„Pro AvO“

Der Apothekenmarkt bekommt eine neue Genossenschaft

Berlin - 15.06.2020, 07:00 Uhr

Die fünf Gründungsväter der Initiative Pro AvO wollen die Apotheker über eine Genossenschaft an der neuen gemeinsamen Apotheken-Plattform beteiligen. (s / Foto: Pro AvO)

Die fünf Gründungsväter der Initiative Pro AvO wollen die Apotheker über eine Genossenschaft an der neuen gemeinsamen Apotheken-Plattform beteiligen. (s / Foto: Pro AvO)


Die Initiative „Pro AvO“ will eine neue Apotheken-Genossenschaft gründen. Nach Informationen von DAZ.online wollen die fünf Bündnis-Partner der Initiative die Apotheker im Rahmen einer Genossenschaft an ihrer geplanten Apotheken-Plattform teilhaben lassen. Am kommenden Mittwoch will „Pro AvO“ die dazugehörige App in Hamburg vorstellen.

Der Markt der Apotheken-Apps wird ab dieser Woche noch umkämpfter als bisher. Während der „Zukunftspakt Apotheke“ von Noweda, dem Burda-Verlag und Pharma Privat mit ihreapotheken.de bereits eine Plattform im Markt hat und auch Phoenix und der Funke-Verlag mit deineapotheke.de bereits digital unterwegs sind, will nun „Pro AvO“ nachlegen. Am kommenden Mittwoch wollen die fünf Partner der Initiative (Wort & Bild-Verlag, Noventi, Rowa, Sanacorp, Gehe) ihre Plattform bei einer Pressekonferenz in Hamburg vorstellen.

Nach Informationen von DAZ.online will „Pro AvO“ seine Plattform mit einer besonderen Idee in den Markt bringen: Die Apotheker sollen mittels einer neuen Genossenschaft an der App beteiligt werden. Aus Kreisen der Initiative heißt es, dass die Genossenschaft als Anteilseigner in die Struktur zum Betrieb der Plattform integriert werden soll. So sollen die Apotheker an der Plattform und einem möglichen Erfolg beteiligt werden. Die Genossenschaft soll für alle Apotheker geöffnet werden. Genauere Details zur Gründung und auch zum Gründungsdatum sind allerdings noch nicht bekannt.

Aus Kreisen der Initiative hieß es weiter, dass die fünf beteiligten Unternehmen vermeiden wollen, dass ein möglicher Erfolg der geplanten Plattform zulasten der Apotheker geht. Beispiele wie booking.com oder Amazon zeigten das und begründen auch viele Sorgen bei den Apotheken vor Ort. 



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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5 Kommentare

Totes Pferd

von Armin Heller am 15.06.2020 um 11:37 Uhr

Was die Macher dieser Plattformen verdrängen, wenn sie sich als das neue Booking.com oder Lieferando für Apotheken anpreisen, ist das Fehlen des eigentlichen Benefits für den Kunden, der diese Plattformen auszeichnet: die Zusammenführung von Anbietern, die zwar vordergründig den gleichen Bedarf (Reisen, Essen) bedienen, sich untereinander aber in mehreren Aspekten deutlich unterscheiden (Reiseziel, Lage, Komfort, Preisklasse, bzw. Art der Küche, Entfernung, Lieferzeit). Das Angebot der Apotheken ist jedoch weitgehend identisch. Dem Stammkunden geht es in erster Linie um die persönliche Bindung, dem Laufkunden um Nähe und Geschwindigkeit. Ersterer hat sich bereits entschieden, letzterer bekommt alle Infos bei Google. Während der Lieferando oder Booking Kunde beim Stöbern und Auswählen einen Benefit erfährt, ist das Zusammenstellen des Warenkorbes für den Apothekeneinkauf nur nervig. Ein Anruf oder der Kontakt per Messenger ist da immer schneller und einfacher. Für den Aufwand des Zusammenstellen des Warenkorbs und die Vorabbezahlung erwartet der Patient daher eine andere Kompensation und zwar in Form eines saftigen Rabatts. Dass wiederum kann nur der Versandhandel mit seinen Skaleneffekten leisten. Die eigentlichen Benefits der Vorort-Apotheken, Persönlichkeit und Geschwindigkeit werden durch das Vorschalten eines solchen Portals eher verringert als vergrößert. Und dass man zusätzliche Verkäufe an „Durchreisende“ generiert dürfte auch eher eine Vision von IT-lern sein. Die zumindest hier quasi nicht vorhandenen Umsätze aus dem nunmehr seit 1 Jahr massiv beworbenen Burda- Portal meineapotheken.de sprechen da eine deutliche Sprache. Preorder ist super aber gegen Whats-App und Co haben diese Portale keine Chance. Erst recht nicht, wenn wie von der Gematik bereits angedeutet, die E-Rezept-QR-Codes über jedweden Messenger oder Email versendet werden können sollen. Was ich im Übrigen uneingeschränkt begrüßen würde, da dann der Weg in die Vorort-Apotheke der nahe liegendste ist und nicht durch irgendwelche IT-Monstren ausgebremst oder gar direkt in den Versand umgeleitet würde.
Klar ist: „Genossenschaft“ klingt toller als „wir brauchen jetzt auch mal eure Kohle“ um das tote Pferd weiter zu zerren

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Totes Pferd ... bzw. schon Pferdefriedhof ...

von Christian Timme am 16.06.2020 um 11:59 Uhr

Differenziertes Denken in einem konditioniertem Umfeld führt oft zu ebensolchen Lösungen. Die Apotheke leidet nicht an fehlendem Zuspruch sondern an der Spezialisierung eines überreglementierten Gesundheitssortimentes nebst fehlenden Selbstzahlern dank GKV und deren subtilen und marktfernen Steuerungseingriffen nebst politisch gewollt eingestreuten Risiken und Nebenwirkungen. Oder die Kurzformel: Viele Köche verderben den Brei ...angefangen bei den Apothekern selbst. Und noch ein Einwurf zur Logistik ... eine Hausfrau kauft für Ihre Familie einmal die Woche komplett ein. Auf dieses einfachen Prozess eine Antwort und Lösung zu finden ist unsere gemeinsame Zukunftsaufgabe. Das wird richtig weh tun geht aber ... oder wir warten auf die nächste Pandemie ... es darf "gewettet" werden ...

Alles schön und gut, aber...

von Thomas Luft am 15.06.2020 um 11:16 Uhr

...warum muss sowas von außen kommen? Warum bekommen wir das nicht via DAV/LAVs hin? Genossenschaft hin oder her, wieder mal sind wir fremdbestimmt. Bei einem Organisationsgrad von über 90% in den LAVen wäre es doch sinnvoll gewesen hier über den DAV eine zentrale Plattform zu schaffen. Es gab sowas ja sogar schon, damals das "aponet". Aber es ist wie immer "hätte hätte Fahrradkette". Sehr schade.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Alles schön und gut, aber ... das „läuft“ auch so ...

von Christian Timme am 15.06.2020 um 13:48 Uhr

Hauptsache sind doch die „Pöstchen“ in diesen Konstrukten welche dann von Personen aus den MO „besetzt“ werden können. Dann braucht es nur noch CEOs ... die dann den „Überblick verlieren“ ... und schon ist alles wieder ... wie z.B. bei der Gematik ... usw.

Pro AvO

von Almut Dittmann am 15.06.2020 um 9:07 Uhr

Endlich wacht die Apothekerschaft auf und setzt was dagegen ! Hoffentlich mit viel Medienaufmerksamkeit!!!
Genossenschaft ist ein starkes Modell.
Bitte sehr schnell umsetzen, sonst gehen uns viele Kunden, vor allem die nächste Generation, verloren.

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