Neuer Infektionsweg?

Forscher weisen erstmals Coronavirus in Muttermilch nach

Berlin - 26.05.2020, 17:45 Uhr

Virologen aus Ulm ist es erstmals gelungen, virale RNA von SARS-CoV-2 in der Muttermilch nachzuweisen. (c / Foto: imago images / CHROMORANGE)

Virologen aus Ulm ist es erstmals gelungen, virale RNA von SARS-CoV-2 in der Muttermilch nachzuweisen. (c / Foto: imago images / CHROMORANGE)


In der Muttermilch einer mit SARS-CoV-2 infizierten Frau haben Forscher das Erbgut der Viren nachgewiesen. Unklar ist aber, ob ihr ebenfalls erkranktes Kind sich tatsächlich darüber angesteckt hat.

Virologen aus Ulm haben das neuartige Coronavirus erstmals in der Muttermilch einer an COVID-19 erkrankten Frau nachgewiesen. Auch ihr Säugling sei mit dem Virus infiziert, teilten die Wissenschaftler um Professor Jan Münch und Rüdiger Groß von der Universität Ulm am Freitag mit. Es sei aber noch nicht klar, ob das Kind sich wirklich über die Muttermilch angesteckt habe. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal „The Lancet“.

Die Virologen hatten die Muttermilch von zwei Frauen auf RNA-Spuren des neuartigen Coronavirus untersucht, die sich nach der Entbindung im Krankenhaus zusammen mit ihren Neugeborenen ein Zimmer teilten. Als eine der Frauen Krankheitssymptome entwickelte, wurde sie mit ihrem Kind isoliert und beide positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Die Zimmernachbarin bemerkte erst später Symptome und wurde dann – ebenso wie ihr Kind – auch positiv getestet.

Virus nach zwei Wochen nicht mehr nachweisbar

In den Muttermilch-Proben der zuerst erkrankten Frau fanden die Wissenschaftler keine Hinweise auf das Coronavirus. Das Ergebnis in den Proben der zweiten Mutter war dagegen vier Mal positiv. Woran das liegt, sei derzeit noch nicht klar, sagte Münch. Nach 14 Tagen sei kein Virus mehr in der Muttermilch nachweisbar gewesen, und die Mutter sowie ihr Kind erholten sich von COVID-19.

Die später erkrankte Mutter hatte beim Umgang mit ihrem Kind einen Mund-Nasen Schutz getragen und Hände und Brüste desinfiziert. Zudem sterilisierte sie regelmäßig die Utensilien für das Stillen. Es bleibe unklar, ob sich das Baby tatsächlich beim Stillen infizierte, betonen die Forscher. „Unsere Studie zeigt, dass SARS-CoV-2 bei stillenden Frauen mit akuter Infektion in der Muttermilch nachweisbar sein kann. Aber wir wissen noch nicht, wie oft dies der Fall ist, ob die Viren in der Milch auch infektiös sind und durch das Stillen auf den Säugling übertragen werden können.“

WHO: Bisher kein Grund, mit dem Stillen aufzuhören

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bisher keinen Nachweis des neuartigen Coronavirus in Muttermilch verzeichnet. „Es gibt keinen Grund, das Stillen zu vermeiden oder zu beenden“, heißt es dazu in den Empfehlungen auf der Website der Organisation.


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