Apothekerkammer Hamburg

Honorarforderung an die Politik und Umzugspläne in Hamburg

Hamburg - 15.06.2020, 12:40 Uhr

Hamburgs Kammerpräsident Kai-Peter Siemsen hat sich aufgrund der Pandemielage in einem Video für die Kammermitglieder zur aktuellen politischen Lage geäußert. Außerdem bekommt die Apothekerkammer Hamburg eine neue Geschäftsstelle. ( r / Foto: tmb)

Hamburgs Kammerpräsident Kai-Peter Siemsen hat sich aufgrund der Pandemielage in einem Video für die Kammermitglieder zur aktuellen politischen Lage geäußert. Außerdem bekommt die Apothekerkammer Hamburg eine neue Geschäftsstelle. ( r / Foto: tmb)


Kai-Peter Siemsen, Präsident der Apothekerkammer Hamburg, fordert nach den Erfahrungen mit der Pandemie ein Umdenken in der Finanzierung systemrelevanter Berufe. Neben strukturellen Absicherungen sei es jetzt Zeit, den Apotheken und ihren Mitarbeitern die vorenthaltenen Honoraranpassungen der letzten 16 Jahre nachzuzahlen. Außerdem kündigte Siemsen den Umzug der Kammergeschäftsstelle an.

Die Kammerversammlung der Apothekerkammer Hamburg tagt am 22. Juni als Präsenzveranstaltung unter strengen Corona-Auflagen. Seinen Bericht präsentiert Kammerpräsident Kai-Peter Siemsen schon vorab am heutigen Montag als Video für die Kammermitglieder.

Siemsen: Apotheken schaffen Vertrauen

Siemsen geht darin auf die Einschnitte durch die Pandemie und auf das ungeahnte Maß an Solidarität ein. Er würdigt das große Engagement der Apotheken, die aus eigenem Antrieb und mit eigenen Mitteln fachkundig Schutzmaßnahmen organisiert hätten - und dies ohne jegliche Unterstützung durch politische oder behördliche Stellen. „Ihr Verhalten in den Apotheken schafft Vertrauen“, erklärt Siemsen und ergänzt: „Das kann nur die Apotheke vor Ort leisten. Denn nur Sie bleiben persönlich und nahbar für ihre Patienten, wo andere sich anonym hinter Pappkartons verstecken.“ Siemsen dankt den Kammermitgliedern für ihren kompetenten Einsatz. In der Krise zeige sich, welche Strukturen sich bewähren. Siemsen folgert: „Diese Krise zeigt, dass die Apotheke vor Ort mit ihrer freiberuflichen Struktur der Schlüssel zu einer krisenfesten, sicheren und beständigen Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln darstellt.“

Apotheken brauchen Honoraranpassung für 16 Jahre

Darum müsse das Bestehen der Apotheken gestärkt werden und ihre Leistungen müssten angemessen honoriert werden, fordert Siemsen. Nach der Krise werde es die Aufgabe der Berufsorganisationen sein, die Politik an diese Leistungen zu erinnern und die Weichen zur Stärkung des Berufsstandes zu stellen. Dafür reiche ein Dankeschön nicht aus, sondern „jetzt wird es aber auch Zeit, neben einer strukturellen Absicherung den Apotheken und Ihren Mitarbeitern die vorenthaltenen Honoraranpassungen der letzten sechzehn Jahre nachzuzahlen“, erklärt Siemsen. Der Fachkräftemangel in der Pflege und in den Apotheken habe seine Ursachen in der politischen und damit monetären Wertschätzung der letzten Jahrzehnte. Darum müsse jetzt ein Umdenken in der Finanzierung systemrelevanter Berufe stattfinden, fordert Siemsen.

Neue politische Zuständigkeit in Hamburg

Zur Situation in Hamburg äußert Siemsen seine Verwunderung, warum die neu gebildete rot-grüne Koalition ausgerechnet in der Pandemie die Gesundheitsbehörde zerschlägt. „Hier war wohl mehr die Postenschieberei als jegliches Sachargument der Vater dieser Verirrung“, erklärt Siemsen und berichtet verwundert, dass für die Apotheken künftig die Justizbehörde zuständig ist.



Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


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Gemeinsam für Apotheke vor Ort kämpfen

2 Kommentare

Neuer ABDA Präsident gesucht!

von Thomas Eper am 16.06.2020 um 11:56 Uhr

Herr Siemsen, bitte nochmal kandidieren!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Honorar-Trilemma

von Armin Heller am 15.06.2020 um 13:29 Uhr

Die Vorenthaltung einer Honoraranpassung nach 16 Jahren und Kostensteigerungen bei den Apotheken um 40% - allein im Personalbereich - sind nicht erst heute ein Skandal. Da muss man sich schon fragen, warum hier ein ums andere Mal die berechtigten Forderungen der um ihre Existenz kämpfernden VorOrt-Apotheken von der Politik abgebügelt werden. Einerseits mag es weiterhin um das blutige Erreichen der "Ströbele Zahl" von maximal 10.000 Apotheken in Deutschland gehen, aber seit Corona reift doch die EInsicht, dass das ein wenig ambitioniert sein könnte und man die eine oder andere Niedergelassene Apotheke mehr doch noch gut brauchen könnte.

Der zweite Grund ist ein kniffligerer: eine allgemeine Erhöhung der Packungspauschale käme derzeit auch den Versendern zu Gute, obwohl diese gemessen an ihren geringeren Leistungen eigentlich eine Kürzung erfahren müssten. Dann aber müssten die GKVen aufgrund des "Wirtschaftlichkeitsgebotes" Ihre Patienten noch mehr dazu anhalten, nicht die teuren VorOrt-Apotheken aufzusuchen, so jedenfalls der offizielle Kassensprech.

Daraus ergibt sich jedoch das folgende Trilemma:

1. Apotheken VorOrt leisten mehr und brauchen höheres Honorar / Versender leisten weniger und ihnen müsste Honorar abgezogen werden

2. Der Patient wünscht und schätzt die Mehrleistungen und den persönlichen Kontakt mit den VorOrt-Apotheken

3. Die Krankenkassen müssen unabhängig von der Qualität des "Distributeurs" stets den günstigsten Anbieter bevorzugen und befeuern einen Wettbewerb hin zu niedrigeren Kosten, weniger Leistung und schlechterer Patientenversorgung.

Um diesen Konflikt aufzulösen, um den seit 16 Jahren ein politischer Eiertanz mit dem bekannten desaströsen Ergebnis für die Apotheken geführt wird, muss die Politik hier ein für allemal entschieden werden, welche Versorgung sie den Menschen bieten möchte.

Wenn es lediglich eine möglichst billige Versorgung sein soll, dann sind wir auf dem richtigen Weg und die Umsätze werden nach und nach zu distributiv effizienteren Großversendern gelenkt, während die VorOrt-Apotheke bis auf einen kleinen Rest sukzessive abgeschafft werden.

Ist man aber der Meinung, dass die Krankenkassen ihren Patienten auch die Mehrleistungen der VorOrt-Apotheken und die persönliche Nähe zu finanzieren haben - und selbst ein Herr Spahn bestreitet das nicht -, dann muss ein grundsätzliches Umdenken bei der Honorierung erfolgen.

Ein Vorschlag, den ich zumindest offiziell noch nirgends so gehört habe, wäre eine Versenderabgabe an die VorOrt-Apotheken mit denen die dort erbrachten Zusatzleistungen querfinanziert werden. Dies hätte vor allem den Charme, dass sich die Krankenkassen keine Gedanken mehr um vermeintlich billigere Anbieter machen müssen.

Nichts spricht dagegen, das alle Versender von den 8,35 pro Packung nur 5,35 erhalten und die restlichen drei Euro direkt von den Kassen an den Nacht- und Notdienstfond wandern, der mit diesen Mittel dann packungsbezogen die Honorare der VorOrt-Apotheken aufstockt. Sämtliche Daten für einen solchen Verteilschlüssel werden dort bereits jeden Monat erhoben.

Will man den Versand auf Teufel komm raus mit in der Versorgung haben, dann ist dies der einzige Weg die beiden System verträglich nebeneinander zu betreiben und das oben geschilderte Trilemma im Sinne der Patienten aufzulösen.

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