Produktion läuft bereits

Forschungsverbund kündigt COVID-19-Impfstoffstudie für September an

Berlin - 18.05.2020, 16:15 Uhr

Der Forschungsverbund DZIF plant, noch in diesem Jahr einen Impfstoff gegen COVID-19 zu erproben. (Foto: imago images/Christian Ohde)

Der Forschungsverbund DZIF plant, noch in diesem Jahr einen Impfstoff gegen COVID-19 zu erproben. (Foto: imago images/Christian Ohde)


Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) will noch in diesem Jahr mit einem Impfstoff gegen die vom neuartigen Coronavirus ausgelöste Krankheit COVID-19 in die klinische Prüfphase starten. Finanziell und logistisch stehe dem nichts mehr im Weg, teilte der Forschungsverbund heute mit.

Auch wenn die Bund und Länder die strikten Vorschriften zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie nach und nach lockern, ist die Welt von der Rückkehr zur Normalität noch weit entfernt. Der Ausnahmezustand könnte noch eine ganze Weile anhalten: Nach Einschätzungen von Experten wie Professor Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), werden erst mit der Zulassung eines wirksamen Impfstoffs gegen COVID-19 die letzten Beschränkungen fallen.

Weltweit arbeiten Forscher mit Hochdruck daran, eine solche Vakzine zu entwickeln. Einen vielversprechenden Kandidaten hat unter anderem die Tübinger Biotech-Firma CureVac in der Pipeline. Erste klinische Studien sollen nach Unternehmensangaben im Frühsommer anlaufen. Das Paul-Ehrlich-Institut hat zudem kürzlich dem Mainzer Unternehmen Biontech die erste Zulassung für eine COVID-19-Impfstoffstudie in Deutschland erteilt.

Konkrete Information liegt jetzt auch zu einem Impfstoff-Anwärter vor, der unter dem Dach des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) entstanden ist: Der Forschungsgemeinschaft zufolge könnte das Mittel bereits im September in die klinische Phase der Entwicklung eintreten. „Der Bauplan für den Impfstoff ist fertig“, sagt der Marburger Virologe Professor Stephan Becker. Er leitet mit dem Institut für Virologie an der Universität Marburg jene Einrichtung, die für das sogenannte Immun-Monitoring verantwortlich ist– also die Charakterisierung der Antikörper-Antwort auf den Impfstoff.

In den Startlöchern

„Wir haben jetzt finanziell und logistisch alles zusammen, um bald eine klinische Prüfung der Phase I zu starten“, ergänzt Becker. „Jetzt muss der Impfstoff für die klinischen Tests noch produziert werden.“ Diese Aufgabe übernimmt laut DZIF die Firma IDT Biologika aus Dessau. Die Herstellung werde voraussichtlich in drei Monaten abgeschlossen sein, sodass die klinischen Tests im September starten könnten.

Dass es noch in diesem Jahr ein Impfstoff bis zur Marktreife schaffen könnte, hält Becker jedoch für unwahrscheinlich. „Die Entwicklung eines Impfstoffs ist ein langwieriger, mühsamer Prozess, vor allem die klinische Prüfung für die Zulassung eines Kandidaten. Das geht nicht in ein paar Wochen.“ Bei dem Kandidaten des DZIF handelt es sich um einen Vektor-Impfstoff, der auf dem Modifizierten Vacciniavirus Ankara (MVA) basiert, teilte der Verbund mit. Das Impfvirus MVA habe die Ludwigs-Maximilian-Universität in München bereits vor mehr als 30 Jahren als Impfstoff gegen Pocken generiert. Die MVA-Viren sind den Wissenschaftlern zufolge so abgeschwächt, dass sie als harmlose Vektoren für andere Impfstoffe dienen können.


Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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