Corona-Schutzmaßnahmen

Maskenpflicht fürs Apothekenpersonal trotz Spuckschutz?

Stuttgart - 22.04.2020, 15:15 Uhr

Muss trotz Plexiglas vor dem HV-Tisch eine Maske getragen werden? Die Frage stellen sich derzeit viele Apotheken. ( r / Foto: imago images / Mattias Christ)

Muss trotz Plexiglas vor dem HV-Tisch eine Maske getragen werden? Die Frage stellen sich derzeit viele Apotheken. ( r / Foto: imago images / Mattias Christ)


Nach und nach führen immer mehr Bundesländer die Pflicht ein, einen Mund-Nasenschutz zu tragen. Teils gilt dies nur im öffentlichen Personennahverkehr, teils auch im Einzelhandel. Manchmal ist das Personal dabei explizit mit einbezogen, manchmal auch nicht. Viele Apotheken haben auch ohne Vorschrift bereits Schutzvorkehrungen getroffen: Sie tragen bereits Masken oder Visiere, zudem gibt es vielerorts Plexiglaswände. Da stellt sich natürlich die Frage, ob eine Wand vor dem HV oder ein Visier die Maske für das Personal ersetzen kann.

In Sachsen gilt die Maskenpflicht bereits seit vergangenem Montag, alle anderen Bundesländer haben aber bereits angekündigt, sie in den nächsten Tagen einzuführen. Wobei es sich ganz korrekt nicht um eine Verpflichtung handelt, eine Schutzmaske zu tragen, sondern um eine Pflicht, Mund und Nase zu bedecken. Das soll bevorzugt mit Behelfsmasken aus Stoff oder einem einfachen Mund-Nasen-Schutz geschehen, um nicht die ohnehin schon an allen Ecken und Enden fehlende Schutzausrüstung für medizinisches Personal noch weiter zu verknappen. Zur Not tut es auch ein Tuch.

Wie bei den meisten Corona-Maßnahmen kocht auch hier jedes Bundesland sein eigenes Süppchen. Teils gilt die Maskenpflicht nur bei Benutzung von Bussen und Bahnen, teils auch im Einzelhandel. In Sachsen heißt es explizit, dass auch das Personal Mund und Nase bedecken muss, andere Länderverordnungen sind da weniger genau.

BAV geht derzeit davon aus, dass Scheiben nicht reichen

In den meisten Apotheken wurden bereits zahlreiche Schutzmaßnahmen getroffen. Viele tragen ohnehin schon Masken, hin und wieder sieht man auch Visiere. Ein „Spuckschutz“ ist fast schon Normalität. Mit den neuen Vorgaben kommt aber vielerorts die Frage auf, ob das Personal Masken tragen muss, wenn es eine mechanische Barriere am HV gibt.

Der bayerische Apothekerverband geht in einem Schreiben an seine Mitglieder aller Voraussicht nach nicht davon aus, dass man auch mit einer Installation von Plexiglasscheiben oder der Ergreifung anderweitiger Maßnahmen in der Apotheke diese Pflicht abwenden kann.  Inwiefern ein Visier die Maske ersetzen kann, erklärt  auf Nachfrage von DAZ.online ein Sprecher, dass dazu leider keine Einschätzung seitens des Verbandes möglich sei. Eine Empfehlung seitens der Kammer oder des Ministeriums liegt bislang nicht vor



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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9 Kommentare

Halsschmerzen durch das Tragen

von Marcel am 18.05.2020 um 18:21 Uhr

Hallo zusammen, ich trage jetzt seit 1 woche über längere Zeit stoff masken auf der Arbeit und habe seitdem extreme Halsschmerzen und schleime morgens. Das kann doch nie im Leben gesund sein.

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Maske und Spukschutz kein Problem

von Harald Orsi am 27.04.2020 um 14:33 Uhr

Wir arbeiten in unserer Apotheke in Südtirol seit 2 Monaten mit Maske und Plexiglas und alle Kunden tragen auch Maske. Der Betrieb läuft dbzl. fast reibungslos. Betrachtet man den möglichen Nutzen gesundheitlich und ökonomisch, gibt es kaum Argumente dagegen. Sprich, können wir durch die strikte Einhaltung dieser Maßnahmen weitere Erkrankungen verhindern und eine erneute Verschärfung der Einschränkungen vermeiden, sind die geringen Unannehmlichkeiten und Nachteile vernachlässigbar. Einfache und klare Regelungen werden leichter verstanden und eingehalten, als solche mit vielen Ausnahmeparagraphen.
In den Sommermonaten könnten zumindest wärmere Modelle weniger angenehm sein, aber bis dahin: Maske auf! Gegen leichte Halsbeschwerden und Hautreizungen haben wir Apotheker allerhand Hilfreiches auf Lager. Ausserdem sehe ich mich als Apotheker auch als Vorbild bzgl. Hygienemaßnahmen.

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AW: Maske und Spukschutz kein Problem

von ANITA DIEMINGER am 28.04.2020 um 21:36 Uhr

Worin sehen Sie den Nutzen der MNS-Masken? Diese Masken haben keine Evidenz bezüglich der Minimierung von Aerosolen, die durch die Atmung über die Atemluft abgegeben werden (nur FFP 3 Masken bieten diesen Schutz) . Das Einzige was sich etwas verändert, ist der Luftstrom der Tröpfchen z.B. beim Niesen oder Husten. Diese Masken sind kein Eigenschutz vor Corona, sondern stellen wenn überhaupt nur einen begrenzten Schutz des Gegenüber dar. Und zwischen dem Gegenüber und mir ist eine 2 Meter hohe und dicke Glascheibe. Ich kann da leider keine Sinnhaftigkeit erkennen. Die Belastung beim Atmen, die evtl. höhere Keimbelastung, durch nicht oft genug gewechselte Masken und auch die erhebliche Umweltbelastung sehe ich hier nicht als gerechtfertigt. Zudem verschwenden wir hier Masken, die in anderen Branchen dringend gebraucht würden, denn da gibt es oft keinen Spuckschutz.

Nach Wochen ungeschütztem Kontakt

von Juliett Pasche am 26.04.2020 um 4:38 Uhr

Wir haben recht lange auf die Plexiglasscheiben warten müssen auf Grund der hohen Nachfrage. Und jetzt seit Wochen ohne weiteren Schutz außer der Scheiben sollen wir Schutzmasken/Mundnasenbedeckung tragen die leider gar nicht verfügbar sind in der Menge, weder für Patienten noch Mitarbeiter. In einer Apotheke mit sehr hohen Patientenzahlen täglich, wo man auch mal mehrere Stunden durchgängig im HV arbeitet, finde ich es fast unmöglich die nach kurzer Zeit vom Reden durchnässten Maske ständig zu welchen. So viele Masken haben wir nicht und bekommen auch nur sehr spärliche Lieferungen. Mit Schal und Tuch besteht das selbe Problem der Durchnässtung nach kurzer Zeit. So gern man alles zum Schutz durchführen würde ist das logistisch schwer umsetzbar.

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Maskenpflicht trotz Spuckschutz

von ANITA DIEMINGER am 25.04.2020 um 0:05 Uhr

Ich finde auch, dass es ein guter Kompromiss wäre, die Maske nur dann zu tragen, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann oder keine anderen Schutzmassnahmen vorhanden sind. Leider gibt es bei uns keine so vernünftigen Lösungen. Aber es ist schön zu Hören, dass es nicht überall so ist. Trotzdem ist es ein Armutszeugnis, dass es hier anscheinend nur Bauchentscheidungen gibt. Was sagt denn die Wissenschaft dazu? Werden die Mitarbeiter eigentlich auch mal gefragt was sie wollen, oder sollen sie einfach nur arbeiten, bis sie nicht mehr können? Wo sind hier unsere Berufsverbände und wo ist die Fürsorgepflicht, die gegenüber uns besteht. Es gibt nicht nur Corona-wir sind auch noch da!!!!!!

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MNS

von Sven Larisch am 24.04.2020 um 18:44 Uhr

Ernsthaft?!- einen Spuckschutz noch anziehen, wenn man schon eine Rotzscheibe zwischen sich und den Kunden stehen hat und zudem noch Zugangsbeschränkungen durchführt. Mal wieder zeigt sich die Unausgegorenheit und Dummheit , dass alle Bundesländer und offensichtlich auch noch Regierungsbezirke und Städte selber entscheiden dürfen. Gibt es nicht einmal ein abgesprochene, einheitliche Regelung für dies Sch… (ups Netiquette).
Und keiner unserer Apothekenvertreter übernimmt Verantwortung. Besser mal die BG und Betriebsschutz anfragen. Und mal so gesagt- hinten ist man auch froh mal durchzuatmen. Zum Glück hat meine Apo genug Platz. Ich würde alleine pro Arbeitstag 10 Einmalmasken verbrauchen. Zudem soll der Mundschutz ja nur getragen werden beim Einkaufen und im ÖPN, weil da die 1,50 Mindestabstand nicht eingehalten werden können (Kuscheln am Wurstregal und an der Gemüsetheke). Wir haben immer 2 m Abstand Kunde zu Kunde und 1,5 Abstand Kunde zu Personal 8zzgl. Spuckschutzscheibe). Zudem lüften, Kugelschreiber desinfizieren, Baumwollhandschuhe, Kittel nur vorne tragen. Soll die AKNO oder das Gesundheitsamt was schreiben. Werde meinen Mitarbeitern gerne Masken zur Verfügung stellen. Haben zum Glück auch Selbstgenähte.

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Maskenpflicht trotz Spuckschutz

von ANITA DIEMINGER am 24.04.2020 um 0:26 Uhr

Als unser Spuckschutz installiert wurde, war ich sehr froh darüber. Jetzt muß ich zusätzlich eine Maske tragen und komme jeden Tag mit Halsschmerzen nach Hause. Durch die dicke Glasscheibe, meinen Mundschutz und jetzt auch durch die Kunden, die Mundschutz tragen, bin ich die meiste Zeit am Schreien und doppelt erklären, weil vielfach ältere Kunden mich schlicht und einfach nicht mehr verstehen. In diesen Situationen fällt mir das Atmen mit der Maske extrem schwer und mein Puls geht durch die Decke. Fragwürdig ist für mich zudem, was die MNS Maske bewirken soll, zumal sie nur gegen Tröpfeninfektion, nicht aber vor Aerosolen schützen kann. Was macht das dann für einen Sinn, das sowieso schon hochbelastete Personal, damit noch mehr zu belasten und dadurch ein Ausfallen in Kauf zu nehmen?

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AW: Maskenpflicht trotz Spuckschutz

von Tina am 24.04.2020 um 8:09 Uhr

Ich habe es so verstanden, dass wir im Team uns untereinander damit schützen. Wenn die HV-Plätze weit genug auseinander stehen, muss man die Maske dort nicht anziehen (PLexiglasscheibe nach vorne vorausgesetzt) - wenn man nach hinten geht und den Mindestabstand nicht einhalten kann, dann schon.
Viele Grüße!

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von Christian Timme am 23.04.2020 um 6:52 Uhr

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