Baden-Württembergische Eltern-Kind-Studie

Kinder seltener mit SARS-CoV-2 infiziert?

26.06.2020, 10:15 Uhr

Leere Klassenzimmer sollen bald der Vergangenheit angehören, auch in Baden-Württemberg. Wie belastbar die in Lockdown-Zeiten erhobenen Daten der baden-württembergischen Eltern-Kind-Studie sein werden, wird sich zeigen. (Foto: touristikfoto.com)

Leere Klassenzimmer sollen bald der Vergangenheit angehören, auch in Baden-Württemberg. Wie belastbar die in Lockdown-Zeiten erhobenen Daten der baden-württembergischen Eltern-Kind-Studie sein werden, wird sich zeigen. (Foto: touristikfoto.com)


Wer hat wen angesteckt? Das Kind die Eltern oder andersrum? Ob die baden-württembergische Eltern-Kind-Studie hier Licht ins Dunkel bringt, muss die Abschlussauswertung zeigen, doch es gibt bereits Daten dazu, ob Eltern oder Kinder mehr Antikörper bilden.

Die Teilnehmer der Eltern-Kind-Studie wurden nicht nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Man rekrutierte sie vielmehr aus einem Personenkreis, der sich zwischen dem 22. und 30. April auf einen Aufruf zur Teilnahme in lokalen Zeitungen und sozialen Netzwerken gemeldet hatte.

Die Untersuchungen und Tests fanden im Zeitraum 22. April bis 15. Mai 2020 an den vier Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm statt. Eingeschlossen wurden rund 2.500 Kinder im Alter von einem bis zehn Jahren sowie ein zugehöriges Elternteil, die im gleichen Haushalt leben und keine COVID-19-Symptome aufwiesen. Die Wissenschaftler werteten bei den Testpersonen jeweils einen Virustest nach Rachenabstrich und einen Bluttest auf SARS-CoV-2-Antikörper aus.

Fast alle Tests sind ausgewertet

Die vor etwa einer Woche vorgestellte Interimsanalyse basiert auf den Untersuchungsergebnissen von 4.932 Personen, 2.466 Kindern und 2.466 zugehörigen Elternteilen (1.855 Mütter, 611 Väter). Insgesamt umfasst die Studien­kohorte 5.042 Personen, die fehlenden Daten werden derzeit ausgewertet. Nach den vorläufigen Ergebnissen war im Untersuchungszeitraum von 22. April bis 15. Mai 2020 nur ein Eltern-Kind-Paar mit SARS-CoV-2 in­fiziert. Bei 64 Getesteten fand man Virus-Antikörper, das entspricht einer Häufigkeit von 1,3 Prozent. Statistisch hoch signifikant mehr Elternteile (45) als Kinder (19) hatten Antikörper gebildet. Kinder zwischen 6 und 10 Jahren (12 Fälle von 1.358) waren häufiger Antikörper-positiv als Kinder zwischen 1 und 5 Jahren (7 Fälle von 1.122).

Wer hat wen angesteckt?

Von den 19 seropositiven Kindern hatten 13 ein seropositives Elternteil. Dagegen hatten 32 seropositive Elternteile ein seronegatives Kind. In der Subgruppe der jüngeren Kinder lebten nur 15 seropositive Elternteile mit einem nicht infizierten Kind zusammen, drei seropositive Kinder dagegen mit einem seronegativen Elternteil. Bei den älteren Kindern im Alter zwischen sechs und zehn Jahren gab es 17 seropositive Eltern mit einem seronegativen Kind und drei seropositive Kinder mit seronegativen Elternteilen. Diskutiert wurden diese Zusammenhänge in der Vorabversion noch nicht, da noch einige wenige Datensätze in der Auswertung fehlen. Ob die Frage, wer wen angesteckt hat, überhaupt beantwortet werden kann, wird sich in der finalen Version der Studie zeigen.

Daten aus Lockdown-Zeiten

Die Datensammlung für die Eltern-Kind-Studie hatte in einer Zeit begonnen, als die Schulen bereits mehr als einen Monat lang geschlossen waren und in den Kitas nur eine Notbetreuung durchgeführt wurde. Dieser Fakt wurde in der Vorabversion der Studie ebenfalls nicht diskutiert. Die Landesregierung ließ verlauten, dass die Schulöffnung die Möglichkeit bietet, „den neuen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen bis zu den Sommerferien noch einen Monat lang genau zu beobachten und auch durch Tests zu begleiten. Die gewonnenen Erkenntnisse werden uns helfen, uns intensiv auf das neue Schul- und Kindergartenjahr ab September vorzubereiten.“


Dr. Claudia Bruhn, Apothekerin / Autorin DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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