Arzneimittel und Nahrungsergänzung

Omega-3-Fettsäuren: überflüssig und wenig geeignet – findet Stiftung Warentest

Stuttgart - 29.06.2020, 10:30 Uhr

Stiftung Warentest findet: Wer sich gesund ernährt braucht keine Omega-3-Fettsäuren aus Nahrungsergänzungsmitteln. (Foto: anaumenko / adobe.stock.com)

Stiftung Warentest findet: Wer sich gesund ernährt braucht keine Omega-3-Fettsäuren aus Nahrungsergänzungsmitteln. (Foto: anaumenko / adobe.stock.com)


Finger weg von Omega-3-Kapseln? Schützen die Fettsäuren das Herz oder eher den Hersteller? Die Forschung in diesem Gebiet blüht, ebenso die Industrie hinter den Fisch- oder Pflanzenölkapseln. Die Datenlage ist schwer zu sichten. Auch Stiftung Warentest hat sich mit Omega-3-Fettsäure-Kapseln beschäftigt – aus Algen, mit Fischöl oder pflanzlich mit Leinöl, als Nahrungsergänzungs- und Arzneimittel. Was kam raus?

Wer regelmäßig Fisch isst, könnte etwas Gutes für sein Herz tun. Erste Beobachtungen – unter anderem von Völkern in Grönland (Inuit), die sich naturgemäß von fettem Fisch oder Robben ernähren –, zeigten in den 70er Jahren, dass die Inuit geringere Blutfette (unter anderem Triglyceride und Prä-Beta-Lipoprotein) hatten als ein dänisches Vergleichskollektiv. Die Ergebnisse der Studie wurden damals hochrangig im Lancet veröffentlicht (Plasmalipid and Lipoprotein Pattern in Greenlandic West-Coast Eskimos), ihnen zufolge litten die Inuit seltener an Erkrankungen der Herzkranzgefäße oder Diabetes – was man auf ihre Ernährung, wie Fisch, Wal, Robbe, zurückführte.

Omega-3-Fettsäuren in Fisch, Algen und Pflanzenölen

Denn: Verantwortlich für den schützenden Effekt auf das Herz-Kreislauf-System sollen bestimmte Fettsäuren, die Omega-3-Fettsäuren, sein, die man tatsächlich vor allem in fetten Seefischen – wie Lachs, Sardellen, Sardine, Hering und Makrele – und Algen findet. Fisch und Algen enthalten als Omega-3-Fettsäuren vorwiegend Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA). Doch auch Pflanzen sind Lieferanten für Omega-3-Fettsäuren, hier findet man fast ausschließlich Linolensäure, so beispielsweise in Leinöl, Chiaöl, Hanf- oder Walnussöl.

Essenzielle Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren sind für Menschen essenziell, das bedeutet: Der Körper kann sie nicht selbst herstellen, sondern muss sie mit der Nahrung aufnehmen. Funktioniert das auch und entfalten die Omega-3-Fettsäuren ihre vermeintlich schützende Wirkung auch, wenn man sie einfach in Kapseln steckt und sie ganz praktisch ohne besonders auf ausgewogene und gesunde Ernährung zu achten, auf diese Art zu sich nimmt? Eine weitere Frage: Liegt denn die vermutete positive Wirkung auf das Herz wirklich (nur) an diesen Fettsäuren?



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Omega 3 zur Unterstützung der Hirnfunktion

von S.M. am 23.07.2020 um 18:59 Uhr

Siehe SpringerLink -> "Verwirrung um die Wirkung von Omega-3 Fettsäuren" -> "Cochrane-Metaanalysen und Regulierungsbehörden vs. Leitlinien" -> "Gehirn"

"Epidemiologisch gehen höhere Spiegel von EPA+DHA in Erythrozyten in jedem bisher untersuchten Alter mit besseren komplexen Hirnleistungen wie exekutiver Funktion, Aspekten des Erinnerungsvermögens, Reaktionszeit und ähnlichen Parametern einher; in Interventionsstudien wurden die genannten Parameter durch EPA+DHA gebessert. Ein „altersbedingter“ Verlust von Hirnsubstanz wurde durch eine Erhöhung des Omega-3-Index auf ein Drittel reduziert. Wenn gemessen, korrelierte die Verbesserung kognitiver Funktionen mit dem Anstieg der Omega-3-Fettsäuren in den Erythrozyten. Interventionsstudien mit einer täglichen Dosis >800 mg DHA zeigten konsistent positive Resultate hinsichtlich kognitiver Parameter, da diese Dosis ausreichend gewesen sein dürfte, die Spiegel von Placebo und Verum zu trennen."

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