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Wie funktionieren Selbstbräuner?

Stuttgart - 16.06.2020, 10:15 Uhr

Selbstbräuner bieten keinen Sonnenschutz! (Foto: imago images / ZUMA Press)

Selbstbräuner bieten keinen Sonnenschutz! (Foto: imago images / ZUMA Press)


Eine sofortige gleichmäßige Bräune, ohne sich dabei der Gefahr von Sonnenbrand oder Hautkrebs auszusetzen – solche Versprechen klingen sehr verlockend. Wie funktioniert die „Bräune aus der Tube“?

In den auf dem Markt befindlichen Selbstbräunern werden zwei Substanzen eingesetzt: Dihydroxyaceton (DHA) und Erythrulose. Diese Wirkstoffe haben einen charakteristischen Eigengeruch, der auch mit Parfum nur schwer zu überdecken ist. Sie verbinden sich unabhängig vom Sonnenlicht in der Hornschicht mit Keratin zu melanin-ähnlichen Farbstoffen und erzeugen die gewünschte Hauttönung. Die entstandenen Melanoide haben jedoch keinerlei UV-Filterfunktion – Selbstbräuner bieten daher keinen Sonnenschutz!

Dihydroxyaceton

Dihydroxyaceton (DHA) wird durch Oxidation aus Glycerol gewonnen und deshalb auch als Glyceron bezeichnet. DHA ist eine körpereigene Substanz und gilt daher als unbedenklich. Bei zu langer Lagerung kann das Molekül jedoch unter Bildung von Formaldehyd zerfallen. Formaldehyd wird als hautreizend und potentiell krebserregend eingestuft und darf deshalb seit 2019 in der EU in Kosmetika nicht mehr eingesetzt werden. Sollte das Produkt einen (durch Formaldehyd bedingten) stechenden Geruch entwickelt haben, darf es keinesfalls mehr angewendet werden. Aus demselben Grund müssen die auf der Produktverpackung angegebenen Haltbarkeits- und Aufbrauchfristen genau beachtet werden.

Dihydroxyaceton erzeugt einen bräunlich-gelben bis orange-farbenen Hautton. Es dauert nur wenige Stunden, bis der volle Farbeffekt ausgebildet ist. Die Bräunung färbt nicht ab und kann mit Wasser nicht abgewaschen werden. Sie verblasst mit der Zeit und ist nach ca. zwei Wochen komplett herausgewachsen.
Bei ca. 10 Prozent der Bevölkerung bleibt die gewünschte Hauttönung aus – der Grund für diese Resistenz ist noch nicht bekannt.

Erythrulose

Erythrulose ist ein in Pflanzen und Flechten vorkommendes Monosaccharid, das biotechnologisch gewonnen werden kann. Es hat eine höhere chemische Stabilität als DHA und gilt deshalb als besonders hautverträglich. Die durch Erythrulose erzeugte Bräune ist gleichmäßiger und natürlicher als die von DHA, tritt aber langsamer ein und ist weniger intensiv. Dies und die relativ hohen Herstellungskosten sind der Grund, weshalb Erythrulose deutlich seltener verwendet wird als Dihydroxyaceton.



Annette Thomas, Apothekerin, Dozentin, DAZ.online-Autorin
redaktion@daz.online


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