DAZ.online-Videointerview mit Gabriele R. Overwiening

„Die ABDA muss transparenter und sichtbarer werden“

Berlin - 20.05.2020, 17:45 Uhr

Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der AKWL, im Video-Interview mit DAZ.online-Chefredakteur Benjamin Rohrer. (x/Foto: DAZ.online)

Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der AKWL, im Video-Interview mit DAZ.online-Chefredakteur Benjamin Rohrer. (x/Foto: DAZ.online)


Gabriele Regina Overwiening will ABDA-Präsidentin werden. Einen echten Wahlkampf um das höchste standespolitische Amt gibt es derzeit noch nicht, weil kein anderer Apotheker seinen Hut in den Ring geworfen hat. Trotzdem zeigt sich die Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) derzeit häufiger in der Öffentlichkeit, um ihre Positionen darzustellen. Im neuen Videointerview-Format „Face to Face“ hat sich nun auch DAZ.online mit Overwiening ausgetauscht. Es ging um eine „Organisationsanalyse“ der ABDA, um eine dauerhafte Vergütung der Botendienste und ums E-Rezept.

Im Dezember stehen in der ABDA, der Bundesapothekerkammer und beim Deutschen Apothekerverband Wahlen an. Was die Wahl des neuen ABDA-Präsidiums betrifft, wird es definitiv personelle Veränderungen geben, denn ABDA-Präsident Friedemann Schmidt wird nicht mehr kandidieren. Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, hat bislang als einzige Kandidatin ihren Hut in den Ring geworfen.

Schon im März, als Overwiening ihre Kandidatur bekanntgab, kündigte sie an, dass sie auch die ABDA als Organisation hinterfragen wolle. Im Interview mit DAZ.online spricht sie von einer „Organisationsanalyse“. Außerdem müsse es eine neue Kultur des „Miteinander und des Mitmachens“ in der ABDA geben. Konkret müsse die Expertise in den einzelnen Mitgliedsorganisationen besser genutzt werden, außerdem müsse die Arbeit der ABDA für die Apotheker vor Ort „transparenter und sichtbarer“ werden.

Overwiening: Gerade derzeit leistet die ABDA eine tolle Arbeit

Als grundsätzliche Kritik an der derzeitigen Arbeit der ABDA will Overwiening ihre Forderungen aber nicht verstanden wissen. Gerade mit Blick auf die jüngst umgesetzten Flexibilisierungen in der Versorgung wie Botendienst-Vergütung und Rabattvertragsausnahmen bescheinigt sie der ABDA eine „großartige Leistung“. „Danke für die Arbeit, die da geleistet wird“, so Overwiening.

Sollte Overwiening gewählt werden, will sie die derzeitigen Corona-bedingten Umstellungen in der Arzneimittelversorgung über die Krise „hinausretten“. Das hatte sie auch schon in einem Video-Interview mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gesagt. Die Rabattvertragsumstellungen und Ausnahmen von der Biozid-Verordnung hätten die Versorgung für die Patienten verbessert. „Die Solidargemeinschaft muss sich überlegen, ob ihr diese Versorgung etwas wert ist“, sagt Overwiening. Die AKWL-Präsidentin will erreichen, dass das Ansehen, das sich die Apotheker durch ihre derzeitige Arbeit in der Öffentlichkeit geschaffen haben, auch nach der Krise gesehen wird. „Ich will vermeiden, dass die Apotheke in der Krise benutzt wird, und danach vergisst man wieder, welche Qualitäten sie hat und was sie bieten kann.“

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„Wir Apotheker haben alleine keine Chance“

Einer der Arbeitsschwerpunkte einer möglichen ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening wäre die Arzneimitteltherapiesicherheit und die damit verbundene Stärkung und Nutzung der apothekerlichen Kompetenzen in der Versorgung. Auf die Frage, wie sie sich in eventuellen Konflikten mit den Ärzten (Punkt: Kompetenzgerangel) verhalten würde, antwortet Overwiening resolut: „Es geht um den Patienten. Wenn ich weiß, dass wir Apotheker die Arzneimitteltherapiesicherheit verbessern können, dann werde ich dafür kämpfen. Es ist unerheblich, ob jemand anderes meint, er sei der Zeremonienmeister und könnte das alles dirigieren. Dann stellt er nur sich in den Mittelpunkt des Geschehens.“

DAT in abgespeckter Form?

Overwiening spricht außerdem über den für diesen Herbst in München geplanten Deutschen Apothekertag. Das kurz zuvor stattfindende Oktoberfest wurde bereits abgesagt, eine Absage der Expopharm und des DAT ist aber noch nicht da. Die AKWL-Präsidentin plädiert für einen „digitalen Weg“, falls der DAT abgesagt werden muss. Sollte die Expopharm stattfinden können, bringt Overwiening eine abgespeckte Variante des DAT ins Spiel, bei der die einzelnen ABDA-Mitglieder weniger Delegierte nach München schicken.

               


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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6 Kommentare

Wertschätzungen kommen und gehen ... die Abhängigkeiten nehmen zu ...

von Christian Timme am 21.05.2020 um 22:58 Uhr

... die „eigene Nabelschau“ bleibt. Strategie und Taktik bleiben Fremdworte im andauernden Stellungskampf der in den Schützengräben stehenden Apothekers ... behaftet mit dem HV und aktuellem Corona-Plexi und der 15.000 fachen „Unabhängigkeit“ u.s.w. Während der Versandhandel bereits an neuen Zustellungformen arbeitet üben sich die KollegenInnen im „eigenen Stellungskrieg“ und die Standesvertretung arbeitet bereits an der Garnierung weiterer 5.000 Apotheken als „Kanonenfutter“ im Marktgeschehen ... die Uhr läuft und wird auch noch selbst „geölt“ ... gute Fahrt ...

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Hauptsache Rezept-Daten in Apotheke - danach egal

von Tobias Kast am 21.05.2020 um 10:55 Uhr

Ab ca 18:05;
"Der Weg muss bis in die Apotheke kontrolliert sein ... Was nach der Belieferung durch die Apotheke mit den Daten passiert ist egal" (sinngemäß)

Um die hier gezeigten Sorgen zu bedienen;
-> "Hätten Sie dieses Rezept bei uns eingelöst, hätten Sie 5 € weniger bezahlt. Fotografieren Sie Ihren Kassenbon für uns und Sie erhalten bei Ihrer nächsten Rezepteinlösung bei uns den Extra-Marktforscher-Bonus! (kumulativ, Höhe abhängig vom ausgewiesenen Umsatz)"
("Vielen Dank für Ihre Teilnahme an unserem Marktforschungs-Programm! Sie hätten übrigens weitere 5 € gespart, wenn Sie die nicht preisgebundenen Präparate auf dem Kassenbon bei uns bezogen hätten. Kennen Sie schon unsere Same-Day-Delivery-Angebote (falls es eimal dringend sein sollte)? Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen!")

Im weiteren;
Natürlich kann jeder mit seinen Gesundheitsdaten machen, was er/sie will. Aber bei den angesprochenen Bedenken im Bereich Datenschutz, Patientenaufklärung und das fehlende Bewusstsein zur Wertigkeit von Gesundheitsdaten und möglichen Spätfolgen für sich selbst und Angehörige greift die Aussage "nach der Apotheke ist egal - Hauptsache Rezept-Daten sind da" viel viel zu kurz und macht gleichzeitig extrem angreifbar... Stichwort Pfründe sichern und vergessen des vorher postulierten Patientenschutzes...

PS;
Verbote und Gesetze sind die falsche Taktik gegen diese Gegner, sobald das eRezept da ist - viel zu langsam... man sollte meinen gerade in NRW wüsste man das... gibt es übrigens irgendwo Zahlen zum Same-Day-Delivery der Shop-Apotheke?

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Neue Aspekte?

von Reinhard Rodiger am 21.05.2020 um 10:24 Uhr

Es wird also ein dezidiertes "Weiter so" angeboten. Vor 8 Jahren hörten wir das gleiche.Ohne bzw mit vernichtendem Resultat.Demokratisch durch und durch ??? Elitestrategie. Kein Gedanke geht an Überlegungen zur Richtigkeit des Kurses, den verpassten Chancen, der Mitnahme aller.Dankenswerterweise spült eine Krise viel Stoff zur Besinnung an, aber ausser "etwas retten" und in Erinnerung bleiben kommt nichts vor.Neue Aspekte: Fehlanzeige.

Stattdessen geht die Erosion unvermindert weiter und strebt den 10 000 zu.Flächendeckung wie ein Mantra ohne inhaltliche Auseinandersetzung.Ausdünnung bedeutet längere Schlangen und weitere Wege.Kontraproduktiv in dieser Krise.

Aufbruchstimmung, Revision der Fehler, Korrektur des Fehlenden,Änderung der Blickrichtung,Herstellung einer Ausgangsbasis = Konzept - das wäre gefragt.

Den Fortschritt verdanken die Menschen den Unzufriedenen (Aldous Huxley)

Hier stellt sich die Frage: Wo sind sie ? Ist die Elimination von 10 000 nicht Anregung genug? Alternativlos bleiben?





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Nachfolge

von Gerhard Zück am 21.05.2020 um 1:36 Uhr

Einfach ein Beispiel nehmen an F.U.Montgomery und seinen Rückhalt in der Ärzteschaft, dann wird alles gut....
Gilt für potentielle ABDA Präsidiale, als auch deren nomineller Gefolgschaft - oder habe ich etwas übersehen ?

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Interview G. Overwiening

von Rudolf Strunk am 20.05.2020 um 20:47 Uhr

Ich kenne das Durchsetzungsvermögen von Frau Overwiening bei Sachverhalten, die sie nach sorgfältiger Überlegung und Überprüfung für änderungsbedürftig oder weiterentwicklungsfähig erkannt hat.
Ich kenne auch die Hartnäckigkeit, mit der sie Ziele verfolgt. Und das ist gut so.
Endlich für unseren Berufsstand eine Zukunftsperspektive.
Inhaltlich pharmazeutisch und organisatorisch-strukturell.

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Toll

von Anita Peter am 20.05.2020 um 18:23 Uhr

"Overwiening: Gerade derzeit leistet die ABDA eine tolle Arbeit"

Ach kommen Sie schon, nicht so bescheiden, die ABDA macht seit über 15 Jahren eine tolle Arbeit. Schauen Sie sich doch nur mal unser Honorar an, das stieg überproportional zur Inflationsrate.
Ebenso hat die ABDA die gleichlangen Spiesse durchgesetzt.
Einfach unglaublich erfolgreich diese ABDA. Die Ärzte beneiden uns um diese tolle Truppe.

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