Kurios bis gefährlich

Verbraucherzentrale Hessen warnt vor Pendeln und Zahlencodes gegen Corona

Stuttgart - 07.05.2020, 17:45 Uhr

Ein Unternehmen aus Weilburg will der Corona-Pandemie mit Pendeln begegnen. (c / Foto: Sonja Birkelbach / stock.adobe.com)

Ein Unternehmen aus Weilburg will der Corona-Pandemie mit Pendeln begegnen. (c / Foto: Sonja Birkelbach / stock.adobe.com)


In Krisen wie der aktuellen lassen natürlich auch die vermeintlichen Wunderheiler nicht auf sich warten. Mit allen möglichen dubiosen Mittelchen soll sich das Corona-Virus angeblich bekämpfen lassen. Die Verbraucherzentrale Hessen warnt nun ausdrücklich vor „kuriosen Mitteln“ gegen Corona, die im besten Fall nur rausgeworfenes Geld, aber teilweise auch wirklich schädlich sind. 

Wissenschaftler weltweit forschen derzeit an einem Mittel gegen COVID-19 sowie einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus. Vieles wird versucht, vieles auch wieder verworfen. Einen absoluten Durchbruch gibt es aber bislang nicht, maximal Hinweise, dass etwas hilfreich sein könnte, zum Beispiel aus dem Bereich der Antikörper. In den USA ist jedoch seit 1. Mai Remdesivir im Rahmen einer Notfallgenehmigung als erstes Arzneimittel bei schweren COVID-19-Verläufen zugelassen. Neben der seriösen Wissenschaft rufen Situationen wie die aktuelle aber immer auch reihenweise dubiose, oft selbst ernannte Wunderheiler und ähnliches hervor, die das große Geld wittern und/ oder an die Wirkung ihrer Mittelchen tatsächlich selbst glauben. Bereits vor Monaten erklärte die WHO, dass Knoblauch und Sesamöl nicht gegen das neuartige Coronavirus helfen. Und auch das „Miracle Mineral Supplement“ (MMS) wird wieder ins Spiel gebracht. Institutionen wie das BfArM warnen seit Jahren vor dem Mittel, das beispielsweise gegen Krebs beworben wird. In etlichen Fällen hat es schon schwere Vergiftungen ausgelöst. Auch in den Apotheken gibt es immer wieder Nachfragen.

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Pendel „Virenkiller“ für 39 Euro

Nun warnt auch die Verbraucherzentrale Hessen in einer aktuellen Pressemeldung vor „kuriosen Mitteln“ gegen Corona. Dazu führt sie auch einige Beispiele an: So soll ein Zahlencode auf einem Aufkleber bewirken, dass „Viren und Bakterien gar nicht erst in das menschliche Immunsystem eindringen können“. Die Aufkleber sollen – so die Empfehlung des Anbieters – überall an öffentlichen Plätzen versteckt angebracht werden, damit sie ihre Schutzwirkung entfalten. Das 12er Set Vegane Outdoor Aufkleber kostet 10 Euro. Es helfe auch, den Zahlencode selbst zu schreiben – sichtbar oder unsichtbar.  Ein Unternehmen aus Weilburg will der Pandemie mit Pendeln begegnen. Hier gibt es das Pendel „Virenkiller“ für 39 Euro und das Pendel „NoCov“ für 25 Euro. Die Inhaberin des Shops schreibt auf Facebook: „Man kann den NoCov auch vorbeugend wie eine Impfung verwenden.“ Und weiter: „Während der Virenkiller alle Viren eliminiert, ist der NoCov eher für Corona-Viren gedacht.“

„Aktiviertes - Wasser in seiner Urform“

Ein weiteres hessisches Unternehmen bietet „aktiviertes - Wasser in seiner Urform“ an. Es soll „BIOlogisch gegen Keime, Viren, Bakterien, Sporen und Pilze“ helfen. Hinter dem elektrolytisch aktivierten Wasser steckt Salzwasser, aus dem bei der Elektrolyse unter anderem Natriumhypochlorit entsteht. Sowohl Natriumhypochlorit als auch die entstehenden hypochlorigen Säuren können tatsächlich Viren, Bakterien, Pilze und Sporen unschädlich machen. Entscheidend für die Wirkung sind die Konzentration und die Einwirkzeit. Zu beidem macht der Hersteller aber keine Angaben.

Kurios bis gefährlich

Während viele Tipps noch eher in die Kategorie „kurios, aber harmlos“ einzuordnen sind und gutgläubige Verbraucher damit vor allem ihr Geld verschwenden, sind andere Vorschläge durchaus gefährlich – wie beispielsweise der Tipp, Arsen und Chlordioxid zum Schutz vor Ansteckung einzunehmen.

Die Verbraucherzentrale rät deshalb zu besonderer Vorsicht bei Angeboten von angeblichen Wundermitteln. Zurzeit häuften sich die Beschwerden und Nachfragen zu solchen Angeboten, schreibt die VZ in ihrer Mitteilung. Hinweise nehme die Verbraucherzentrale Hessen unter beschwerde@verbraucherzentrale-hessen.de (ebenso wie jede andere VZ bundesweit) auch weiterhin gerne entgegen.


jb / DAZ.online
redaktion@daz.online


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