Gematik-Leitfaden

E-Medikationsplan: Viele Befugnisse, aber kein Geld für Apotheker?

Berlin - 22.06.2020, 07:00 Uhr

Wenn der Medikationsplan digital wird, sollen die Apotheker eingebunden werden. Nur ein Honorar ist bisher nicht gesetzlich festgelegt. (Foto: stock.adobe.com / Syda Productions)

Wenn der Medikationsplan digital wird, sollen die Apotheker eingebunden werden. Nur ein Honorar ist bisher nicht gesetzlich festgelegt. (Foto: stock.adobe.com / Syda Productions)


Die Apotheker sollen beim E-Medikationsplan eine tragende Rolle spielen. Das geht aus einem Leitfaden hervor, den die Gematik kürzlich veröffentlich hat. Was das Honorar für die umfassenden Leistungen betrifft, sind jedoch noch viele Fragen offen.

Die gute Nachricht vorweg: Die Apotheker erhalten umfangreiche Befugnisse, wenn der elektronische Medikationsplan kommt. Ihre Aufgaben beschreibt die Gematik ausführlich auf insgesamt 50 Seiten in einem kürzlich vorgelegten Leitfaden.

Demnach soll das pharmazeutische Personal den E-Medikationsplan nicht nur aktualisieren, sondern auf Wunsch des Patienten auch erstellen dürfen. Das ist beim Papierplan bisher nicht der Fall. Im E-Health-Gesetz des damaligen Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe (CDU) war dies den Ärzten vorbehalten – gegen ein entsprechendes Honorar. Die Apotheker schauten in die Röhre: Sie durften den Bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP) lediglich ergänzen. Eine Vergütung hatte Gröhe dafür nicht eingepreist.

Was die Beteiligung betrifft, kommen die Apotheker dem Leitfaden nach zu urteilen diesmal besser weg. „Der BMP und der E-Medikationsplan werden künftig beide zur Verfügung gestellt“, schreibt die Gematik. „Ärzte, Zahnärzte und Apotheker erstellen und aktualisieren den E-Medikationsplan. Dieser ist Datengrundlage für den BMP, der einen inhaltlichen Auszug aus dem E-Medikationsplan darstellt und vorrangig an den Versicherten gerichtet ist.“ Bei der Vielzahl an Informationen, die der E-Medikationsplan enthalten soll, klingt das nach viel Arbeit.

Der E-Medikationsplan enthält folgende Daten (aus dem Gematik-Leitfaden):

  • Angaben zum Patienten, z.B. Vorname, Nachname, Geburtsdatum
  • Angaben zur Medikation (Medikationsdaten): verordnete Arzneimittel selbst erworbene Arzneimittel (OTC) ggf. in der Vergangenheit eingenommene Arzneimittel
  • Medikationsrelevante Daten: Allergien und Unverträglichkeiten medizinische Individualparameter des Versicherten (z.B. Gewicht, Kreatininwert)
  • Hinweise und Informationen zum interprofessionellen Informationsaustausch (z.B. Hinweise zur gewählten Medikation): Kommentarfeld zum Medikationseintrag übergeordneter Kommentar zum gesamten Medikationsplan

Während der BMP vor allem der Information des Patienten dient, stellt der E-Medikationsplan den Leistungserbringern Daten bereit und unterstützt sie dadurch bezüglich der Arzneimitteltherapiesicherheit. Er wird zunächst auf der Gesundheitskarte des Versicherten gespeichert. Später soll der Patient die Möglichkeit erhalten, ihn auch in die elektronische Patientenakte zu integrieren.



Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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7 Kommentare

H.Barz

von Dr.Diefenbach am 23.06.2020 um 12:43 Uhr

STIMMT !!

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Es ist uneinsichtig, Geld für eine Leistung zu verlangenn.

von Heiko Barz am 22.06.2020 um 11:55 Uhr

Verehrte Kollegen, ich verstehe Ihren Unmut nicht. Es wurde von vornherein deutlich gemacht, dass für ALLE Zeit unsere derzeitigen und zukünftigen Leistungen mit der laut H2M : über die Maßen finanziell hoch- und überbewerteten Beratungsgebühr abgegolten sind. Nach diesem, bis heute von „unserer“ ABDA immer noch nicht widerlegten Gutachten, hätten wir Jahr um Jahr 1,2 Milliarden zu viel Geld erhalten.
Wenn nun die ABDA dem nicht widerspricht, obwohl Gegengutachten ( Bohn und Hüsken ) mit klaren Daten vorlagen, dann geben „unsere“ Vertreter eigentlich dem Katastrophalen H2M Gutachten recht.
Es tut mir nicht einmal Leid zu sagen, das ist eine Schande und eine berufspolitische Katastrophe von ungeahntem Ausmaß.
Ich bin mir sicher, dass unser Vorsitzender, wenn er dann im Spätherbst verabschiedet wird, mit hohem Lob für die 2 Amtsperioden und die vielen außergewöhnlichen persönlichen Leistungen für die Deutsche Apotheke geehrt wird.
Auf die Laudatio bin ich jetzt schon gespannt.
( Teile dieses Kommentars sind satirisch einzuordnen! )

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.

von Anita Peter am 22.06.2020 um 9:57 Uhr

"Viele Befugnisse, aber kein Geld für Apotheker?"

Im Westen nichts Neues.....

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Tragische Rolle

von Bernd Jas am 22.06.2020 um 9:34 Uhr

Auch Esel spielten schon seit je her eine tragende Rolle, mit dem Unterschied der extra Möhre nach getaner Arbeit, aber das Schulterklopfen war bezeichnender Weise schon immer das Gleiche.

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LOL

von Karl Friedrich Müller am 22.06.2020 um 9:00 Uhr

"Befugnisse" !
Sind wohl eher wieder Zwangsverpflichtungen ohne Entlohnung.
Man sollte die Dinge beim Namen nennen und nicht beschönigende Umschreibungen verwenden.

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Geld

von Sven Larisch am 22.06.2020 um 7:50 Uhr

Ganz einfach:
Kein Geld- keine Leistung.
verweis des Patienten an den Arzt mit dem Hinweis: Der bekommt es bezahlt. Ergänzung des Daten im OTC Bereich, falls gewünscht.
Aber wer die Leistung nicht aktiv anbietet wird ja auch nicht gefragt.
Ehrlich? Denkt denn niemand an die Bezahlung bevor wir wieder eine neue Verpflichtung bekommen? Und die Rx Beratung mit dem Zwangsrabatt der KK ist ja auch immer noch der Hammer. der sollte abgeschafft werden. Wieder mal keine Rechtssicherheit, mehr Fragen als Antworten.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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