DAZ.online-Videointerview mit David Meinertz

„Bei uns kommt man nicht leicht an Rezepte“

Berlin - 06.05.2020, 17:54 Uhr

Zava-Chef David Meinertz (li.) und DAZ.online-Chefredakteur Benjamin Rohrer im Videogespräch. Im Interview ging es unter anderem um die jahrelange Kritik an der Online-Arztpraxis aus Großbritannien. (Foto: DAZ.online)

Zava-Chef David Meinertz (li.) und DAZ.online-Chefredakteur Benjamin Rohrer im Videogespräch. Im Interview ging es unter anderem um die jahrelange Kritik an der Online-Arztpraxis aus Großbritannien. (Foto: DAZ.online)


Die Online-Arztpraxis Zava (ehemals DrEd) gehört zu den Pionieren der Telemedizin in Europa. 2012 verabschiedete der Bundestag die sogenannte „Lex DrEd“, um die ausschließlichen Online-Beratungen zu unterbinden. Inzwischen hat sich alles geändert: Die Verbote zur Fernbehandlung und Fernverordung sind gekippt, Zava erlebt durch die Coronakrise einen deutlichen Schub und durch die Kooperation mit dem Apotheken-Dienstleister Noventi ist Zava über E-Rezepte nun auch in den Apotheken angekommen. Im DAZ.online-Videoformat „Face to Face“ spricht Zava-Chef David Meinertz über die Kritik an seinem Unternehmen und die Zukunft der Telemedizin.

Die Online-Arztpraxis Zava hat ihren Sitz nach wie vor in Großbritannien. Von dort aus berät das Zava-Ärzte-Team inzwischen seit mehreren Jahren Patienten in ganz Europa. In Deutschland musste sich das Unternehmen schon früh gegen Kritik wehren. Worum sich die Vorwürfe nach wie vor drehen, zeigte beispielsweise ein Bericht aus der Neuen Westfälischen, der vor einigen Monaten veröffentlicht wurde. Der Online-Arztpraxis wird vorgeworfen, dass man über die Internetseite via Fragebogen recht leicht an Rezepte kommt und sich im Anschluss, auch ohne direkten ärztlichen Kontakt, ein Rx-Präparat teilweise sogar selbst aussuchen kann.

Der Bundestag beschloss 2016, dass solche Rezepte in Vor-Ort-Apotheken nichts zu suchen haben und Apotheker sie nicht mehr beliefern dürfen. Doch inzwischen hat sich alles geändert: Die Ärzte haben in ihrer Musterberufsordnung Fernbehandlungen erlaubt, seitdem schießen fast monatlich neue Telemedizin-Unternehmen aus dem Boden, die den Patienten Online-Beratungen anbieten. Und auch bei der elektronischen Verordnung von Arzneimitteln hat sich viel getan. Der Bundestag hat das Fernverordnungsverbot, die sogenannte „Lex DrEd“, wieder aufgehoben und in zahlreichen Projekten kommt das E-Rezept schon zum Einsatz. 

DAZ.online – Face to Face

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„Wir Apotheker haben alleine keine Chance“

Im Video-Interview mit DAZ.online berichtet Zava-Chef David Meinertz über den aktuellen Boom von Telemedizin-Angeboten. Wegen der mit der Coronakrise verbundenen Kontaktsperren sei die Nutzungszahl der Zava-Sprechstunden zwischen Februar und März um 60 Prozent angestiegen, erklärt Meinertz. „Inwieweit das so bleiben wird, lässt sich derzeit aber noch nicht absehen", so der Unternehmenschef. 

Meinertz: Nicht immer ist ein synchrones Gespräch notwendig

Was die oben genannte Kritik an seinem Unternehmen betrifft, stellt Meinertz klar: „Leicht kommt man bei uns nicht an ein Rezept.“ Es gebe allerdings auch Fälle, bei denen der Praxis hinterhältig falsche Abgaben gemacht würden, sodass dann die falsche Beratung folge. Auch deswegen halte man sich grundsätzlich von der Verordnung von kritischen Arzneimitteln fern, bei denen es die Gefahr eines Missbrauchs gebe, wie zum Beispiel Schlaf- und Schmerzmittel.

Dass es nach wie vor Fragebögen vor der Beratung und Verordnung gebe, verteidigt Meinertz aber. Ein synchrones Gespräch sei nicht mehr notwendig, wenn wie bei einer üblichen Anamnese alle wichtigen Daten des Patienten vorliegen, so der Zava-Chef. Hier sehen Sie das gesamte Interview.

               


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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