Keine Wirksamkeit gegen Covid-19

Hydroxychloroquin floppt erneut in klinischer Studie

Berlin - 13.05.2020, 13:05 Uhr

Weder Hydroxychloroquin (hier ein Beispielfoto aus den USA) noch Azithromycin oder die Kombination aus beiden Wirkstoffen konnten in einer US-amerikanischen Studie die Sterblichkeit unter COVID-19-Patienten signifikant senken. ( r / Foto: Imago / ZUMA)

Weder Hydroxychloroquin (hier ein Beispielfoto aus den USA) noch Azithromycin oder die Kombination aus beiden Wirkstoffen konnten in einer US-amerikanischen Studie die Sterblichkeit unter COVID-19-Patienten signifikant senken. 
( r / Foto: Imago / ZUMA)


Chloroquin, Hydroxychloroquin und Azithromycin galten als Hoffnungsträger für die Behandlung von Patienten mit COVID-19. In ersten klinischen Studien gelang es jedoch nicht, die Wirksamkeit der Arzneistoffe gegen die durch das neuartige Coronavirus ausgelöste Krankheit zu belegen. Eine aktuelle Untersuchung scheint dieses Ergebnis zu bestätigen.

Der US-amerikanische Präsident Donald Trump setzte im Kampf gegen SARS-CoV-2 voll auf die Kombination aus Hydroxychloroquin und Azithromycin. Mit Blick auf die Behandlung von Patienten mit COVID-19 nannte er die Wirkstoffe einen „Game Changer“. Nun kristallisiert sich immer mehr raus, dass er mit dieser Einschätzung offenbar falsch lag.

Bereits Mitte April wurde bekannt, dass in Brasilien eine klinische Studie abgebrochen wurde, in der COVID-19-Patienten Chloroquin und Azithromycin erhalten hatten. Der Grund: Bei einigen Behandelten kam es zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen mit QT-Zeit-Verlängerung, die kardiale Sterblichkeit stieg.

Im von der Pandemie hart getroffenen New York State in den USA prüften Wissenschaftler jetzt, wie sich der Einsatz von Hydroxychloroquin und Azithromycin bei COVID-19-Patienten auf die Sterblichkeit im Krankenhaus auswirkt. Die Ergebnisse ihrer retrospektiven multizentrischen Kohortenstudie veröffentlichten sie kürzlich im Fachjournal „JAMA“.

Das Team um Dr. Eli Rosenberg von der School of Public Health an der State University New York in Albany berichtet von 1438 Menschen mit COVID-19, die in der Klinik entweder die Kombination aus Hydroxychloroquin und Azithromycin (n=735), nur Hydroxychloroquin (n=271) oder Azithromycin (n=211) oder gar keine Medikamente (n=221) erhalten hatten.

Kein Vorteil für Wirkstoffkombination oder Einzeltherapien

Beim Vergleich der Sterblichkeitsraten konnten Rosenberg und Kollegen keinen Vorteil für eine der Gruppen feststellen, die eine Therapie erhalten hatten. Während 12,7 Prozent der unbehandelten Patienten starben, war es unter jenen, die eine Kombinationstherapie bekamen, etwa jeder vierte (25,7 Prozent). Unter Hydroxychloroquin allein starben 19,9 Prozent der COVID-19-Erkrankten, unter Azithromycin waren es 10 Prozent. Keiner dieser Unterschiede erwies sich als statistisch signifikant.

Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass der Anteil der Herztoten in der Kombitherapie-Gruppe deutlich größer war als unter den Unbehandelten. „Es braucht weitere Studien, um definitiv einen kausalen Zusammenhang zwischen der Gabe von Hydroxychloroquin und Azithromycin und der Sterblichkeit herzustellen“, schreiben die Autoren. „Dennoch sollten die Ergebnisse unsere Untersuchung auf Übereinstimmung mit den jüngst veröffentlichten COVID-19-Behandlungsleitlinien des Nationalen Instituts für Gesundheit und Infektionskrankheiten sowie die Stellungnahme der Food and Drug Administration (FDA) überprüft werden.


Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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4 Kommentare

Hochdosis-(Vergiftungs-)studie Manaus

von Cochones am 03.06.2020 um 13:15 Uhr

Die "Studie" war der reinste Irrsinn: der Wirkstoff 20-fach höher dosiert wie bei normaler Malaria-Therapie, zusätzlich noch 10 Tage statt 3 Tage Azythromyzin. Dabei ist Malaria sicherlich eine schwerwiegendere Krankheit wie diese Covid19-Grippe. An Malaria sterben auch jüngere Leute, bei Covid19 dagegen nur Senioren >80

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Nebenwirkung ist schon lange Bekannt (Favismus lernt jeder Arzt im vierten Semester)

von Lina Bach am 03.06.2020 um 10:20 Uhr

Hydroxychloroquin darf laut Beipackzettel nicht an Menschen mit einem Glucose-6-phosphat-dehydrogenase-Mangel (spezielle vererbte Stoffwechselstörung) verabreicht werden, weil Favismus erzeugt wird (Symptome: Fieber, Schwächegefühl, Brust-, Rücken-, Bauchschmerzen bis lebensbedrohlichen Schock). Diesen Gendefekt haben vornehmlich Menschen im Mittelmeerraum, mittleren Osten, Afrika und Südostasien. Dieses Medikament wurde trotzdem in Italien, Spanien, Brasilien, USA ect. verabreicht. Bei Obduktionen wurden Blutungen und Blutgerinnsel festgestellt. Warum wird das nicht in den Medien gezeigt? Wir brauchen dringend einen Untersuchungsausschuss.

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Hydroxichloroquine und Zink

von Dirk Leinher am 16.05.2020 um 20:15 Uhr

Studie sieht wirksamkeit bei gleichzeitiger Verabreichung von Zink:
https://www.ny1.com/nyc/all-boroughs/news/2020/05/12/nyu-study-looks-at-hydroxychloroquine-zinc-azithromycin-combo-on-decreasing-covid-19-deaths

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Schon lange bekannt

von Peter am 13.05.2020 um 15:25 Uhr

Es ist doch schon lange bekannt, dass Chloroquin und Azithromicin zu Herzrhythmusstörungen führen kann.
Dann beides in Kombination zu geben und womöglich auch noch hochdosiert kommt einem Mordversuch gleich.
Wer veranlasst so einen Wahnsinn?
Wieviel Menschen sind statt an dem Virus an einer Fehlbehandlung im Krankenhaus gestorben?
Es gibt da wohl viel aufzuarbeiten.

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