COVID-19

WHO setzt Studien mit Hydroxychloroquin aus

Stuttgart - 27.05.2020, 08:59 Uhr

Könnte Hydroxychloroquin am Ende nicht nur unwirksam gegen COVID-19 sein, sondern sogar schaden? (x / Foto: imago images / ZUMA Wire)

Könnte Hydroxychloroquin am Ende nicht nur unwirksam gegen COVID-19 sein, sondern sogar schaden? (x / Foto: imago images / ZUMA Wire)


Nach mehreren kritischen Berichten über die mangelnde Wirksamkeit von Hydroxychloroquin gegen COVID-19 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Studien dazu vorerst gestoppt. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte am Montag in Genf, dass zunächst möglichst viele Daten zu Hydroxychloroquin und Chloroquin ausgewertet werden sollen.

Erst Ende März hatte die WHO (Weltgesundheitsorganisation) unter dem Titel „Solidarity“ eine weltweite Studie eingeleitet, in der die aktuell bereits verfügbaren Behandlungsansätze gegen COVID-19 miteinander verglichen werden sollten. Insgesamt standen vier verschiedene Therapien im Fokus: Remdesivir, Lopinavir + Ritonavir, Lopinavir + Ritonavir + Interferon Beta und Chloroquin bzw. Hydroxychloroquin. Wie DAZ.online schon damals berichtete, sollten laut „Science“ Chloroquin und Hydroxychlorquin eigentlich gar nicht in die „Solidarity“-Studie aufgenommen werden. Aufgrund des großen öffentlichen Interesses in einigen Ländern habe man die beiden Wirkstoffe aber schließlich doch eingeschlossen – trotz Sicherheitsbedenken (bei hoher Dosierung). 

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Seit vergangenem Montag verrät der Internetauftritt zur WHO-Studie Solidarity, dass in deren Rahmen zwar sowohl Untersuchungen zu Chloroquin als auch Hydroxychloroquin geplant waren, tatsächlich aber schließlich nur Untersuchungen mit Hydroxychloroquin stattgefunden haben. In der Folge wurde Chloroquin auch aus der Auflistung der Seite entfernt. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Montagabend meldete, werden zudem nun auch die laufenden Studien mit Hydroxychloroquin vorerst ausgesetzt. 

Erneute Beratung in ein bis zwei Wochen

Das Journal „The Lancet“ hatte zuletzt am Freitag auf Grundlage einer umfassenden Datenanalyse berichtet, dass sich die Malaria-Arzneien Chloroquin und Hydroxychloroquin wahrscheinlich nicht zur Behandlung von COVID-19-Patienten eignen und die Wirkstoffe womöglich sogar die Todesrate erhöhen. Zu ähnlichen Ergebnissen waren zuvor schon kleinere Studien gekommen. Doch letztere Studie nimmt die WHO nun offenbar zum Anlass, den Hydroxychloroquin-Arm in der Solitdarity-Studie zu pausieren. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte am Montag in Genf, das zunächst möglichst viele Daten zu Hydroxychloroquin und Chloroquin ausgewertet werden sollen. Laut einer WHO-Expertin soll in einer oder zwei Wochen erneut über die Tests mit Hydroxychloroquin beraten werden. 



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