Rote-Hand-Brief

Potenziell tödliche Wechselwirkung zwischen Brivudin und Fluoropyrimidinen

Stuttgart - 12.05.2020, 12:45 Uhr

Brivudin, ja oder nein? Mithilfe einer Checkliste sollen Ärzte künftig leichter überprüfen können, ob ein Zosterpatient für eine Brivudintherapie infrage kommt. (s / Foto: t0pkul3 / stock.adobe.com)

Brivudin, ja oder nein? Mithilfe einer Checkliste sollen Ärzte künftig leichter überprüfen können, ob ein Zosterpatient für eine Brivudintherapie infrage kommt. (s / Foto: t0pkul3 / stock.adobe.com)


Die Zulassungsinhaber brivudinhaltiger Arzneimittel weisen per Rote-Hand-Brief auf eine potenziell tödliche Wechselwirkung zwischen Brivudin und Fluoropyrimidinen wie 5-FU, Capecitabin, Tegafur oder Flucytosin hin, die kurz vor, gleichzeitig mit oder innerhalb von vier Wochen nach Ende der Behandlung mit Brivudin auftreten kann. In Fach- und Gebrauchsinformation soll daher künftig stärker auf die Einhaltung des Vier-Wochen-Abstands zwischen der Behandlung mit Brivudin und Fluoropyrimidinen hingewiesen werden. Außerdem wird es eine Patientenkarte und eine Checkliste für Ärzte geben.

Das Nukleosidanalogon Brivudin (Zostex® und Generika) ist indiziert zur Behandlung von immunkompetenten Erwachsenen mit Herpes zoster im Anfangsstadium. Der große Vorteil gegenüber anderen Wirkstoffen gegen Gürtelrose ist das komfortablere Einnahmeschema: Die Tabletten müssen nur einmal täglich zur selben Tageszeit unabhängig von den Mahlzeiten eine Woche lang eingenommen werden. Valaciclovir und Famciclovir sind dreimal täglich und Aciclovir sogar fünfmal täglich alle vier Stunden anzuwenden.

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Allerdings blockiert Brivudin über seinen Hauptmetaboliten Bromovinyluracil (BVU) das Enzym Dihydropyrimidindehydrogenase (DPD), das für den Abbau Pyrimidin-basierter Arzneimittel wie Fluorouracil, Capecitabin, Tegafur und Flucytosin verantwortlich ist. Hemmt man es, kommt es zu erhöhten Blutspiegeln der Fluoropyrimidine. In einem aktuellen Rote-Hand-Brief weisen die Zulassungsinhaber brivudinhaltiger Arzneimittel nun darauf hin, dass diese Wechselwirkung, die die Fluoropyrimidin-Toxizität erhöht, potenziell tödlich sein kann. Auftreten könne dies kurz vor, gleichzeitig oder innerhalb von vier Wochen nach Ende der Behandlung mit Brivudin, heißt es.

Vier Wochen Sicherheitsabstand

Daher müssen nach Abschluss einer Behandlung mit Brivudin mindestens vier Wochen verstreichen, bevor eine Behandlung mit einem Fluoropyrimidin begonnen werden kann. Bei Patienten, die kürzlich eine Chemotherapie mit 5-FU erhalten haben, derzeit erhalten oder in den kommenden vier Wochen erhalten sollen, ist Brivudin kontraindiziert. Das gilt auch für topische 5-FU-Präparate, Prodrugs wie Capecitabin, Tegafur und Kombinationspräparate, die einen dieser Wirkstoffe oder andere Fluoropyrimidine enthalten.

Es sei bereits zu Todesfällen gekommen, wenn diese vierwöchige Wartezeit nicht eingehalten wurde, etwa bei einer Brivudineinnahme zwischen zwei 5-FU-Zyklen, warnen die Hersteller. Außerdem darf Brivudin nicht eingesetzt werden bei Patienten, die vor kurzem eine antifungale Therapie mit Flucytosin erhalten haben oder derzeit erhalten. Hintergrund ist, dass im Körper kleine Mengen von Flucytosin in Fluorouracil umgewandelt werden. Und auch bei immungeschwächten Patienten, die zum Beispiel eine Chemotherapie oder eine immunsuppressive Behandlung erhalten, ist Brivudin kontraindiziert.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

Brivudin WW - ein Oldtimer kehrt zurück

von Jürgen Barth am 13.05.2020 um 7:45 Uhr

Erstaulich dass soetwas immer noch passiert. Dabei warnt der Brivudinhersteller doch nun seit gut einem Jahrzehnt vor dieser WW und dass Krebspatienten kein Brivudin erhalten dürfen, da sie immunsupprimiert sind und Brivudin nur für immunkompetete Pat. zugelassen ist. Es wirkt nur virustatisch.

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