll nicht durch einzelne Investoren gelenkt werden. Vielmehr werden die Entscheidungen mit Hilfe der Liste priorisierter bakterieller Erreger der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und nach Einschätzungen von Institutionen des öffentlichen Gesundheitswesens getroffen.

Die WHO freut sich über die Zusammenarbeit mit dem AMR Action Fund. „Antimikrobielle Resistenz ist ein langsamer Tsunami, der den medizinischen Fortschritt eines Jahrhunderts rückgängig zu machen droht“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), bei der Auftaktveranstaltung am 9. Juli in Berlin. Seit 2018 arbeitet die WHO gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) an der Umsetzung eines solchen Fonds. Nach zahlreichen Diskussionen habe sie nun die Zusammenarbeit vieler pharmazeutischer Hersteller und der EIB ermöglicht.

Der Fonds wird Ende 2020 abrufbar sein. Er soll nicht zur Lösung des Problems, sondern lediglich zur Überbrückung dienen. Parallel dazu investieren die Pharmaunternehmen in Lobbyarbeit, um bei Regierungen Marktreformen und Forschungsförderungen bewirken zu können. Aktuell unterstützen 24 Unternehmen den Fonds, unter anderem GlaxoSmithKline, Johnson & Johnson, Novartis, Roche, Teva und Pfizer.


Marius Penzel, Apotheker und Volontär
redaktion@daz.online


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