Zytokinsturm bei COVID-19

Marburger Hochschulmedizin macht gute Erfahrungen mit Ruxolitinib

Remagen - 24.06.2020, 11:30 Uhr

Novartis selbst untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit seines JAK-Inhibitors Ruxolitinib in einer multizentrischen, doppelblinden, randomisierten Placebo-kontrollierten Phase III-Studie bei Patienten mit COVID-19-assoziiertem Zytokinsturm. (Foto: Juan Gärtner / stock.adobe.com)

Novartis selbst untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit seines JAK-Inhibitors Ruxolitinib in einer multizentrischen, doppelblinden, randomisierten Placebo-kontrollierten Phase III-Studie bei Patienten mit COVID-19-assoziiertem Zytokinsturm. (Foto: Juan Gärtner / stock.adobe.com)


Die Überreaktion des körpereigenen Immunsystems in Form eines Zytokinsturms ist eine gefürchtete Komplikation bei schweren Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus. Sie führt im schlimmsten Fall zum multiplen Organversagen. Als Gegenmittel werden verschiedene Immunmodulatoren klinisch getestet. Mediziner aus Marburg berichten über gute Erfahrungen mit dem JAK-Inhibitor Ruxolitinib.

Ein Team der Marburger Hochschulmedizin hat das Krebsmedikament Ruxolitinib erstmals erfolgreich zur Heilung einer Patientin eingesetzt, die nach Infektion mit SARS-CoV-2 an akutem Lungenversagen (ARDS) litt. In der Fachzeitschrift „Leukemia“ berichten der Onkologe Andreas Neubauer und seine Kollegen über ihren Behandlungserfolg. Die Patientin, eine 65-jährige Frau ohne Vorerkrankungen, war wegen fortschreitender Atemnot und Fieber eingeliefert worden. Ihre Atemnot verschlimmerte sich rapide, so dass sie schon kurz darauf intubiert werden musste, um künstlich beatmet zu werden. Ein molekulargenetischer Standardtest bestätigte eine Infektion mit SARS-CoV-2. Aufgrund weiterer Organschädigungen schätzten die behandelnden Ärzte die Gesamtprognose der Patientin als sehr schlecht ein. 

Erfolge auch bei anderen Patienten

Neubauer vermutete, dass die Betroffene eventuell auf den Januskinase-Inhibitor Ruxolitinib (Jakavi®) von Novartis ansprechen könnte. Das Krebsmittel hemmt Enzyme der Signalkaskade, die für die überschießenden Entzündungsreaktionen bei schweren COVID-19-Fällen mitverantwortlich sind. Tatsächlich besserte sich der Zustand der Marburger Patientin. Das Behandlungsteam beobachtete eine klinische Stabilisierung sowie eine rasche Verbesserung von Atmung und Herzfunktion. Thomas Wiesmann, der die Patientin gemeinsam mit dem Team der Intensivstation in der Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie des Universitätsklinikums betreute, bezeichnet den Verlauf im Vergleich zu dem anderer Betroffener als „bemerkenswert“. Auch die Virusvermehrung sei während der Verabreichung des Krebsmedikaments herabgesetzt gewesen. 

Das Marburger Team setzte den JAK-Inhibitor auch noch bei mehreren anderen Patienten mit schweren Krankheitsverläufen ein. „Bei allen, denen das Mittel länger als eine Woche verabreicht worden ist, ist es am Ende gut geworden“, erklärt Neubauer.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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